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Hespe Kapitän Vehling geht in Hespe wieder an Bord
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20:59 27.08.2019
Werner Vehling hat sich in vielen Jahren um Hespe verdient gemacht - und kehrt jetzt in die erste Reihe zurück. Quelle: Archiv
Hespe

Die SPD im Hesper Rat hat einen Generationenwechsel rückwärts hingelegt. Daniela Möhlenbrock, 54, hatte im Streit mit Parteifreunden vier Posten niedergelegt – stellvertretende Bürgermeisterin, Vorsitzende der SPD-Fraktion, Mitglied im Verwaltungsausschuss, Vorsitzende des Bauausschusses. In den ersten drei Ämtern ist ihr jetzt der frühere Bürgermeister Werner Vehling, 78, gefolgt. Den Bauausschuss leitet künftig Dirk Kording.

Möhlenbrock will auch Fraktion verlassen - und im Rat weitermachen

In einer persönlichen Erklärung begründete Möhlenbrock in der Ratssitzung ihren Schritt. Bedauerlicherweise sei es „in den letzten Monaten vermehrt zu Situationen und Ereignissen“ gekommen, die für ihr Verständnis von Demokratie „mehr als unerfreulich“ gewesen seien. Zu den Details dieser „Situationen und Ereignisse“ ließ sich Möhlenbrock wie schon in den vergangenen Wochen nicht ein.

Möhlenbrock kündigte an, nun auch aus der SPD-Fraktion auszutreten. Sie wolle „dem Wohl und den Interessen unserer Gemeinde“ als fraktionsloses Mitglied des Rates dienen. Möhlenbrock beendete ihre Erklärung mit einem Zitat des früheren SPD-Vorsitzenden und Bundeskanzlers Willy Brandt: „Wir sind Gewählte und nicht Erwählte.“

Auf die Machtverhältnisse im Hesper Rat dürfte Möhlenbrocks Schritt keinen Einfluss haben. Rechnerisch hält die SPD (sieben Sitze) auch jetzt noch die Mehrheit gegenüber einem Block CDU/Grüne/Möhlenbrock (sechs Sitze).

Ratsmitglieder zwischen Lob, Bedauern und Nüchternheit

„Diese Situation wollte keiner“, bedauerte Heiko Vehling-Claus, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. Eigentlich hätte er in den Verwaltungsausschuss einziehen sollen, aber er verzichtete zugunsten von Werner Vehling. Bei „unruhigem Wetter“, so Vehling-Claus, brauche man eben einen „erfahrenen Kapitän an Bord“. Vehling kenne „das Geschäft durch und durch“, assistierte Uwe Grone. Damit entlockte er Werner Vehling die einzige Wortmeldung unter diesem Tagesordnungspunkt. „...seit 55 Jahren!“, rief Vehling in den Raum.

Es werde „auch mit Werner Vehling weitergehen“, kommentierte Heinz David, Vorsitzender der CDU-Fraktion, betont nüchtern. Er hätte sich allerdings gewünscht, dass man sich „im Vorhinein der jetzt getroffenen Entscheidung zusammensetzt“, meinte er zur SPD: „Das wäre ein Zeichen gewesen, dass Zusammenarbeit mit uns gewollt ist.“

Gemeindedirektorin Hamelberg bleibt zunächst im Amt

Von Werner Vehling im Amt des stellvertretenden Bürgermeisters erwarte er sich vor allem, dass er „die Verwaltung auf Trab“ bringe, in der „doch einiges gehinkt“ habe, sagte Johanns Böse (CDU). Er verband dies mit der Bemerkung „‘tschuldigung, Herr Bürgermeister“ gegenüber Uwe Grone. Dem wird seit Langem vorgeworfen, bei der Leitung der Verwaltung keine klare Linie zu verfolgen. Kurzzeitig sah es so aus, als würde Gemeindedirektorin Kerstin Hamelberg deswegen das Handtuch werfen. Sie hat sich aber dazu überreden lassen, zunächst im Amt zu bleiben. Die aus der SPD-Fraktion geschiedene Daniela Möhlenbrock genieße „weiterhin unsere Wertschätzung“, sagte CDU-Mann Böse. Bei seiner Zustimmung zu Vehling gehe es ihm „um die Gemeinde – und nicht darum, die SPD zu retten“.

Vehling müsse „noch mal ran“, damit die Gemeinde „in ruhiges Fahrwasser“ komme, sagte Klaus-Ulrich Schmidt (Grüne). Er, Vehling, sei die „beste Wahl“, alles andere sei „Altersdiskriminierung“.

CDU-Mann Hempel sieht Vehling-Rückkehr kritisch

Er „respektiere Werner Vehlings politisches Lebenswerk“, leitete Peter Hempel (CDU) sein Statement ein. Der Wechsel von Möhlenbrock zu Vehling sei aber „nicht die Antwort, die ich mittragen kann“, sagte er. Angesichts der Projekte, die auf die Gemeinde zukämen, nannte er es „ungewöhnlich, Vehling wieder vor den Karren zu spannen“. Eigentlich müsse es „andere Varianten geben“. Er sei von sehr vielen Bürgern auf dieses Thema angesprochen worden, sagte Hempel. Von Arne Boecker

SN-Redakteur Arne Boecker hat den Vorgang kommentiert. Hier geht es zu dem Kommentar. 

„Falsche Informationen“ und „weit unter der Gürtellinie“

Mit deutlichen Worten haben Ratsmitglieder von SPD und Grünen die Berichterstattung dieser Zeitung über den spektakulären Wechsel von Daniela Möhlenbrock zu Werner Vehling kritisiert. Uwe Grone (SPD) störte sich vor allem an einer Überschrift. Sie lege nahe, dass ihn Vehling „bedränge“, meinte der Bürgermeister. Dieser Eindruck basiere „einzig und allein auf falschen Informationen“.

Die Berichterstattung sei „übel“ gewesen, schloss sich Heiko Vehling-Claus an, Vize-Vorsitzender der SPD-Fraktion. „Nicht mal die ‚Bild‘-Zeitung“ handelt so“, schimpfte er. Vehling-Claus merkte in Richtung SPD an, dass sich allerdings auch „keiner die Mühe gemacht hat, zu sagen, dass das alles nicht so war“. In der Tat blieben mehrere Versuche dieser Zeitung ohne Erfolg, die Sicht der SPD einzuholen. Überraschend war das nicht: Der Ortsvereinsvorsitzende Heinz-Walter Engelage hatte angekündigt, „dass sich aus der SPD zu dem Streit niemand äußern“ werde.

Auch Klaus-Ulrich Schmidt, der für die Grünen im Rat sitzt, nahm die Berichterstattung unter Feuer. „Dass Werner Vehling Uwe Grone bedrängt, entzieht sich unserer Kenntnis“, ätzte er und sprach von „Artikeln weit unter der Gürtellinie“.

Nur kurz widmete sich Johannes Böse aus der CDU-Fraktion dem Thema: „Nicht alles“ an den Artikeln sei „in Ordnung gewesen“. ab

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