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Samtgemeinde Nienstädt Neuer Schwung für Nienstädter Gegner der B65-Umgehung
Schaumburg Nienstädt Samtgemeinde Nienstädt Neuer Schwung für Nienstädter Gegner der B65-Umgehung
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18:37 09.04.2019
Uwe Goth (von links), Hinrich Gottschalk, Michael Neumann und Kristin Kolbe-Schade sind vier der acht Mitglieder des BI-Kooperations-Kreises.
Uwe Goth (von links), Hinrich Gottschalk, Michael Neumann und Kristin Kolbe-Schade sind vier der acht Mitglieder des BI-Kooperations-Kreises. Quelle: ab
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Samtgemeinde Nienstädt

Die neuformierte „Bürgerinitiative pro alte B 65“ (BIPAB65) will mit „faktenbasierten“ Informationen über die Probleme der Umgehung aufklären und die Vorteile der jetzigen Trasse hervorheben. BI-Sprecher Michael Neumann begründet den neuen Auftritt so: „Viele Nienstädter glauben, dass die Umgehung ohnehin nicht kommt – das ist aber falsch und gefährlich.“

Interessensgruppen zeigen Einigkeit

„Keine B 65 neu durch Nienstädt“ war der bisherige Name der Bürgerinitiative gewesen. Nun sind eine „freie Arbeitsgruppe“ (Neumann) und das Helpser SPD-Mitglied Uwe Goth dazugekommen. Außerdem pflegt die BIPAB65 nach eigenen Angaben jetzt eine Kooperation mit dem Landvolk Weserbergland, dem Nienstädter Ortsverein des Nabu und der Jägerschaft Schaumburg. Diese „Einigkeit von sonst unterschiedlich gelagerten Interessengruppen“ lobt Sprecher Neumann als „einzigartig“. Insgesamt habe die BI 200 Mitglieder.

Bürgerinitiative: Lärmbelastung erträglich, Umgehung überflüssig

Inhaltlich lässt sich die Position von BIPAB65 so zusammenfassen: Es fahren erheblich weniger Autos durch Nienstädt als von Politik und Verwaltung behauptet. Deswegen sei auch die Lärmbelastung an der Bundesstraße erträglich. Schlussfolgerung: Die Umgehungsstraße ist überflüssig. Die Argumentation gründet auf der Zahl durchbrausender Autos. Sie ist nach Angaben der BI von 2005 bis 2015 von 18 000 auf 13 000 pro Tag gesunken. Politik und Verwaltung operieren hier meist mit der Zahl 22 000. Die Angaben, auf die sich die BI bezieht, stammen von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln. Die Gemeinde Nienstädt wird in Kürze die Ergebnisse eines „Aktionsplans“ vorstellen, der das Thema Lärm untersucht.

Planung würde zehn Jahre dauern

Das Projekt B 65-Umgehung, das seit den siebziger Jahren in den Schubladen liegt, findet sich im Bundesverkehrswegeplan inzwischen unter „vordringlicher Bedarf“. Die Umsetzung scheitert derzeit jedoch an der Personalknappheit im Straßenbau. Nach Auskunft von Fachleuten dürfte allein die Planungsphase zehn Jahre dauern, gerechnet von dem Tag, an dem das niedersächsische Wirtschaftsministerium den Startschuss gibt. BI-Sprecher Neumann warnt: „Es geht nicht mehr um das ‚ob‘, sondern nur noch um das ‚wann‘.“

Neumann: Nehmen Anwohnersorgen ernst

Die Sorgen der Bundesstraßen-Anwohner nehme man durchaus ernst, sagt Neumann. Die BI schlägt ein Bündel von Maßnahmen vor, um das Autoknäuel an der Bundesstraße zu entzerren. Unter anderem sollen Engstellen, Ampeln oder auch Tempo-30-Zonen an neuralgischen Punkten verhindern, dass A 2-Stau-Ausweicher durch Nienstädt kurven. Was die Umsetzbarkeit dieser Vorschläge angeht, sagt Goth, der zu dem achtköpfigen Kooperations-Kreis an der BI-Spitze gehört: „Wir sind alle keine Verkehrsexperten.“

Scharfe Kritik an Politik

Goth richtet scharfe Kritik an die Nienstädter Politik: „Hier wird versucht, Bürger infofrei zu halten, damit sich einige ein politisches Denkmal bauen können.“ Auf Nachfrage nennt er in diesem Zusammenhang den Nienstädter Bürgermeister Gerhard Widdel (SPD). Kristin Kolbe-Schade, die ebenfalls zum Kooperations-Kreis zählt, nennt es „fragwürdig, dass der Samtgemeinderat einstimmig für die Umgehung gestimmt hat – sogar die Grünen haben mitgemacht“. Michael Neumann schlussfolgert: „Die Umgehung muss von der politischen Agenda gestrichen werden.“

Von Arne Boecker