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Nienstädt Farr und Völlers tanzen mit
Schaumburg Nienstädt Nienstädt Farr und Völlers tanzen mit
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20:01 04.08.2019
Zwei haben getanzt, einer hat geredet: Marja-Liisa Völlers, Jörn Wittkugel und Jörg Farr machten in ihren Trachten mächtig was her.   Quelle: Arne Boecker
Tallensen-Echtorf

Als sich die Erntewagen auf dem Feld vor dem Festzelt versammelten, wurde schnell klar: Tallensen-Echtorf wird wieder mal einen großen Konvoi durch den Ort schicken. Mit Schwung und gekonnt schwenkte Traktor um Traktor ein, zum Schluss präsentierte sich eine lange Reihe aus sehr alten und sehr neuen Modellen.

Die erste Station war traditionell der Besuch beim Erntebauern-Paar. In diesem Jahr übten dieses Amt Heike und Heinz-Dieter Alves aus, die in der Straße Zur Schmiede wohnen. Die Erntewagen mussten ein bisschen rangieren, um am Hof Aufstellung zu nehmen, ein großes, abgeerntetes Feld erleichterte die Angelegenheit.

„Wir wollten das immer schon mal machen und freuen uns, dass es jetzt gepasst hat“, sagte Heike Alves. Die Familie ihres Mannes gehört im Dorf zu den Alteingesessenen. „Wir haben schon zu der Truppe gehört, die 1975 die Dorfgemeinschaft gegründet hat“, erzählte Heike Alves. Ein bisschen aufgeregt war sie wegen des Ehrentanzes, „auch, weil wir nicht geübt haben“. Es stellte sich dann heraus, dass die Aufregung unnötig gewesen war: Ging alles gut, alle Zehen blieben heil.

Wie schon das Erntefest nebenan in Schierneichen-Deinsen-Siedlung Baum am Vorwochenende kamen auch die Aktiven in Tallensen-Echtorf wetterbedingt ganz schön ins Schwitzen. „Die Tracht wiegt ungefähr acht Kilo“, erzählte eine Tänzerin. „Am meisten Probleme bereitet uns bei Hitze allerdings der Kopfschmuck, der nochmal zwei Kilo wiegt.“

Man feiere jetzt seit 70 Jahren ununterbrochen Erntefest in Tallensen-Echtorf, ordnete Steven Lange, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Echtorf, die Sause geschichtlich ein. „Bei 30 dieser Feste konnten wir im Zelt feiern“, sagte er. Er freute sich darüber, dass in diesem Jahr der Andrang so groß war, „dass wir in zwei Schichten toltern mussten“.

Der Tanzabend am Samstag im Festzeit sei für ihn „der schönste seit Langem“ gewesen, lobte Seggebruchs Bürgermeister Jörn Wittkugel in seiner Rede. Nicht unerwähnt ließ er, dass die Gemeinde etwas mehr als 2000 Euro beigesteuert hat. Wittkugel kündigte an, dass man im Rahmen der Dorferneuerung den Festplatz in Tallensen weiter verschönern werde, nachdem er im vergangenen Jahr schon gepflastert worden sei. „Wir haben an dieser Stelle noch viel vor“, sagte Wittkugel. Demnächst werde man einen Vertrag zum Grundstückskauf in trockene Tücher bringen. Dann dekretierte der Bürgermeister „Lasst die roten Röcke fliegen!“, und die Tänzerinnen taten, wie es ihnen der Bürgermeister geheißen hatte.

Die "Windmühle" ist ihr erster Tanz

Als die Tänzer aufgerufen wurden, machten sich auch zwei Neulinge bereit, beide in Tracht. Die Bundestagsabgeordnete Marja-Liisa Völlers und Landrat Jörg Farr hatten im vergangenen Jahr noch zugeguckt. Dorfgemeinschafts-Chef Steven Lange überzeugte sie schließlich, eigenfüßig mitzutanzen. Und so war die „Windmühle“ dann Völlers’ und Farrs allererster Trachtentanz vor Publikum. „Wir haben nur einmal geübt“, hatte Farr beteuert, wohl um möglicher Kritik vorab die Spitze zu nehmen. War gar nicht nötig: Beide schlugen sich wacker, nichts geriet ihretwegen in Unordnung. Farr fand während des Tanzes sogar die Puste, um mit einer Mittänzerin zu schnacken. Seggebruchs Bürgermeister Wittkugel verriet, dass Völlers eigens für die Erntefest-Tanzerei sogar ihren Urlaub um einen Tag verkürzt hatte.

22 aufwändig dekorierte Wagen machten sich schließlich auf die Runde durch den Ort. Ein besonders origineller Wagen aus Tallensen-Echtorf hatte sich die NDR-Vorabend-Serie „Neues aus Büttenwarder“ zum Vorbild genommen, mit dem Adsche und mit Bauer Brakelmann. Die Besatzung bestand aus einem Doppelkopf-Club, der seit Jahren Spaß an derlei Scharaden hat.

Die Erntefestler legten Zwischenstopps bei Edeka-Köpper, am Kreisaltenzentrum und im Seggebrucher Holz ein. Dort wurde noch einmal tüchtig getanzt, gelacht, geklönt und getrunken.

Von Arne Boecker