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Hespe Hespe: Ex-Bürgermeister Vehling bedrängt Amtsinhaber Grone
Schaumburg Nienstädt Hespe Hespe: Ex-Bürgermeister Vehling bedrängt Amtsinhaber Grone
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19:17 15.07.2019
Uwe Grone, hier mit Gemeindedirektorin Kerstin Hamelberg amtiert seit drei Jahren als Bürgermeister in Hespe. Sein Vorgänger Werner Vehling könnte jetzt mit 77 sein Vize werden. Quelle: pr.
Hespe

Bei der Europawahl hatten die Wähler die Hesper SPD halbiert, was die Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2014 betrifft. Im Juni trat Daniela Möhlenbrock zurück, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Rat und stellvertretende Bürgermeisterin. Sie habe „ein anderes Verständnis von Demokratie als Teile von Ortsverein und Fraktion“ lautete ihre knappe Begründung.

Vehling soll Möhlenbrock als Fraktionschef und stellvertretender Bürgermeister beerben

Nach Informationen dieser Zeitung soll Ehrenbürgermeister Werner Vehling Daniela Möhlenbrock in beiden Funktionen beerben, in der Fraktion unterstützt von Bürgermeister Uwe Grone, der als eine Art Geschäftsführer vorgesehen ist.

In der Hesper SPD starrt man jetzt schon bang auf die Kommunalwahl in zwei Jahren. Heinz-Walter Engelage malte jüngst in einer Sitzung des Ortsvereins den Teufel an die Wand: „Wenn wir auf 20 Prozent zurückfallen, brauchen wir eine Koalition.“

Über vier Jahrzehnte auf Parteilinie

In Hespe spielt derzeit ein Lehrstück über Macht – und darüber, was mit Parteien passieren kann, die sie lange in den Händen halten. 43 Jahre und 33 Tage hat Werner Vehling als Bürgermeister amtiert; außer der SPD ist keine Partei mit einem Ortsverein in Hespe vertreten. „Hier wird niemand Brandmeister, der kein Sozi ist“, sagt ein kundiger Hesper.

Hier wird niemand Brandmeister, der kein Sozi ist.

Ein langjähriger Hesper Bürger

Altvordere wie der ehemalige Fraktionsvorsitzende Ernst Knake mischen munter mit. Knake beschrieb im Ortsverein sein Verständnis von Demokratie. „Es geht darum, die Mehrheit zu bekommen“, sagte er, „um nichts anderes.“ Was die Partei beschließe, müsse dabei „Gesetz“ sein.

Möhlenbrock: Unbeliebt wegen Selbstbewusstsein?

Knake wird von mehreren Hespern ein Zitat über Daniela Möhlenbrock zugeschrieben: „Dat Meiken mutt wech!“ Sie soll sich damit unbeliebt gemacht haben, dass sie „neue Spielregeln“ eingeführt habe, wie ein Ratsmitglied sagt. Das kann in Hespe bedeuten, die CDU-Fraktion ins Boot zu holen anstatt rigoros die SPD-Linie durchzupeitschen. CDU-Fraktionschef Heinz David hat Möhlenbrocks Rücktritt mit „Bedauern“ quittiert. Möhlenbrocks zweiter Fauxpas: Sie hat als Vorsitzende des Bauausschusses selbstbewusst Entscheidungen vorangetrieben – auch wenn sie der Riege der SPD-Granden nicht gefiel.

Uwe Grone, der aktuelle Hesper Bürgermeister, hat es schwer, sich in dieser Gemengelage zu behaupten. Vom Typ her weniger volksnah als Werner Vehling, tut er sich bei Veranstaltungen nicht leicht. Wenn Vehling am Haus der Vereine parkt, eilt ein Feuerwehrmann vom Übungsplatz herbei, um zu fragen: „Bist du sicher, dass du die Handbremse angezogen hast, Werner?“ – Nicken. – „Alles gut, Werner!“

Dazu kommt: Zu Vehlings großer Zeit ließen sich Beruf und Ehrenamt besser miteinander vereinbaren als heute. Vehling hat seinerzeit in der Verwaltung des Kreises Minden-Lübbecke gearbeitet, Grone fungiert als Regionalleiter einer großen Autofirma, ist also viel unterwegs.

Grone: Schwierigkeiten, sich zu behaupten?

Beobachter werfen Grone vor, sich allzu leicht von Vehling die Butter vom Brot nehmen zu lassen. So sitzen die Bürgermeister der Gemeinden im Samtgemeindeausschuss, der hinter verschlossenen Türen Entscheidungen trifft. Nur Hespe hat nicht Bürgermeister Grone in das Supergremium entsandt, sondern Altbürgermeister Werner Vehling.

Bei allen politischen Verkrustungen, die Hespe nicht guttun, gilt allerdings auch: Die Gemeinde hat in Werner Vehlings Amtszeit als Bürgermeister einen spektakulären Aufschwung hingelegt. Der Hesper SPD-Mann Herbert Presser kann das belegen. „Wir hatten schon Mitte der siebziger Jahre Baugebiete“, sagt er, „weil der Werner Druck gemacht hat.“ Wie man Fördertöpfe öffne, habe Vehling auch schon sehr früh gewusst.

Baugebiete, Sporthalle, gesunde Finanzen: Hespe hat Vehling viel zu verdanken

„Das andere große Infrastruktur-Projekt, das Hespe gutgetan hat, war die Sporthalle“, sagt Presser. „Nachdem das Ding stand, ist die Zahl der Mitglieder im TSV Hespe in die Höhe geschossen.“ Ein letztes Indiz für die gute Arbeit, die Vehling geleistet hat: Die Gemeinde sitzt auf Rücklagen in einer Höhe, die anderen Bürgermeistern Tränen in die Augen treibt.

Das andere große Infrastruktur-Projekt, das Hespe gutgetan hat, war die Sporthalle. Nachdem das Ding stand, ist die Zahl der Mitglieder im TSV Hespe in die Höhe geschossen.

Herbert Presser , SPD Hespe

Die Frage, die die Hesper SPD in diesem Sommer beantworten muss, lautet: Will man einen 77-Jährigen mit zweifelsohne großen Verdiensten wieder in die erste Reihe schieben?

Ende August stehen wichtige Entscheidungen an

Vehling hat nie richtig losgelassen, was Politik in Hespe und umzu angeht. Nach wie vor sitzt er in jeder Sitzung des Kreistags auf einem der Stühle, die für Besucher reserviert sind. Wo auch Bürgermeister bei Fragen an die Kreisverwaltung den Dienstweg beschreiten müssen, „ruft der Werner einfach den zuständigen Sachbearbeiter an“, wie ein Kreistagsabgeordneter sagt.

Bis Ende August muss sich die Hesper SPD gesammelt haben, um über die Zukunft der Ratsarbeit zu entscheiden, dann stehen wichtige Entscheidungen im Dorfentwicklungsprogramm des Landes an, in dem man gemeinsam mit Helpsen und Seggebruch steckt. Bei diesem Thema geht es um Millionen. Und Ende September will die Hesper SPD ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Am Jubeltag sollen die Reihen fest geschlossen sein.

Von Arne Boecker

Zwischen Baum und Borke

Die Rollen zwischen Bürgermeister und Gemeindedirektor sind klar verteilt. Laut Niedersächsischer Kommunalverfassung lädt der Bürgermeister zu den Sitzungen des Rates ein und leitet sie auch, während der Gemeindedirektor die Geschäfte der Verwaltung führt. Also: Der Bürgermeister repräsentiert, der Gemeindedirektor regiert.
In der Samtgemeinde Nienstädt funktioniert das Modell, so ist zu hören, in drei von vier Gemeinden: In Seggebruch und Helpsen fungiert Samtgemeindebürgermeister Ditmar Köritz als Gemeindedirektor, in Nienstädt Sandra Wiechmann.
Wie Köritz und Wiechmann sitzt auch Hespes Gemeindedirektorin Kerstin Hamelberg im Helpser Verwaltungshaus der Samtgemeinde. Auch sie genießt einen guten Ruf, zudem gilt sie als selbstbewusst.
Dennoch hat sie als Beschäftigte der Gemeinde Hespe gekündigt, die sie 17 Jahre gewesen war. Das bestätigt Samtgemeindebürgermeister Ditmar Köritz. Ansonsten will er sich zu der Personalie nicht äußern, Kerstin Hamelberg ist im Urlaub. Eigentlich hatte sie auch als Gemeindedirektorin zurücktreten wollen, ist in Hespe zu erfahren. Demnach will sie jedoch abwarten, wie sich die Lage im Hesper Rat entwickelt. ab