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Nienstädt Die vergessene Badeanstalt in Sülbeck
Schaumburg Nienstädt Nienstädt Die vergessene Badeanstalt in Sülbeck
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07:38 01.08.2019
Quelle: ab
Sülbeck

Badeanstalt? Sülbeck? Wo soll das denn sein? Selbst Sülbecker und Nienstädter, die dort schon lange wohnen, zucken mit den Schultern. 

Man muss schon alte Aufzeichnungen sichten und jemanden anrufen, der vor 45 Jahren in der Gemeindeverwaltung angefangen hat, um ein paar Brocken Wissen zusammenzutragen.

In anderen Städten Schwimm-Historie gut bekannt

Es ist keine leichte Zeit für Freibäder. Personalmangel schränkt Öffnungszeiten ein, mancherorts muss Security her, Kommunen stöhnen ob der Höhe der Zuschüsse. Viele der heutigen Freibäder stammen aus den fünfziger oder sechziger Jahren, gefördert vom Bund; „Goldener Plan“ hieß das Programm. In einigen Dörfern und Städten weiß man noch von Vorgängern, so in Steinbergen, Horsten und Bückeburg.

Recht gut bekannt ist die Schwimm-Historie in Stadthagen. Im Tonloch an der Enzer Straße hatten Bürger geplanscht und gebadet, bevor die Stadt es 1932 zum richtigen Freibad umwidmete. 1977 wurde es durch das Wellenbad ersetzt, im alten Freibad kam für ein paar Jahre eine Eisbahn unter.

Überreste nur noch zu erahnen

In die Reihe der aufgelassenen Badeanstalten gehört auch Sülbeck. Rolf Harmening hat 1974 als Direktor von Samtgemeinde und Gemeinde Nienstädt angefangen (und ist bis 2012 geblieben). „Aber schon damals, in den Siebzigern, war die Badeanstalt zu“, sagt er. Auch Nienstädts Ratsherr Eckhard Ilsemann, dessen Vater Ernst einige Bücher über die Region geschrieben hat, tippt auf die Sechziger, wenn es um den Termin der Schließung geht.

Heute sind die Reste der Badeanstalt von außen nur noch zu erahnen, Grünzeug wuchert an den Mauern empor. Die Anlage liegt nördlich der Stiftstraße in der Feldmark.

Badespaß für Hartgesottenen

Die Badeanstalt hatte die Gemeinde betrieben, aber als die Sommerfrische schloss, ging das Areal in private Hände über. Es soll wohl mal Pläne gegeben haben, dort eine kommerzielle Fischzucht aufzuziehen, aber so richtig mochte das Dornröschen niemand wachküssen. Auch heute befindet sich das Gelände in privatem Besitz.

Ein bisschen genauer kann der ehemalige Nienstädter Verwaltungschef Rolf Harmening erklären, warum ausgerechnet an dieser Stelle eine Badeanstalt angelegt wurde. „Das hat mit dem Bergbau zu tun“, sagt er, „die Preussag musste ihre Stollen entwässern, und der Überlauf kam nun mal in Sülbeck an.“ Das Wasser, das aus dem Berg runterrann, sei „natürlich ziemlich frisch gewesen“, sagt Harmening. „Die Badeanstalt galt deswegen immer als eine, in die die Hartgesottenen gehen.“

Arbeitslose von der Straße geholt

Das exakte Datum, an dem die organisierte Sülbecker Schwimmerei begann, verdanken wir Ernst Ilsemann. Am 15. Juli 1928 war die Badeanstalt gleichzeitig mit dem Sportplatz eingeweiht worden. Die Baumaßnahme hatte die Politik angesetzt, um Arbeitslose von der Straße zu holen. Zur Einweihung legte man das Bezirks-Turnfest des Arbeiter-, Turn- und Sportbundes nach Sülbeck. Insgesamt nahmen 1000 Turner teil, allein 700 nahmen bei Sülbeckern Quartier. Ernst Ilsemann notierte beeindruckt: „Alle 200 Meter waren Ehrenpforten mit Girlanden und bunten Seidenkränzen aufgestellt.“ ab

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