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Hespe Kehrt ehemaliger Bürgermeister zurück?
Schaumburg Nienstädt Hespe Kehrt ehemaliger Bürgermeister zurück?
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17:18 05.07.2019
Still steht das Gemeindehaus in der Julisonne, aber hinter den Kulissen stürmt, blitzt und donnert es seit Monaten. Quelle: ab

Nun könnte der langjährige Bürgermeister Werner Vehling im Alter von 77 Jahren vor einem spektakulären Comeback stehen.

In einer E-Mail hatte Möhlenbrock in dieser Woche den weitreichenden Schritt öffentlich gemacht. Trotz der Rücktritte wolle sie das „Mandat als Ratsfrau weiter wahrnehmen“, beschloss sie ihre kurze Nachricht.

Von dieser Zeitung angesprochen, begründet sie ihre Entscheidung: „Ich habe ein anderes Verständnis von Demokratie als Teile von Ortsverein und Fraktion.“ Auf Nachfrage erklärt sie: „Mir ist es wichtig, anderen Fraktionen mit Wertschätzung zu begegnen.“

Nähere Erklärungen will Möhlenbrock zu ihrer Entscheidung derzeit nicht abgeben. In Hespe bekommt man jedoch allerorten bestätigt, dass Möhlenbrock als Fraktionsvorsitzende bemüht war, vor allem bei wichtigen Entscheidungen die Ratskollegen von der CDU und von den Grünen mit ins Boot zu holen. Dies gilt zum Beispiel für das millionenschwere Verfahren zur Dorfentwicklung, in dem Hespe, Helpsen und Seggebruch gerade gemeinsam in die entscheidende Phase eintauchen.

Einer derjenigen, die keine Scheu haben, sich zu dem Hesper Durcheinander zu äußern, ist Heinz David, Fraktionschef der CDU. Über Daniela Möhlenbrock sagt er: „Ich bedaure den Schritt sehr, weil man mit ihr immer sehr sachlich und lösungsorientiert zusammenarbeiten konnte.“ Mehr sagt allerdings auch David nicht, weil er „schlicht nicht mehr weiß“.

Rückkehr von Vehling nicht unumstritten

Für die Nachfolge von Daniela Möhlenbrock deutet sich eine überraschende Lösung an. Wie dieser Zeitung von mehreren Beteiligten bestätigt wurde, soll Werner Vehling zwei der drei vakanten Ämter übernehmen. Demnach wird er stellvertretender Bürgermeister und Sprecher der SPD-Fraktion; letzteren Job soll er sich mit Bürgermeister Uwe Grone teilen, der laut diesem Modell die Geschäfte der Fraktion führt. Den Bauausschuss soll SPD-Ratsherr Dirk Kording übernehmen.

Mindestens ein Indiz deutet darauf hin, dass Vehlings Rückkehr aus der Bedeutungslosigkeit des einfachen Ratsmitglieds nicht unumstritten ist. In der achtköpfigen SPD-Fraktion sollen lediglich drei Mitglieder für ihn gestimmt haben, als es um die künftige Besetzung des Vize-Bürgermeister-Postens ging. Es soll vier Enthaltungen und eine Gegenstimme gegeben haben. Für dieses Ergebnis war weder eine Bestätigung noch ein Dementi zu bekommen.

Werner Vehling ist in Schaumburg, vor allem aber in Hespe ein politisches Schwergewicht.

In der 2000-Köpfe-Gemeinde ist es ein offenes Geheimnis, dass Vehling auch nach seinem Ausscheiden Hespes heimlicher Herrscher geblieben ist. Seit einiger Zeit „drängt er mit Macht zurück in die erste Reihe“, wie ein Kenner der Verhältnisse sagt. Begünstigt wird diese Entwicklung dadurch, dass Bürgermeister Uwe Grone (SPD) als farblos gilt.

Uwe Grone ließ mehrere Rückrufbitten unbeantwortet, Werner Vehling möchte mit Verweis auf seinen Urlaub nichts zu dem Streit sagen.

"Schieflage in der Fraktion"

Erheblich gesprächiger ist Heinz-Walter Engelage, Vorsitzender der Hespe-SPD. Die „Schieflage in der Fraktion“ sei durch „dummes Gerede“ entstanden. Im Übrigen müsse Möhlenbrock ihren Bürgermeister-Posten schriftlich zurückgeben, was sie noch nicht getan habe. Ihre Rücktritts-Mail verglich er „mit diesen üblen WhatsApps, die Donald Trump immer rausjagt“. (Engelage meint mit „WhatsApps“ offensichtlich die Tweets, die Trump auf Twitter veröffentlicht, Anm. d. Red.)

In der jüngsten Sitzung des Ortsvereins hatte Engelage mit einem Geschäftsordnungs-Trick versucht, den Deckel auf dem brodelnden Topf zu halten. Als er des Redakteurs dieser Zeitung angesichtig wurde, etikettierte er den Punkt „Personelle Veränderungen in der Ratsfraktion und im Gemeinderat“ kurzerhand zu „nicht öffentlich“ um.

Fingerzeig auf Lindhorster Genossen

Engelage begründet den Versuch der gescheiterten Geheimhaltung im Nachhinein mit dem „Scherbenhaufen“, den die Wahl zum Samtgemeindebürgermeister in der Lindhorster Politik hinterlassen habe. „Wir wollen im September schließlich eine würdevolle 100-Jahre-Feier auf die Beine stellen“, sagt Engelage

Zu der Sitzung des Ortsvereins war auch Carsten Ruhnau gebeten worden, seit März Vorsitzender des SPD-Unterbezirks. Aus Zank und Streit innerhalb von Ortsvereinen hält sich der Unterbezirk eigentlich so lange heraus, bis es nicht mehr anders geht.

Bereits auf der Unterbezirks-Konferenz im März hatte die SPD-Spitze nur unter Mühen einen Eklat verhindert. Hespes SPD-Chef Heinz-Walter Engelage war mit dem Auftrag seines Vorstands angereist, die Wahl der Hesperin Daniela Möhlenbrock zur Beisitzerin zu torpedieren.

Der scheidende Unterbezirks-Chef Karsten Becker soll Engelage daraufhin zur Seite genommen haben: Er wolle ihm das Recht auf freie Meinungsäußerung selbstverständlich nicht streitig machen, aber wenn Engelage sein Vorhaben umsetze, werde er, Becker, sofort danach selber in die Bütt gehen.

Das half: Engelage schwieg stille.

Zum Streit in der Hesper SPD wollten sich weder der jetzige SPD-Unterbezirks-Vorsitzende Ruhnau noch sein Vorgänger Becker äußern. Arne Boecker