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Niedernwöhren Dieter Stahlhut: Immer noch drei Pedale, aber dreimal mehr PS
Schaumburg Niedernwöhren Niedernwöhren Dieter Stahlhut: Immer noch drei Pedale, aber dreimal mehr PS
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15:51 30.01.2019
Dieter Stahlhut, 75, lehrt seit 44 Jahren Autofahren.
Dieter Stahlhut, 75, lehrt seit 44 Jahren Autofahren. Quelle: ab
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Helpsen/Niedernwöhren

Fangen wir mit der frechsten Frage an, dann haben wir das Thema hinter uns: Sollte ein Autofahrer mit 75 den Führerschein abgeben müssen, Herr Stahlhut? „Es kommt immer auf den Einzelfall an. Wenn der Autofahrer körperlich fit ist, soll er auch noch mit 80 fahren dürfen. Ich kenne 50-Jährige, die am Stock gehen und es kaum schaffen, sich hinter das Lenkrad zu klemmen - über die redet niemand.“

Es ist nicht verwunderlich, dass Stahlhut dieses Thema umtreibt. Er ist 75 Jahre alt. Stahlhut fährt allerdings nicht einfach Auto, sondern er lehrt junge Menschen, Auto zu fahren. Seit 44 Jahren tut er dies in der eigenen Fahrschule. Stahlhut ist gebürtig aus Stemmen, er wohnt mit seiner Frau in Helpsen, Unterricht gibt er in Räumen, die er in Niedernwöhren und Stadthagen angemietet hat.

Dass Dieter Stahlhut beruflich auf einem Beifahrersitz hocken würde, wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Mit 14 war er bei einem Schmied in Enzen in die Lehre gegangen. Den Weg ins Auto fand er bei der Bundeswehr. „Verpflichte dich doch auf vier Jahre, dann kannst du die Ausbildung zum Fahrlehrer machen“, habe ihm sein Kompaniechef geraten, erinnert sich Stahlhut. So wurde der Schmied zum Fahrlehrer.

Ein Stück-Mobilitätsgeschichte

1975 machte sich Dieter Stahlhut in Niedernwöhren selbstständig. „Das erste Auto war ein BMW 2002, natürlich in Rot“, sagt er. Dieses Dienstauto war eine Verbesserung gegenüber dem Privatauto, das der sehr junge Mann angeschafft hatte – einen Fiat 600. Als 17-Jähriger hatte Stahlhut Kreidler Florett gefahren, den – wie er sagt – „Mercedes unter den Mopeds“. So ist die Geschichte von Dieter Stahlhut auch ein Stück Mobilitäts-Geschichte.

Im Lauf seiner Fahrlehrer-Karriere ist Stahlhut schon gefahren: Opel, Ford, VW, Mercedes, Mazda. Derzeit unterhält er zwei schnittige, schwarze Subaru, einen Schalt- und einen Automatikwagen, beide Diesel, beide Allrad.

In Stahlhuts Fußraum hängen drei Pedale, für Gas, Bremse und Kupplung, sodass er auch unsichere und untalentierte Fahrschüler über die Straßen lotsen kann. „Allerdings haben meine Autos heute erheblich mehr PS als früher“, sagt er. Die VW, die er lange Zeit zur Ausbildung nutzte, hatten 54 PS, die Subarus sind 148 PS stark.

„So lange ich schneller reagiere als die Fahrschüler, sehe ich keinen Grund, den Beruf an den Nagel zu hängen“, sagt Stahlhut. Alle fünf Jahre muss er zum Amtsarzt. Etwa 120 meist junge Frauen und Männer melden sich jedes Jahr bei ihm an, selbst in den achtiger Jahren hatte er nur 20 mehr.

Nie einen Unfall miterlebt

„Ich kriege gelegentlich Anrufe von Männern, die bei mir Führerschein gemacht haben“, sagt Stahlhut, „die melden ihre Töchter und Söhne an – für ‚in zwei Jahren‘“. Inzwischen hat er Schüler aus Familien, die drei Generationen umspannen.

Um all das auszubreiten, was Stahlhut erlebt hat, müsste er eigentlich ein Buch schreiben. Beispiele? Eine Frau bestand darauf, ihm Lieder vorzusingen, während sie fahren lernte. Eine andere musste er überreden, die Ausbildung nicht abzubrechen: Ihr verstorbener Mann flüstere ihr im Traum ein, sie dürfe auf gar keinen Fall den Führerschein machen, meinte sie.

Auch Stahlhut hat als Fahrlehrer nie einen Unfall miterlebt, und als Privatmann steht er in Flensburg bei null Punkten. Seine größte fahrerische Herausforderung datiert aus der Zeit als junger Mann. Um ein bisschen Geld zu verdienen, überführte er Mähdrescher von einem großen Hersteller, der in Harsewinkel sitzt, nach Stadthagen. Neun Stunden brauchte er für eine Strecke, karriolte durch die Städte Bielefeld, Herford und Bad Oeynhausen.

Dagegen ist eine 135-Minuten-Überlandfahrt mit einem Subaru nun wirklich ein Klacks.

von Arne Boecker