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Nienstädt Politik streitet um Zahl: Wie viele Fahrzeuge brausen durch Nienstädt?
Schaumburg Nienstädt Nienstädt Politik streitet um Zahl: Wie viele Fahrzeuge brausen durch Nienstädt?
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20:23 17.04.2019
19.000 bis 20.000 Fahrzeuge rollen pro Tag über die B 65 durch Nienstädt – das behauptet der Lärmaktionsplan der Samtgemeinde, der jetzt in der Verwaltung ausliegt. Eine Bürgerinitiative bezweifelt dies
19.000 bis 20.000 Fahrzeuge rollen pro Tag über die B 65 durch Nienstädt – das behauptet der Lärmaktionsplan der Samtgemeinde, der jetzt in der Verwaltung ausliegt. Eine Bürgerinitiative bezweifelt dies Quelle: rg
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Nienstädt

Wie so oft, hat die Europäische Gemeinschaft das hehre Ziel, Menschen zu schützen, hinter einem Wortungetüm versteckt: Die „Umgebungslärm-Richtlinie“ aus dem Jahr 2002 verpflichtet Kommunen , Lärmaktionspläne aufzustellen. Hierzu wird zunächst der Lärm an der Hauptverkehrsstraße ermittelt, dann die Zahl der Betroffenen; schließlich macht der Plan Vorschläge, wie es in der Gemeinde leiser werden kann, indem in den Straßenverkehr eingegriffen wird.

Die Daten für die „Kartierung“ des Lärms, auf deren Grundlage niedersächsische Kommunen Aktionspläne aufstellen, liefert die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, die in Hameln sitzt. Um diese Daten wird in der Samtgemeinde Nienstädt politisch tüchtig und ausdauernd gestritten. „Wir fanden seltsam, dass laut dieser Zahlen nur 13 000 Fahrzeuge pro Tag durch Nienstädt rollen“, sagt Gemeindedirektorin Sandra Wiechmann, „also haben wir uns die Lärmkartierung genauer angeschaut.“

Ergebnis: Die Punkte, an denen die Straßenbau-Behörde gemessen hat, liegen in Stadthagen (Bruchhof) und in Gelldorf. „Das bedeutet: Der gesamte Verkehr, der der B 65 zum Beispiel aus Wendthagen und Meinefeld zufließt, wird nicht erfasst“, sagt Wiechmann.

Bis zu 20.000 Fahrzeuge pro Tag

Also hat die Samtgemeinde Nienstädt das hannoversche Gutachter-Büro PGT beauftragt, an der B65 mal genau hinzuhören. Die bislang ermittelten Zahlen „bilden die tatsächliche Situation teilweise nur ungenau ab“, bestätigt PGT zunächst die skeptischen Stimmen aus Politik und Verwaltung in Nienstädt.

PGT hat am 4. und 6. Dezember des vergangenen Jahres den Lärm an drei innerörtlichen Stellen gemessen. Demnach nutzen pro Tag 19.000 bis 20.000 Fahrzeuge die B 65 in Nienstädt. Das sind 6000 bis 7000 mehr, als die Straßenbau-Behörde ermittelt hat.

Bürgermeister Gerhard Widdel (SPD) weist darauf hin, dass die Zahl sicher noch höher ausgefallen wäre, „wenn man die Sommer-Durchreisenden eingerechnet hätte“. Auch habe es an den Mess-Tagen 4. und 6. Dezember keinen jener A 2-Staus gegeben, die vor allem Brummis durch Nienstädt ausweichen lassen.

Lärm entlang der B65 verringern

Bis zum 27. Mai können Bürger, Vereine und Verbände den Lärmaktionsplan in der Samtgemeindeverwaltung lesen und Stellungnahmen dazu abgeben (Die Unterlagen stehen auch auf sg-nienstaedt.de). „Wahrscheinlich am 27. Juni wird sich der Rat mit allen Anmerkungen und Einwendungen beschäftigen, dann wird über den Lärmaktionsplan entschieden“, kündigt Gemeindedirektorin Sandra Wiechmann an.

Der Aktionsplan enthält außerdem konkrete Maßnahmen, wie der Lärm entlang der B65 in Nienstädt verringert werden könnte. Vor allem aber soll der Lärmaktionsplan Politik und Verwaltung Argumente für den Bau einer Umgehungsstraße liefern. Der Samtgemeinderat hat sich einstimmig für dieses Projekt ausgesprochen. Es befindet sich im „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswege-Plans, wird aber auf absehbare Zeit kaum umgesetzt werden können, weil es an Bau-Personal fehlt.

Übrigens: Der Bundesverkehrswege-Plan geht davon aus, dass die Zahl der Fahrzeuge, die durch Nienstädt brausen, auf 24.000 ansteigen wird – das merkt Samtgemeindebürgermeister Ditmar Köritz an.

Die Bürgerinitiative pro alte B 65 will die Umgehung verhindern, weil sie die Lärmbelastung an der Bundesstraße für nicht so dramatisch hält wie der Samtgemeinderat. Die BI beruft sich dabei auf die Zahl 13.000, die die Straßenbau-Behörde ermittelt hat. ab