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Niedernwöhren Vor 250 Jahren in den Wald geschickt
Schaumburg Niedernwöhren Niedernwöhren Vor 250 Jahren in den Wald geschickt
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00:26 21.04.2018
Auf der Kreuzung wollen die Mittelbrinker ihr Fest feiern. Vor 250 Jahren ließ Graf Wilhelm entlang des Weges zwölf Grundstücke roden und kleine Häuser errichten.
Auf der Kreuzung wollen die Mittelbrinker ihr Fest feiern. Vor 250 Jahren ließ Graf Wilhelm entlang des Weges zwölf Grundstücke roden und kleine Häuser errichten. Quelle: kil
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NIEDERNWÖHREN/MITTELBRINK

Mittlerweile ist Mittelbrink auf 20 Wohnhäuser angewachsen. Den runden Geburtstag ihrer Siedlung wollen die Mittelbrinker feiern und zwar mit einem bunten Fest am 3. Juni.

Wilhelm will Handwerker in sein Land holen

Gut mit der Geschichte der Siedlung vertraut ist der Mittelbrinker Manfred Würfel, der unter dem Titel „Im Walde bei den Portugiesen“ sogar ein Heft zur Historie Mittelbrinks verfasst hat, das von der Gemeinde herausgegeben wurde.

Mittelbrink besteht aus zwei sich kreuzenden Straßen. Die Hausnummern werden nach Baujahr verteilt, nicht nach ihrer Platzierung an der Straße. Foto: kil

Einige Jahre nachdem Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe den Portugal-Feldzug gegen die Spanier erfolgreich geführt hatte, nahm sich der Herrscher der wirtschaftlichen Entwicklung seines Landes an. Um die Wirtschaft anzukurbeln, holte er Handwerker ins Land, die er damit lockte, ihnen kostenlose Siedlungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Wegen Platzmangel im Wald gelandet

Da jedoch große Teile seines Landes bereits besiedelt waren, fiel die Wahl auf ein paar Waldwiesen auf dem mittleren Brink (Anhöhe) zwischen Niedernwöhren und Pollhagen – mitten im Wald. Weniger zur Freude der umliegenden Bauern ließ Wilhelm zwölf Grundstücke zu je zwei Morgen in den Wald roden und darauf kleine Häuser errichten.

Feier auf der Kreuzung

Die Jubiläumsfeier anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Siedlung Mittelbrink findet am Sonntag, 3. Juni, auf der Kreuzung im Ort statt. Los geht es um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, den Pastor Uwe Herde aus Pollhagen leiten wird. Um 12 Uhr folgt die Festrede von Karl-Heinz Schneider, Professor der Universität Hannover, der über „Graf Wilhelm und die Siedlungsgründung“ erzählen wird. Um 13 Uhr soll die Mittelbrink-Fahne gehisst werden. Das Graf Wilhelm Regiment begleitet das Spektakel mit Trommelwirbel und Schüssen. Die Flagge haben Mittelbrinker eigens für das Jubiläum erstellt. Sie weist ein grünes Kreuz auf rotem Grund auf.

Das Kreuz soll die Mittelbrinker Kreuzung symbolisieren, farblich ist die Flagge an die portugiesische Fahne angelehnt. Nach weiteren Grußworten wird Bürgermeister Thomas Bachmann gegen 14 Uhr den Gedenkstein enthüllen, der künftig am Rande der Mittelbrinker Kreuzung an das Jubiläum erinnern soll. Anschließend folgt ein geselliges Treffen mit Kaffee und Kuchen bis etwa 17 Uhr. Für den Zeitraum der Feier (10 bis 17 Uhr) ist die Durchfahrt durch Mittelbrink voll gesperrt. kil

Diese bot er Handwerkern und ehemaligen Soldaten – auch aus Portugal – an. Töpfer, Drechsler und andere Handwerker sollten dort ihr Handwerk aufbauen und mussten in den ersten zwölf Jahren keine Abgaben leisten.

Wer zu faul war, wurde verjagt

Allerdings klappte das nicht in allen Fällen, „so mancher wurde wieder verjagt“ – zum Beispiel Heinrich Bremeyer, der nach gut einem Jahr wegen Faulheit wieder weggescheucht wurde. Auch, wer ledig war und binnen eines Jahres nicht heiratete und eine Familie gründete, musste die Siedlung schließlich wieder verlassen.

Würfel schätzt, dass von den heutigen Bewohnern höchsten noch eine Familie Wurzeln zu den Siedlern der ersten Jahre hat. Darum sei die Frage „Ab wann ist man Mittelbrinker?“ auch nicht eindeutig zu beantworten, meint er.

Baufällige Häuser mussten weichen

Von den ersten Häusern aus Tonziegeln ist kaum noch etwas übrig. Nur noch wenige Tonziegel der ersten Generation wurden in den Häusern späterer Generationen wiederverwendet. Allerdings nur die guten und harten Ziegel – ein Großteil war nämlich viel zu weich und auch sonst ließ die Qualität der Häuser wohl zu wünschen übrig, sodass manche schon nach zwölf Jahren baufällig waren und wieder abgerissen werden mussten. kil