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Samtgemeinde Niedernwöhren Deponie Münchehagen ist dicht
Schaumburg Niedernwöhren Samtgemeinde Niedernwöhren Deponie Münchehagen ist dicht
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14:18 21.07.2019
Experten versuchen 1985 herauszufinden, ob aus dem Deponiekörper Gas austritt.  Quelle: Archiv
Niedernwöhren/Münchehagen

Ende dieses Jahres wird das Gremium, das die Sicherung der Deponie überwacht, einen Vorschlag vorlegen, wie in den kommenden 30 Jahren mit der Deponie verfahren werden soll. Auf dessen Grundlage wird dann entschieden, ob die Maßnahmen, mit denen die Deponie überwacht werden, gelockert werden können.

Dieser Zeitplan wurde jetzt bekannt, als das Bewertungs-Gremium seinen Jahresbericht 2018 vorlegte. In diesem Gremium sitzen Anlieger und Anrainer. Für die Samtgemeinde Niedernwöhren gehört Bürgermeister Marc Busse der Gruppe an. Die ehemalige Mülldeponie liegt direkt an der Grenze zur Samtgemeinde Niedernwöhren.

Zwei neue Messstellen im Westen und Nordwesten der Deponie

Der Jahresbericht für 2018 bietet zunächst wenig Grund zur Besorgnis. „Ein Schadstoffaustrag aus der gesicherten Altlast ist weiterhin nicht erkennbar“, lautet sein wichtigster Satz. Gas tritt demnach schon seit längerer Zeit nicht mehr aus, weswegen 2015 die aktive Absaugung von Gas eingestellt wurde. Falls es doch zu Ausgasungen kommen sollte, werden sie durch einen Aktivkohlefilter geleitet.

Was den „Schadstoffaustrag“ betrifft, wurden im Westen und Nordwesten der Deponie zusätzliche Messstellen eingerichtet, weil die Fachleute dort am ehesten mit Problemen rechnen. Hinweise darauf seien aber „nicht festzustellen“, heißt es im Jahresbericht. Fazit: „Wesentliche Veränderungen der Umweltsituation“ gegenüber dem Vorjahr seien 2018 „nicht eingetreten“.

Es kommt weiterhin zu Setzungen

Wie in jedem Jahr nimmt das Bewertungs-Gremium aber auch jetzt wieder Formulierungen in den Bericht auf, die belegen, wie gefährlich die ehemalige Sondermülldeponie bleibt. „Trotz eines immer besser werdenden Systemverständnisses“ könne „die „belastbare Prognose, dass ein umweltrelevanter Stoffaustrag für die Zukunft mit Sicherheit auszuschließen“ sein wird, „derzeit nicht gegeben werden“.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die „Setzungen in der Altdeponie bislang noch nicht zum Stillstand gekommen sind“. Die „in der Regel sehr langsam laufenden Prozesse innerhalb des Deponiekörpers“ würden allerdings „in der Regel genug Reaktionszeiten“ bieten, wenn es zu einem „Schadensszenario“ käme, schreibt das Bewertungs-Gremium. Rehburg-Loccums Bürgermeister Martin Franke hat die Deponie im Stadtrat eine „Ewigkeitsaufgabe“ genannt. Momentan sei zwar „alles gut“, aber man müsse „aufmerksam bleiben“.

Bundesweite Schlagzeilen in den Achtzigern

Die Sondermülldeponie hatte in den achtziger Jahren bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. 1985 wurde im Deponie-Wasser die weltweit höchste Konzentration an Dioxin gemessen. Eine Sonderkommission des Landeskriminalamtes kam zu dem Schluss, dass die Anlage überaus schlampig geführt worden war. Die Landesregierung beschloss daraufhin, Seiten und Oberfläche der Deponie abzudichten. Seit 2002 nennt sich ihr Status „gesicherte Altlast“. Land Niedersachsen, Anlieger und Anrainer haben ein aufwendiges Monitoring vereinbart, das das Bewertungs-Gremium überwacht.

Diese Vereinbarung läuft Ende des kommenden Jahres aus und soll von einem Langfrist-Monitoring abgelöst werden, das grobmaschiger ausfällt. Wie es gestaltet werden soll, will das Gremium bis Ende dieses Jahres festlegen. Das neue Monitoring soll die kommenden 20 bis 30 Jahre umfassen. ab