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Nordsehl Trachten dominieren das Erntefest in Nordsehl
Schaumburg Niedernwöhren Nordsehl Trachten dominieren das Erntefest in Nordsehl
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00:18 29.08.2018
Zum Jubiläum sind viele auswärtige Trachtengruppen nach Nordsehl gekommen.
Zum Jubiläum sind viele auswärtige Trachtengruppen nach Nordsehl gekommen. Quelle: lht
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Nordsehl

Auch beim Ernteumzug am Vortag standen Trachten im Mittelpunkt – denn sowohl Erntebauer Matthias Heumann als auch seine Frau Sandra hatten sich entsprechend dem Festwochenende gekleidet.

Manfred Gümmer, der Vorsitzende der Trachtengruppe, gehörte 1968 zu ihren Mitbegründern. „Dass daraus mal 50 Jahre werden, hätte ich nicht gedacht“, sagt er heute. Anders als in den Gründungsjahren, als Trachten laut Gümmer eine Hochzeit erlebten und viele Schaumburger die Kleidung auch im Alltag trugen, sei dieses Brauchtum inzwischen weniger verbreitet.

Von Schwierigkeiten, junge Schaumburger für Tracht zu begeistern, möchte Renate Gewers, die sich als Sprecherin der Arbeitsgruppe Trachten der Schaumburger Landschaft landkreisübergreifend mit dem Thema beschäftigt, jedoch nicht sprechen. „Es gibt schon jüngere Mitglieder“, sagt Gewers, „aber insbesondere das mittlere Alter ist wenig vertreten.“

So würden den Trachtengruppen ebenso wie vielen anderen Vereinen vor allem junge Erwachsene abspringen, weil diese studienbedingt den Wohnort wechseln – oder einen Partner kennenlernen, der sich für Trachten und Tänze wenig erwärmen kann. Einige Gruppen hätten sich aufgrund dieser Entwicklung bereits auflösen müssen oder seien inzwischen weniger aktiv – beispielsweise die aus Lauenhagen oder Porta-Eisbergen.

Renaissance der Tracht?

Doch nicht überall bedeute dies das Ende der Trachtenkultur im Ort, erklärt Gümmer. Um gleich beim Beispiel Lauenhagen zu bleiben: Dort ist in den vergangenen Jahren Stück für Stück die Dorfjugend an die Stelle der Trachtengruppe gerückt – und hat Tänze wie die Achttourigen laut Gümmer ebenso wie die Tracht selbst übernommen. „Wie sich die Gruppen nennen, ist mir letztlich egal“, erklärt der Vereinsvorsitzende, „Hauptsache, das Brauchtum bleibt erhalten.“

Wer gestern in Nordsehl unterwegs war, hätte sogar auf die Idee kommen können, dass die Tracht eine Renaissance erlebt – aufgrund der vielen entsprechend gekleideten Gäste, die zur Feier auf dem Festplatz gekommen waren. Darunter waren nicht nur Gruppen aus Lindhorst, Meinsen-Warber und Cammer – sondern auch befreundete Vereine aus Anzing nahe München sowie aus dem schwäbischen Reichenbach an der Fils.

Letztere Freundschaft übrigens ist in den siebziger Jahren durch ein Zeitungsinserat zustande gekommen. Seitdem haben sich die Gruppen alle drei bis vier Jahre gegenseitig besucht – und wer gesehen hat, wie die Trachtenträger am Wochenende gemeinsam gefeiert haben, kann sicher sein, dass dies nicht die letzte Visite gewesen sein dürfte.

von Lennart Hecht