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Niedernwöhren Max & Moritz auf Philippinisch: Neue Bibliothek eröffnet
Schaumburg Niedernwöhren Niedernwöhren Max & Moritz auf Philippinisch: Neue Bibliothek eröffnet
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19:08 22.04.2019
Busch gibt es in der neuen Bibliothek zum Blättern – und dann auch noch aus Holz. Quelle: ab
Niedernwöhren

Mit einem ebenso fröhlichen wie feierlichen Festakt ist am Ostermontag die Bibliothek eröffnet worden, die jetzt die Diele des Wilhelm-Busch-Geburtshauses ziert. Für Hausherr Benjamin Tillig war es das letzte Hurra in Wiedensahl, am 1. Mai fängt er im Starnberger Stadtmuseum an.

Für Busch waren Bücher existenziell, jetzt haben sie auch im Museum einen Platz

Wer die wunderschöne Dielentür aufzieht, sieht die Bücher auf den ersten Blick. „Wilhelm Buschs Bücher verschaffen einem in der Regel den ersten Zugang zu seinem Werk und Wirken“, begründete Tillig, warum eine Bibliothek an derart exponierter Stelle sinnvoll ist.

Der Museumsleiter ist das beste Beispiel, hat er doch schon während seiner Kindheit in Thüringen ein schönes, großes Album mit Busch-Bildern in die Finger bekommen. „Aber auch für Busch waren die gedruckten Werke natürlich von enormem Wert“, sagt Tillig, „schließlich hat deren Verkauf seinen Lebensunterhalt gesichert.“

Bisher waren Bücher im Wilhelm-Busch-Geburtshaus nicht so erlebbar, wie es sich dessen Leiter gewünscht hat. Dass sich das jetzt ändert, ist vor allem drei Schenkungen zu verdanken, die in der Vergangenheit im Depot lagerten.

Ausgaben stammen aus Litauen oder von den Philippinen

Sie stammen von den Sammlern Jobst-Hinrich Wöbbeking, Manfred Görlach und Wolfgang Koch. Sie haben Sammlungen, Ausgaben aus verschiedenen Epochen und verschiedenen Ländern (u.a. Litauen, Philippinen), rare Einzelausgaben und jede Menge Sekundärliteratur ins Gebursthaus gegeben.

Die Literatur über Busch beschäftigt sich mit allen Aspekten seines Schaffens, beispielsweise seiner Malerei. Unter den Ausgaben sind auch solche, die bislang noch gar nicht verlegt worden sind.

30.000 Euro hat die Neugestaltung im Geburtshaus gekostet. Das Geld kommt von der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft, der Stiftung Niedersachsen, der Stiftung Wilhelm Busch und vom Förderkreis Wilhelm Busch.

Bücherei soll Zusatzangebot sein - kein Substitut

Eckhard David, Geschäftsführer der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft, freute sich in seinem Grußwort zur Eröffnung, dass er „endlich mal einen Förderantrag aus Wiedensahl bekommen“ hatte: „Hier wussten wohl nur wenige, dass Wiedensahl auf dem Gebiet unserer Landschaft liegt.“ Insgesamt fördere die Landschaft Kultur pro Jahr mit etwa 200.000 Euro, sagte David.

Museumschef Benjamin Tillig legt Wert auf die Feststellung, dass die neue Bibliothek keine der Nutzungen verhindert, die bislang die Diele mit Leben gefüllt haben. „Es kann dort weiterhin Lesungen und Ausstellungen geben“, erklärt Tillig.

Die „Fahnen“, die bislang das Leben von Wilhelm Busch nachgezeichnet haben, sind in schöner Schrift gesetzten Texten gewichen, die direkt auf den Wänden stehen.

Für den scheidenden Museumsleiter soll die Bibliothek erst der Anfang sein

Zur Gestaltung der Bibliothek hat sich Benjamin Tillig Hilfe von Bühnenbildnern und Szenografen aus Berlin geholt. Die wunderschönen Möbel konnte er bei einer Tischlerei im nahen Petershagen maßschneidern lassen, die sich auf Bibliotheken spezialisiert hat.

Tillig wünscht sich, dass sich die Busch-Bibliothek unter seiner Nachfolgerin Frauke Quurck weiter entwickelt. Er könnte sich vorstellen, dass sie für sprachwissenschaftliche Studien geöffnet wird, und dass man sie mit der neuen Internetseite sowie mit Hochschulen verknüpft.

Fernziel könnte sein, was Tillig „eine Online-Bibliothek über Wilhelm Busch“ nennt. Tillig betonte den Wert, den Bibliotheken heute haben. „Normalerweise bekommt man im Internet nur das widergespiegelt, was man ohnehin sucht“, sagt er, „eine Bibliothek lädt dagegen zum Stöbern ein, nur so kann man Neues und Unbekanntes entdecken.“ Ihm, so Tillig, liege das „sehr am Herzen“.

Kritik in Richtung des Wissenschaftsministeriums

In seiner Eröffnungsrede referierte Tillig den Beginn der „Unendlichen Geschichte“ von Michael Ende. Dort findet ein Junge auf der Flucht vor Verfolgern ein Buch, das sein Leben verändert. „Bücher können Leser in andere Welten aufbrechen lassen“, resümierte Tillig. Nirgends sei dies besser zu erkennen als im Wilhelm-Busch-Geburtshaus: „Hier finden wir Geschichte und Geschichten unter einem Dach.“

Schirmherr der Bibliothek ist Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler. In Abwesenheit tadelte ihn Landschafts-Geschäftsführer David sanft dafür, zwar die Schirmherrschaft akzeptiert, aber keinen Zuschuss locker gemacht zu haben. Außerdem kritisierte er grundsätzlich den „Bürokratismus“, der sich bei der Ausgestaltung der Förderregeln ausgebreitet habe.

Einen besonderen Dank stattete Benjamin Tillig Birgit Dunker ab, die zum Museumsteam gehört. Mit anderen Ehrenamtlern habe sie im Winter viele Stunden auf dem Dachboden verbracht, um den Stand der Dinge zu sichten, was die drei Schenkungen betrifft.

Kurz danach stürmten jedoch zunächst Kinder durch das Wilhelm-Busch-Geburtshaus – auf der Suche nach Ostereiern und Schokohasen. von Arne Boecker