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Pollhagen Fachleute schauen Schaumburger Wald unter die Haut
Schaumburg Niedernwöhren Pollhagen Fachleute schauen Schaumburger Wald unter die Haut
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20:27 07.08.2019
Pollhagen

Jetzt brüten sie über der Auswertung. Deren Ergebnis entscheidet darüber, wie der Wald in den kommenden Jahrzehnten aussehen wird. Das Forstplanungsamt, das dem Landwirtschaftsministerium untersteht, hat die Aufgabe, sich den gesamten Landeswald anzuschauen und den Zustand zu dokumentieren. „Standortskartierung“ heißt das unter Forstexperten.

„90 Prozent haben wir inzwischen geschafft“, sagt Thomas Jensen, Sachgebietsleiter im Forstplanungsamt. Im Schaumburger Wald, rund um die Revierförsterei Natenhöhe in Pollhagen, haben zehn Referendare in den vergangenen Wochen insgesamt 1200 Hektar Waldboden untersucht. „Dazu haben wir 200 Bodenschürfe angelegt und etwa 1200 Bohrungen vorgenommen“, sagt Jensen.

Schaufenster in den Waldboden

Bodenschürfe sind bis zu 1,80 Meter tiefe Gruben, die von Baggern ausgehoben werden. Wenn man so will, sind das „Schaufenster“ in den Waldboden. „Aus dem Profil der Wände gewinnen wir erste Erkenntnisse“, sagt Sachgebietsleiter Jensen. Genauer wird es dann bei den zwei Zentimeter breiten Bohrkernen, die die so genannten Pürkhauser-Bohrer liefern.

Sehr grob gesagt, prägen den Boden unterhalb des Schaumburger Waldes hohe Staufeuchte und gute Nährstoffversorgung. So erklärt es Thomas Jensen vom Forstplanungsamt. „Die Staufeuchte sorgt für zeitweiligen Wasserüberschuss, was bei einigen Pflanzen dazu führen kann, dass sie nicht genügend mit Sauerstoff versorgt werden.“ Die oberste Schicht des Waldbodens bestehe aus Geschiebedecksand, den die Eiszeit herangeschafft habe. Darunter lagerten Tonschichten, die aus der Kreidezeit stammten.

Leichte Beute für den Buchdrucker

„In den Wäldern treten derzeit viele Probleme auf“, erklärt Thomas Jensen. Am schlimmsten ist die anhaltende Trockenheit, die dazu führt, dass die Bäume – nicht nur Fichten – leichte Beute von Ips typhographus werden. Das ist die lateinische Bezeichnung des Buchdruckers, einer Borkenkäfer-Art. Auch richten Stürme in trockenen Wäldern schlimme Schäden an.

„Mit der Standortskartierung soll entschieden werden, welche Bäume auf den Böden die besten Bedingungen finden“, sagt Jensen. Weil Prozesse im Boden langsam verlaufen, dürften die Daten, die seine Leute liefern, mindestens 30 Jahre halten.

Von Arne Boecker