Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Nordsehl PLSW baut auf dem „Hof an der Holpe“ in Nordsehl Aronia-Beeren an
Schaumburg Niedernwöhren Nordsehl PLSW baut auf dem „Hof an der Holpe“ in Nordsehl Aronia-Beeren an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
12:01 04.09.2019
Die Mitarbeiter des PLSW-Hofes an der Holpe (Norsehl) bringen bei 900 Aronia-Sträuchern die Ernte ein. Quelle: ssr
Anzeige
Nordsehl

Seit einigen Jahren hält eine neue Frucht Einzug in den Obstanbau in Niedersachsen: die Aronia-Beere. Auf diesen Zug aufgesprungen ist der „Hof an der Holpe“ in Nordsehl, eine Einrichtung der Paritätischen Lebenshilfe Schaumburg-Weserbergland (PLSW). „Noch ist die Aronia-Beere – auch Apfelbeere genannt – ein Nischenprodukt, aber die Nachfrage nimmt ständig zu“, schildert Ingrid Heuer, bei der PLSW unter anderem Bereichsleiterin für den „Hof an der Holpe“.

Der Geschmack der Beere sei nicht jedermanns Sache, weiß die Mitarbeiterin. „Er ist eher säuerlich-herb.“ Die Strauchbeere gilt jedoch als sehr gesundheitsfördernd, ist reich an Vitamin C und E sowie an Mineralstoffen wie Calcium, Eisen, Magnesium, Zink und Kalium.

Für Klientel auf Hof bestens geeignet

Durch einen Zeitungsartikel sei er vor zwei Jahren auf diese Strauchfrucht aufmerksam geworden, sagt PLSW-Gruppenleiter Ralf Hesse. Dieser Bericht habe ihn animiert, an einem Seminar auf jenem Hof in der Lüneburger Heide teilzunehmen, der den Aronia-Anbau in Niedersachsen eingeführt hat. Schnell sei ihm klar geworden, dass diese Beere „für die Klientel auf unserem Hof bestens geeignet ist“.

Denn die Frucht sei fest und könne deshalb nicht so leicht zerdrückt werden. „Das kommt unseren Mitarbeitern mit ihren motorischen Beeinträchtigungen sehr entgegen“, so Hesse. Ursprünglich stammt die zu den Rosengewächsen zählende Pflanze aus den Wäldern Kanadas, ehe sie über den Umweg Russland nach Deutschland kam. Der Name Apfelbeere wird auf die Blüten – Weiß mit etwas Rosa – zurückgeführt, die Apfelblüten sehr ähneln.

Das könnte Sie auch interessieren: Superfood Aroniabeere: Blüte im Mai, Ernte im August

900 Sträucher gepflanzt

Vor zwei Jahren habe man auf dem „Hof an der Holpe“ ohnehin die Anbaupalette von Gemüse und Obst erweitern wollen, berichtet Hesse. „Himbeeren, Blaubeeren und Erbeeren gibt es überall. Da haben wir gedacht, die Aronia kann eine interessante Bereicherung unserer Arbeitsabläufe und des Angebotes in unserem Maigut-Laden sein.“

Für rund 3000 Euro kaufte die PLSW im Herbst 2017 mehr als 900 Sträucher – alle vier Jahre alt – und pflanzte diese auf einer Fläche von 1500 Quadratmetern an. „Alle Sträucher sind angegangen“, freut sich Hesse. Die Pflanze, die bis zu vier Meter hoch wird, aber beschnitten werden kann, gilt als äußerst robust und pflegeleicht. Sie kann dem PLSW-Gruppenleiter zufolge Temperaturen bis minus 35 Grad aushalten, sei andererseits aber auch sehr hitzebeständig. „Sie kann im Sommer zwei Wochen lang völlig ohne Regen auskommen, danach muss man allerdings ein wenig wässern.“

90 Kilogramm im vergangenen Jahr geerntet

In den ersten Jahren nach dem Anpflanzen muss um die Sträucher herum noch Unkraut gejätet werden, danach kommen die widerstandsfähigen Pflanzen alleine zurecht. „Auch Wildverbiss oder Schäden anderer Art – zum Beispiel durch Vögel – haben wir bei unseren Aronias bislang noch nicht beobachtet“, so Hesse. Im vergangenen Jahr konnten die Mitarbeiter 90 Kilogramm Früchte ernten, in diesem Jahr werden bereits 300 Kilogramm erwartet. Geerntet werden können die Beeren in der Zeit von Mitte August bis Mitte September.

Konsumiert wird die Aronia in der Regel nicht als Frucht, sondern als Saft: „Gerne mit Wasser verdünnt oder mit Apfelsaft gemischt“, erläutert Heuer. Auch Essig lasse sich daraus herstellen. Gerne werde die Beere zudem als Trockenfrucht oder zu Pulver verarbeitet im Müsli verkostet. Verarbeitet werden könne sie ebenso beim Kuchenbacken. Mit Schokolade überzogen eignet sie sich laut Heuer auch als Süßigkeit. Einige Verbraucher verarbeiten die Aronia zu Gelee oder Marmelade. Von den festen Auspress-Rückständen der Frucht lässt sich sogar Tee herstellen.

Geringe Menge wird verkauft

Die PLSW verkauft Aronia-Saft in ihrem Maigut-Laden in Stadthagen (Am Helweg) – wobei die Menge relativ gering ist. „Schließlich handelt es sich bei uns um eine kleine Mini-Plantage“, betont Heuer. Der Aronia-Anbau in Nordsehl erfolge aber ohnehin nicht aus Gründen der Gewinnorientierung, stellt die die Bereichsleiterin: „Wobei wir dauerhaft auch keinen Verlust einfahren dürfen.“ Stattdessen geht es der PLSW laut Heuer hierbei um etwas Anderes: „Die Schaffung einer sinnvollen Ergänzung der Aufgabenpalette für unsere Mitarbeiter mit ihren Beeinträchtigungen.“ von Stefan Rothe

Lesen Sie auch: Aronia wird in Niedersachsen immer öfter angebaut