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Nienstädt Wo die Gummistiefel am Boden festwachsen
Schaumburg Nienstädt Nienstädt Wo die Gummistiefel am Boden festwachsen
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08:32 16.08.2019
Dirk Rodenbeck und Lukas Bulmahn haben die Ernte abgeschlossen. Quelle: ab
Wackerfeld

Wenn Rodenbeck in Wackerfeld Kollegen zu Besuch hat, die mit leichten, flüchtigen Böden zu kämpfen haben, macht er gern einen flapsigen Spruch, um Wackerfelds Fruchtbarkeit zu beschreiben. „Wir dürfen nicht lange auf einem Fleck stehen bleiben“, erklärt er dann mit todernstem Gesicht, „sonst wachsen wir an den Gummistiefeln fest.“ Wackerfeld hat eine landwirtschaftliche Vergangenheit, Dirk Rodenbeck in dem Nienstädter Ortsteil Land gepachtet.

24 Stunden am Stück mähen

Wie für jeden Landwirt ist auch für Rodenbeck, der seinen Hof in Gelldorf hat, die Ernte Höhepunkt und Abschluss des Wirtschaftsjahres. „In diesen wenigen Tagen sehen wir, was wir geschafft haben“, sagt er. Gemäht wird bis zu 24 Stunden am Stück, die Zeitfenster legt das Wetter fest.

Dirk Rodenbeck, Kompagnon Hartmut Prange und Mitarbeiter Lukas Bulmahn haben in Wackerfeld Weizen geerntet. Für zehn Hektar braucht der große Claas-Mähdrescher etwa drei Stunden. „Einen genaueren und effektiveren Mähdrescherfahrer als Hartmut wird man kaum finden“, sagt Rodenbeck, „sein Vater war schon genau so.“ Prange lässt in der Kabine beim stundenlangen Rundendrehen kein Radio dudeln, weil er am Klang der Maschine hören will, ob der Mähdrescher rund läuft. 550 PS stecken in dem froschgrünen Ungetüm, dessen knallrotes, etwas über zehn Meter breites Schneidwerk Weizen frisst. Über 400.000 Euro kostet so ein Claas.

Kampf gegen aggressiven Pilz

Im November hatte Rodenbeck den Weizen ausgesät. „Wir haben in Wackerfeld Futterweizen der Sorte ‚Reform‘ stehen“, sagt er. Über den Winter ließ er den Boden in Ruhe, im Frühjahr hat er Gülle und Dünger ausgebracht, außerdem einen aggressiven Pilz bekämpft, der vielen Landwirten zusetzt.

Der Weizen, den Rodenbeck und seine Männer jetzt geerntet haben, wird peu à peu an Schweine verfüttert. Um den Weizen aufzubewahren, hat er gerade ein neues Silo gebaut, insgesamt fassen seine vier großen und vier kleinen Türme 2000 Tonnen.

China treibt den Markt an

2000 Schweine hat er im Stall stehen. Wenn sie das nötige Gewicht erreicht haben, verkauft er sie an das Großunternehmen Westfleisch. „Ich kann mich im Moment über die Preise nicht beklagen“, sagt Rodenbeck, „vor allem China treibt den Markt an, auch weil sie das komplette Schwein verwerten – Ohren, Pfoten, Schwänze.“ Die Gülle, die die Schweine erzeugen, bringt Rodenbeck im Frühjahr wieder auf die Felder. „So schließt sich der Kreislauf“, sagt Rodenbeck und ergänzt: „So geht Landwirtschaft.“

Von Arne Boecker