Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Nienstädt Straße trennt den Ort
Schaumburg Nienstädt Nienstädt Straße trennt den Ort
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:15 18.04.2013
Die Fraktionen des Gemeinderates sind für eine Umgehung.
Die Fraktionen des Gemeinderates sind für eine Umgehung. Quelle: rg
Anzeige
Von Jan Peter Wiborg, Stefan Rothe und Oliver Nowak

Die Umgehung Nienstädts – vor einigen Jahren als Projekt auf 18 Millionen Euro taxiert - wird wohl, so bleibt zu vermuten, von Hannover nach Berlin für den „vordringlichen Bedarf gemeldet werden.

 Ökonomie, Ökologie? Welche Faktoren im Verkehrsministerium künftig für die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan gelten, ist noch nicht festgelegt. Und es wird immer wahrscheinlicher, dass das erst nach der Bundestagswahl, vermutlich auch erst im nächsten Jahr passieren könnte.

 „Wir haben zwar einiges erarbeitet, haben aber noch keine Kriterien“, bestätigt Markus Brockmann, der Leiter des Bereiches Hameln, der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, für ein mögliches Planungsverfahren für die Umgehung Nienstädt zuständig.

 Offen ist auch noch die Frage nach dem Zeithorizont, selbst bei einer Aufnahme in den „vordringlichen Bedarf“. Sollte es bei den derzeitigen Kriterien und den zur Verfügung stehenden Finanzen bleiben, schätzt Anton Hofreiter (Bündnis 90/Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, dass Projekte wie Nienstädt „nicht vor dem Jahr 2040 oder 2050 verwirklicht“ werden können.

 So reden vermutlich fast alle der derzeit Handelnden von Vorgängen, die sie nicht mehr als aktive Politiker oder Verwaltungsangehörige beeinflussen, einige auch nicht einmal mehr erleben werden. Seit mehr als 30 Jahren befindet sich die Ortsumgehung Nienstädt der B 65 im „vordringlichen Bedarf“ und aus Sicht der Gemeinde und des überwiegenden Teils der Bevölkerung ist zu befürchten, dass sie das auch noch einige Jahrzehnte ohne Realisierungschance bleiben wird.

Heißes Pflaster Bundesstraße 65

Nienstädt. Das Hin und Her um eine Umgehungsstraße für die Bundesstraße 65 im Norden Nienstädts ist ein heißes Pflaster. Kommt die Umgehung nicht, werden die vielen Anlieger der B 65 weiterhin durch den Verkehrslärm belästigt. Entsteht jedoch die Umgehung im Norden Nienstädts, sind mit einem Male jene betroffen, die dort in ruhiger Lage noch vor Kurzem gelebt haben. Doch die Fraktionen des Gemeinderates sind sich einig, einer Umgehung muss her.

SPD-Gemeinderats-Fraktionsvorsitzende Christina Reckmann macht es deutlich: „Unsere Resolution, dass die Umgehung im Bundesverkehrswegeplan bis 2030 in den „vorrangigen Bedarf“ weitergeführt werden soll steht für sich.“ Die Umgehung werde kommen. Sie hoffe deshalb, dass die Mittel für die Umgehung schnell bereitgestellt werden, denn auch nach der Verkehrsberuhigung sei der Ort durch die Bundesstraße noch immer gespalten.

Das sieht Thomas Künzel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Nienstädter Gemeinderat ähnlich: „Nach wie vor bleibt der Ort durch die B 65 getrennt“, nach der Beruhigung sei die Situation für Anlieger mit Auto und Fahrrad zwar besser geworden, aber die Lärmbelästigung – „die Straße ist nach wie vor ein Graus“ – macht Künzel deutlich. Allerdings sei er nicht der Ansicht, dass die Umgehung in den kommenden 30 Jahren stehe, da noch viele weitere Straßenerneuerungen in ganz Deutschland anstünden.

CDU-Gemeinderats-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Hoppe stimmt mit ein: „Ich bin der Meinung, die Umgehungsstraße kommt nicht mehr in den kommenden 30 Jahren.“ Zwar sei sie notwendig, doch sei das ganze Projekt durch die Verkehrsberuhigung in seiner Notwendigkeit bei den Entscheidungsträgern nach hinten gestellt worden, selbst, wenn die Umgehung in den „vorrangigen Bedarf“ aufgenommen wird.

Kein einhelliger Wunsch

Nienstädt. Die Einwohner in der Gemeinde Nienstädt stehen nicht einhellig für eine Umgehungsstraße – so ist das vehemente Statement von rund 30 Bürgern zu deuten, die ihrem Protest im vergangenen Dezember zum ersten Mal laut werden ließen. Grund ist eine Resolution des Gemeinderates an den damaligen niedersächsischen Verkehrsminister Jörg Bode gewesen, dafür zu sorgen, dass die Gemeinde auch bei einer Neufassung des Bundesverkehrswegeplanes im „vordringlichen Bedarf“ verbleibt.

Zehn Ratsmitglieder hatten für die Resolution gestimmt, zwei Ratsherren erklärten aufgrund ihres Wohnstandortes „Befangenheit“und enthielten sich. Dagegen stimmte Eckhard Ilsemann (SPD).
Die SN berichteten damals, dass eine turbulente rund einstündige Debatte mit Bürgern aus dem nördlichen Teil Nienstädts vonstatten gegangen sei, bei der etliche Einwohner kundtaten, dass sie persönliche Nachteile wie „Wertverfall der Immobilien“, „rapiden Verlust der Lebensqualität“, „Einkesselung“ befürchteten und einen möglichen Anspruch auf finanzielle Entschädigung anmeldeten sowie die Gründung einer Bürgerinitiative in Aussicht stellten.