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Samtgemeinde Nienstädt B65: Nienstädts SPD auf den Zinnen
Schaumburg Nienstädt Samtgemeinde Nienstädt B65: Nienstädts SPD auf den Zinnen
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21:46 11.07.2019
Um die 20.000 Autos jagen jeden Tag auf der B65 durch Nienstädt. Besonders kritisch wird die Lage, wenn sich auf der A2 ein Unfall ereignet hat, sodass die Bundesstraße zum Ausweichen herhalten muss. Quelle: tbh
Nienstädt

Mit einem überraschenden Manöver hatte Grünen-Chef Friedrich Deventer mächtig Wirbel ausgelöst. Als der Lärmaktionsplan diskutiert wurde, der die B 65 entschärfen soll, beantragte er, über den Bau einer Umgehungsstraße separat abzustimmen. Die beiden Grünen und fast alle CDU-Ratsmitglieder stimmten daraufhin dagegen, dass die Verwaltung der Samtgemeinde den Bau der Umgehung vorantreibt.

„Der Monolith bröckelt“ hatte Deventer daraufhin frohlockt. Er spielt darauf an, dass die Gremien der Samtgemeinde bislang eindeutig pro Umgehung votiert haben. Das jetzige Teil-Nein zum Lärmaktionsplan hebt diese Beschlüsse nicht auf, Grüne und CDU können aber erstmals nach außen dokumentieren, dass sie gegen den Bau der Umgehung sind.

„Es bröckelt an keiner Stelle“, hält Christiane Reckmann Friedrichs Deventer „Monolith“-Ausspruch entgegen. Die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Nienstädter Gemeinderat. begründet dies so: „Es gibt seit Jahren in Gemeinde- und Samtgemeinderat klare Mehrheiten für den Bau einer Umgehungsstraße.“

Die Nienstädter Umgehung findet sich als „vordringlicher Bedarf“ im Verkehrswegeplan des Bundes. Dass die konkrete Planung noch nicht angelaufen ist, liegt an personellen Engpässen bei den Planern. Zuständig ist die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln.

Gute Erfahrungen mit Umgehungsstraßen in Stadthagen, Bückeburg und Rinteln

Für das Projekt spreche allein schon, dass 60 Prozent der Autos, die durch Nienstädt brausen, zum Durchgangsverkehr zählen, rechnet Reckmann vor. Dieses Argument werde von den Umgehungs-Gegnern „einfach ignoriert“.

In jüngster Vergangenheit ist vor allem die Bürgerinitiative pro alte B65 (BIPAB 65) mit scharfen Angriffen auf Nienstädter Politiker hervorgetreten. Viele Argumente seien „fehlerhaft“, schlägt Nienstädts SPD-Fraktionschefin Reckmann jetzt zurück.

Proteste gegen die Umgehung würden zum Teil von „Personen“ vorgetragen, „die noch nicht so lange“ in der Nähe der geplanten Trasse wohnten. Die Gegnerschaft sei zwar „menschlich verständlich“, aber etwa „die betroffenen Bewohner an der B65 aufzufordern, ihre Häuser zu verkaufen“, sei „peinlich und beschämend“. Die Umgehung würde 6800 derjenigen entlasten, die unter dem Lärm an der B 65 leiden, sagt Reckmann.

„Der pure Egoismus einiger Weniger wird den Bau nicht verhindern können“, kündigt sie an. In diesem Zusammenhang spricht sie von Umgehungs-Gegnern, die lediglich „ihre landwirtschaftlichen Flächen“ schützen wollten. „Wer“, so Reckmann, „soll das verstehen?“

Mehrere Schaumburger Orte machten seit Jahren gute Erfahrungen mit Umgehungsstraßen, erklärt Reckmann. Als Beispiele nennt sie Bückeburg, Stadthagen und Rinteln. In diesen Fällen sei es gelungen, den „Durchgangsverkehr deutlich zu reduzieren“. von Arne Boecker

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