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Wiedensahl Massenansturm in Wiedensahl: Martinimarkt ist nur einmal im Jahr
Schaumburg Niedernwöhren Wiedensahl Massenansturm in Wiedensahl: Martinimarkt ist nur einmal im Jahr
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23:44 14.11.2019
Gute Stimmung: Auch 2019 zieht der Martinimarkt in Wiedensahl wieder Besucher aus allen Himmelsrichtungen an. Quelle: Arne Boecker
Wiedensahl

Eine gelungenen Martinimarkt haben die Wiedensahler am gestrigen Donnerstag hingelegt. Erstaunlich ist das nicht: Schließlich hatten sie 186 Jahre Zeit, um zu üben, wie „Markt“ geht.

Der Martinimarkt Wiedensahl als Zeitstrahl

6 Uhr: Marktmeister Arend Oetker und seine Crew bereiten sich auf ihre Streifengänge vor. Einer hat sich krank gemeldet, dafür springt Ratsherr Kurt Cholewa ein, so macht man das in diesem Dorf. Ansonsten muss hier der Standort eines Warentischs korrigiert werden, dort will wer was wegen der Genehmigung wissen.

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Diskutiert wird jetzt – ein paar Stunden, bevor sich 30.000 Menschen durch die Hauptstraße wälzen – nicht mehr.

Bratwurst schmeckt auch schon um 9 Uhr morgens

8 Uhr: Selbst jetzt sind schon Gucker und Flaneure vor Ort. Ist aber auch interessant, wie Marktbeschicker Socken stapeln und Mandeltüten sortieren. Gruppen von Männern, die Hände in den Hosentaschen, sondieren das Terrain für später. Ein Trupp mittelalter Bückeburger ist sich nicht einig, ob man um 9.05 Uhr schon Bratwurst essen kann. Die Hungrigen setzen sich durch.

„Teew...st und Lachsschinken gehö.... in den Kühl....rank“, redet sich ein Fleischverkäufer warm, nur das Mikro, das ihm am Revers steckt, scheint noch nicht wach zu sein. Am Wild-Imbiss erzählt einer, dass kürzlich im Schaumburger Wald „auf einer einzigen Ecke in einer Nacht 71 Wildschweine geschossen wurden“. Das ist doch Jägerlatein, oder? Die Nachfrage ein paar hundert Meter weiter am Stand des Kreisforstamtes Spießingshol ergibt: Wir waren es nicht, aber die Jäger der Hofkammer waren wohl unterwegs.

10 Uhr: Wer unbedingt mal einen Bürgermeister kennenlernen will, streunt am Martinstag um die Alte Pfarre herum. Wiedensahl Oberste Anneliese Albrecht eröffnet das traditionelle Marktfrühstück, indem sie die politische Prominenz begrüßt. Dafür braucht sie eine kleine Ewigkeit, kaum jemand bleibt ungenannt.

Obendrauf gibt es einen Landtagsabgeordneten (Karsten Heineking, Nienburg), einen Landrat (Jörg Farr, Schaumburg) und jede Menge Dreiviertelwichtige.

Galerie: Der Martinimarkt 2019 in Fotos

Bürgermeisterin Albrecht juxt und schnoddert wie in jedem Jahr durch ihre Rede, aber ihr verdankt sich auch ein nachdenklicher Moment. Ausdrücklich bedankt sie sich beim Technischen Hilfswerk, das mit tonnenschweren Spezialfahrzeugen Anfang und Ende der Amüsiermeile sperrt. „Das THW passt ein bisschen auf uns auf“, sagt Albrecht, und jeder weiß, was damit gemeint ist.

In Wiedensahl wird jetzt gefrühstückt, was die Schlachteplatten hergeben. Im Klenkenhof, für den Cord Dreyer eine sinnvolle Nutzung sucht, sitzen die Gäste an Tischreihen, die auf Rindenmulch stehen. Fachwerk, gekalkte Wände, viel Platz: Man darf gespannt sein, was aus dem Haus wird, das im vergangenen halben Jahrhundert niemand kaputtsaniert hat.

Diebe klauen Spezialgeräte für Süßigkeiten

12 Uhr: „Am Tag vor dem Martinimarkt mag es regnen, und am Tag nach dem Martinimarkt mag es schütten, aber am Marktdonnerstag ist in Wiedensahl gutes Wetter“, sagt Ratsherr und Aushilfs-Kassierer Kurt Cholewa. „Neun der letzten zehn Jahre“ seien so verlaufen, erinnert er sich.

Weil die Regel auch in diesem Jahr gilt, wird es in Wiedensahl schon mittags voll, und auf der schnurgeraden Straße geht der Platz aus. Jede unabsichtliche Rempelei wird mit einem entschuldigenden Lächeln aus der Welt geräumt, nicht nur der Bananenverkäufer hat tüchtig Spaß.

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Einzig ein Diebstahl sorgt für ein bisschen Aufregung. Irgendwann zwischen Dienstag, 16 Uhr, und Mittwoch, 15 Uhr, knacken Bösewichte einen Verkaufsanhänger, der schon an der Straße abgestellt worden war. Er wird später auf einem Feldweg gefunden - es fehlen allerdings drei Spezialmaschinen für die Herstellung von Süßigkeiten.

Dunstkeller bei Steuber wird immer voller

Gegen Mittag, als die Sonne von Westen die komplette Hauptstraße bescheint, strömt eine Menge Volk nach Wiedensahl. Jetzt ist auch der „Dunstkeller“ bei Steuber pickepackevoll. „Stimmung & Humor“ verspricht ein Werbeplakat. Naja, irgendwie stimmt das wohl.

Den größten Lacher fabriziert allerdings Niedernwöhrens Samtgemeindebürgermeister Marc Busse beim Marktfrühstück. Er habe vergessen, die Einladung zu beantworten, sei aber von Bürgermeisterin Albrecht trotzdem reingelassen worden, sagt Busse und schiebt nach: „Schön, dass ich hier bin.“ von Arne Boecker

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