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Pollhagen Fast 100 Jahre bewegte Geschichte
Schaumburg Niedernwöhren Pollhagen Fast 100 Jahre bewegte Geschichte
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12:32 22.07.2009
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Das rund 1200 Einwohner zählende Dorf Pollhagen verfügt noch über ein vollwertiges Lebensmittelgeschäft. „Nah und Gut“ heißt der Laden von Eigentümerin Adelheid Schmidt. Und eigentlich ist die Filiale der zum Edeka-Konzern gehörenden Kette sogar mehr als das. Denn es gibt weit mehr als Lebensmittel, unter anderem noch einen Post-Shop.

Bis 1997 hatte Schmidts Laden sogar noch eine Filiale der Post, dann wurde diese zum „Shop“ umfunktioniert. Service wie das Auszahlen von Geld aus Postbank-Konten fiel fortan weg. Und nun soll auch der Post-Shop, in dem Briefe und Pakete aller Art verschickt werden können, auf reinen Briefmarkenverkauf reduziert werden. „Für Pakete müssen die Pollhäger dann bis nach Stadthagen fahren“, erklärt Schmidt. Auch wenn der Postbote eine Sendung nicht abliefern kann, darf diese fortan nicht mehr im Pollhäger Laden gelagert werden.

Der weitere Wegfall des Post-Services ist ärgerlich für Schmidt. Schließlich habe das auch zusätzliche Kunden in das Geschäft gezogen. Voraussichtlich ab Oktober ist es damit vorbei. Ähnliche Einschnitte ergaben sich aus der Einbuße der Lotto-Annahmestelle im Frühjahr.

Doch letztlich sind auch Post und Lotto nur Episoden in der fast 100-jährigen Geschichte des Pollhäger Dorfladens. 1912 gründete Heinrich Bruns, Adelheid Schmidts Großvater, das Geschäft als Kolonialwaren- und Gemischtwarenladen. Schmidts Vater Heinrich Bruns übernahm das Geschäft nach seiner Rückkehr aus dem Krieg. In dieser Zeit befand sich der Laden noch ein Stückchen weiter die Rottstraße hinunter, an dessen Ecke er heute steht.

Die Gastwirtschaft Bruns entstand später auf dem 1949 gekauften Eckgrundstück. Der Laden zog dort ein, nachdem er am alten Standort im Jahr 1969 abgebrannt war. Anfangs gab es bei Bruns weniger Lebensmittel als viel mehr Haushaltswaren. Textilien, Schrauben, Nägel, Draht und Geschirr gab es zu kaufen, außerdem Dinge wie Kakao, Pfeffer, Tee und Kaffee.

Nach und nach verschob sich der Fokus in Richtung Lebensmittel. In den sechziger Jahren wurde aus dem Geschäft eine Filiale der Vivo-Kette. Ab da bedienten sich die Kunden selbst. Nach „Vivo“ hieß der Laden „Contzten“, in den achtziger Jahren wurde daraus eine „Spar“-Filiale. Der letzte Wechsel des Hauptlieferanten erfolgte 2006, als Edeka das Pollhäger Geschäft in seine kleinste Sparte, „Nah und Gut“, eingliederte.

Seither gibt es fertig gedruckte Prospekte. „Früher haben wir das selbst gemacht“, sagt Schmidt, die seit 1965 in dem Familienbetrieb abreitet. 1993 übernahm sie den Laden von ihrem Vater. Ab 1979 gab es dort die Lotto-Annahmestelle. Seit 1980 ist ein Reisebüro eingezogen. An einem Schalter neben der Kasse können Kunden sich die Kataloge der bekannten Reiseveranstalter anschauen und bei Reiner Schmidt ihren Urlaub buchen.

Die Kundschaft besteht nach Worten Adelheid Schmidts vor allem aus älteren Pollhägern. Aber auch Familien mit Kindern kaufen bei „Nah und Gut“, wohl auch weil der Kindergarten gleich nebenan ist. Sonderangebote und die Edeka-Produktreihe „Gut&Günstig“ machen die Preise des Pollhäger Ladens konkurrenzfähig sogar zu Discountern.

Und das Sortiment kann sich ebenfalls sehen lassen. Frisches Obst und Gemüse werden zweimal pro Woche geliefert. Es gibt frische Brötchen, eine Fleisch- und Käsetheke sowie einen Tiefkühlbereich. Und außer Lebensmitteln bekommen Kunden bei „Nah und Gut“ auch Geschenkartikel, Wolle und Ähnliches. Viele Kunden nutzen den Einkauf zum Austausch. Der Laden bietet Gelegenheit zum Klönen zwischen den Regalen. „Das gibt’s im Supermarkt so nicht“, sagt Schmidt. gus

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