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Meerbeck Nach Vatertag: „Wir müssen den Dreck wegräumen“
Schaumburg Niedernwöhren Meerbeck Nach Vatertag: „Wir müssen den Dreck wegräumen“
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19:44 03.06.2019
Entlang des Kanals zieht sich eine Müllspur. Quelle: pr
Volksdorf

Am vergangenen Donnerstag war es wieder soweit. Die Bilanz: Zwei verletzte Polizisten, fünf Festnahmen, 13 Platzverweise, drei Beleidigungen, fünf Körperverletzungen, vier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, eine Sachbeschädigung, 27 Gefährderansprachen und fünf Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte (wir berichteten).

Diese Zwischenfälle würden immer wieder mit seinem Restaurant in Verbindung gebracht, klagt Homeier. „Da wird geschrieben, in Bad Hiddenserborn waren 1200 Leute, dabei habe ich gar nichts damit zu tun“, distanziert sich der Wirt sowohl von den Feiernden als auch von den Ausschreitungen in seiner direkten Nachbarschaft. Dies sei inzwischen schon geschäftsschädigend. Immer wieder werde er darauf angesprochen: „Was ist denn bei dir los?“, würden ihn die Menschen fragen. Dabei sei bei seiner eigenen Veranstaltung alles wunderbar gelaufen und die Gäste haben dank seines eingesetzten Sicherheitspersonals auch ungestört den Tag genießen können. „Wir schützen unsere Gäste, damit sie hier normal feiern können.“

Müll auf 25.000 Quadratmetern

„Hier auf dem Grundstück ist eine ganz andere Veranstaltung gelaufen“, sagt Homeier, der zudem niemanden reinlässt, „der unter 18 ist“. Die meisten marodierenden Jugendlichen hingegen seien 14 bis 16 Jahre alt, so der Geschäftsmann. 1500 bis 2000 Euro kosten ihn die Sicherheitsvorkehrungen. Dennoch helfen diese auch nicht dagegen, dass nach dem Gelage überall – auch auf seinem 25.000 Quadratmeter großen Gelände – Müll verstreut liegt. „Und wir müssen den Dreck wieder wegräumen“, erklärt der Gastronom, dass er zusammen mit dem Wasserschifffahrtsamt alles wieder aufsammelt. 30 bis 40 Säcke, die 120 Liter fassen, seien in diesem Jahr zusammengekommen. Das Wasserschifffahrtsamt sei für die Wege am Kanal zuständig.

2013 war ein Praktikant von Homeier in eine Auseinandersetzung geraten und hatte bleibende Schäden davon getragen. Die mutmaßlichen Täter waren angeklagt, den Praktikanten krankenhausreif geschlagen zu haben. Der damals 24-Jährige erlitt eine Hirnblutung und ist auf einem Ohr taub geblieben. Mehr als fünf Jahre nach der Tat hatte die zuständige Berufungskammer am Bückeburger Landgericht im August 2018 die drei Angeklagten vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freigesprochen, weil sich nach so langer Zeit nicht mehr rekonstruieren ließ, was am Ende der Vatertagsfeier 2013 genau passiert war (wir berichteten).

Die Ausschreitungen seien in jedem Jahr unterschiedlich, sagt Homeier. Es sei auch schon ruhig geblieben, aber zurzeit hat er den Eindruck: „Das wird immer aggressiver und extremer.“

In jedem Jahr treffe er sich in Niedernwöhren bei der Samtgemeinde mit Verwaltung, Ämtern, Polizei und anderen Einsatzkräften. Von Absperrungen bestimmter Wege bis zum Aufstellen von Müllcontainern reichten die Versuche, um die Auswüchse der Vatertagspartys in Grenzen zu halten. Doch das habe bisher alles nicht viel genützt.

Von Babette Jakobs