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Samtgemeinde Niedernwöhren Gemeinschafts-Gefrieranlagen: Eiszeit in Rosenhagen
Schaumburg Niedernwöhren Samtgemeinde Niedernwöhren Gemeinschafts-Gefrieranlagen: Eiszeit in Rosenhagen
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16:40 24.04.2019
Das Kühlhaus war nicht zuletzt ein beliebter Treffpunkt der Dorfgesellschaft, wie das Foto aus den achtziger Jahren beweist. Quelle: pr.
Petershagen-Rosenhagen

Genau dieses Anliegen äußern 1958 auch einige Rosenhäger. Auf einer Gemeindeversammlung signalisieren mehrere Einwohner ihr Interesse, „doch es war zunächst gar nicht so einfach, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen“, schreibt Werner Nahrwold in seinem Buch „750 Jahre Rosenhagen – Ein Dorf im Wandel der Zeit“, das im Jahr 2000 erschienen ist.

„Denn um die Angelegenheit rentabel gestalten zu können, mussten mindestens 30 Einwohner ihre Bereitschaft dazu erklären“, heißt es in den Aufzeichnungen des ehemaligen Ortsvorstehers und Ortsheimatpflegers, der 2002 verstorben ist. Ende 1958 übernimmt er die Aufgabe des Geschäftsführers der neu gegründeten Frostfachgemeinschaft. Den Vorstand komplettieren Heinrich Dammeier (Vorsitzender) und Erna Lange (Stellvertreterin).

Trio besorgt Truhenanlage

Dieses Trio bestellt am 6. Januar 1959 bei der Firma Escher-Wyss (Lindau am Bodensee) eine Truhenanlage mit 32 einzeln abschließbaren Fächern zu je 220 Litern. „Zuvor haben wir uns zu viert mehrere Referenzobjekte im Umkreis von 40 Kilometern angeschaut“, erinnert sich der damals 25-jährige Heinz Sölter, der dieser technischen „Findungskommission“ gemeinsam mit Dammeier und Nahrwold sowie Gemeinderatsmitglied Hermann Brase angehörte.

Die schließlich angeschaffte Anlage mit Deckelöffnungen, Luftkühler, Kanalverdampferplatten und einer Gefriertemperatur von minus 18 Grad sei Ende der fünfziger Jahre der neueste Stand der Technik gewesen, sagt der inzwischen 85-Jährige. „Man konnte alles sofort und ohne Vorkühlen einfrieren.“

Neubau für die Frostfachgemeinschaft

Untergebracht werden soll die gesamte Anlage samt erforderlicher Technik schließlich in einem Neubau. Dieser wird im März und April 1959 auf dem Grundstück des Gasthauses Bulmahn in die Höhe gezogen. Deren Eigentümerin Sophie Meyer verlangt hierfür lediglich einen symbolischen Pachtpreis von einer Mark pro Jahr – „allerdings mit der Zusicherung, dass das Gebäude nach Auflösung der Gesellschaft in ihren Besitz übergehe“, vermerkt Nahrwold in seinem Buch.

Mit der Errichtung des Kühlhauses beauftragt der Vorstand den Bauingenieur und Maurermeister Fritz Brakmann aus Gorspen-Vahlsen. Dieser stellt der Frostfachgemeinschaft am 24. März eine erste Rechnung über 2061,57 DM. Daraus geht hervor, dass als Maurer unter anderem drei Rosenhäger zum Einsatz kommen: neben Fritz Müller und Heinrich Bulmahn auch Heinz Sölter.

Den Bauantrag stellen die Verantwortlichen am 28. Februar des Jahres. Demzufolge entsteht ein 13,86 Meter langes und 4,26 Meter breites Gebäude. Alles in allem verfügt das Kühlhaus über einen rund vier Quadratmeter großen Technikraum und eine Nutzfläche von knapp 56 Quadratmetern, so ist es jedenfalls in den Akten des Bauamts Petershagen nachzulesen. Die Nutzfläche bedecken ein großer Hauptraum mit 32 Gefrierfächern und ein separater Kühlraum.

„Immer wenn ein technisches Problem auftrat, ging draußen automatisch eine rote Lampe an“, schildert Günter Dammeier, der 1978 zum Nachfolger seines verstorbenen Vaters zum Vorsitzenden gewählt wird. „Meistens war dann der Hochleistungsverdampfer verstopft“, erinnert sich der heute 71-Jährige, der es zu der Anlage nicht weit hat, weil er schräg gegenüber wohnt.

Weil jedoch auch die Außenleuchte einmal defekt ist, sorgt dies 1976 im Zusammenspiel mit streikender Kühltechnik dafür, dass ein frisch geschlachtetes Schwein verdirbt: „Da dieser Schaden nicht durch die Versicherung abgedeckt ist, muss die Frostfachgemeinschaft die Kosten von 300 Mark übernehmen“, notiert Nahrwold im Protokollbuch.

Kosten und Privat-Truhen sorgen für Schließung

Apropos Geld: Die Gesamtkosten für das hochmoderne Rosenhäger Kühlhaus beziffert der Geschäftsführer in seinen Unterlagen auf „etwa 30000 D-Mark – 15000 für das Gebäude und 15000 für Maschinen und Truhenanlage“. Weil die Landwirtschaftskammer 3000 Mark Zuschuss gewährt, muss jedes Mitglied der Frostfachgemeinschaft 800 Mark je 220-Liter-Fach entrichten.

Der Quartalsbeitrag für Stromkosten, Pflege und Wartung beträgt laut Protokollbuch in den Anfangsjahren neun Mark, später 15 Mark (ab 1965) und dann 20 Mark (ab 1966). 1979 folgt eine Erhöhung auf 30 Mark pro Quartal.

Doch nicht nur die nach mehr als zwei Jahrzehnten aufs Dreifache gestiegenen Stromkosten und die damit verbundenen Mietpreissteigerungen sorgen schließlich für das Ende der 1959 begonnen Eiszeit. „Im Laufe der Jahre kauften sich immer mehr Mitglieder private Gefriertruhen, sodass die Gemeinschaftsanlage immer weniger Leute benutzten und diese nicht mehr voll ausgelastet war“, schreibt Nahrwold in der Dorfchronik.

Von Holger Buhre