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Obernkirchen Ortsteile Darum sorgt in Gelldorf der Nahverkehrsplan Schaumburg für Ärger
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Ortsteile Darum sorgt in Gelldorf der Nahverkehrsplan Schaumburg für Ärger
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11:16 11.11.2019
Nahezu alle Gelldorfer Bushaltestellen liegen an der Kreuzung B65/Lange Straße/Dorfstraße – und damit weit entfernt vom Wohngebiet. Im Ortsrat hat deswegen jetzt die Tatsache für Unverständnis gesorgt, dass die Ortsteile beim Entwurf des Nahverkehrsplans nicht angehört wurden. Quelle: tw
Gelldorf

Andreas Hofmann kann es nicht verstehen. „In den Ortsteilen wohnen etwa 40 Prozent der Einwohner der Kernstadt. Aber wenn es um eine so wichtige Sache wie die Fortschreibung des Nahverkehrsplans für den Landkreis Schaumburg geht, werden wir nicht gehört“, ärgert sich Gelldorfs Ortsbürgermeister während der jüngsten Zusammenkunft des Ortsrates im Dorfgemeinschaftshaus an der Schulstraße.

Und Hofmann fragt sich warum: „Der Behinderten- und Seniorenbeirat hat eine ausführliche Stellungnahme zu dem Entwurf des Nahverkehrsplans abgegeben, der Bürger- und Bildungsausschuss hat ihn zur Kenntnis genommen. Aber auch wir in Gelldorf hätten durchaus etwas dazu zu sagen gehabt.“

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Bis 2035: Gruppe der über 65-Jährigen wächst deutlich

Der Ortsbürgermeister zitiert aus dem Entwurf, wonach bis zum Jahre 2035 die Altersgruppe der über 65-Jährigen in allen Gemeinden deutlich wachsen wird. Diese Zuwächse lägen bei den Einheitsgemeinden zwischen plus drei Prozent (Stadthagen) und plus 58 Prozent (Gemeinde Auetal) sowie bei den Samtgemeinden zwischen plus 32 Prozent (Samtgemeinde Nenndorf) und plus 77 Prozent (Samtgemeinde Sachsenhagen). „Der kreisweite Wert“, so Hofmann „liegt bei dieser Altersklasse bei plus 46 Prozent.“

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Damit steige auch der Anteil von Menschen, die zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen kein eigenes Auto mehr nutzen und auf öffentliche Mobilitätsangebote angewiesen sind. Die Nachfrage werde sich verstärkt vom Schulverkehr hin zur Daseinsvorsorge für Senioren verschieben, was sich auch auf die Einnahmensituation der Verkehrsunternehmen auswirken werde. Entsprechend sei von einem steigenden Bedarf an bedarfsorientierten Mobilitätsangeboten auszugehen, die wirtschaftlich deutlich besser funktionieren könnten, als nachfrageunabhängigere Angebote im Linienbusverkehr.

Wie wird Gelldorf fit für die Zukunft?

All das seien Dinge, die auch Gelldorf beträfen. „Die Bushaltestellen zum Beispiel sind für Senioren, die etwa im Bereich Ringstraße wohnen und auf Rollatoren angewiesen sind, viel zu weit entfernt“, hat der Ortsbürgermeister aus Gesprächen mitgenommen. Im Grunde genommen seien alle Haltestellen für Gelldorf im Bereich der Kreuzung B65/Lange Straße/Dorfstraße konzentriert: Die – lange – Dorfstraße selbst sei gar nicht angebunden.

Auch die Anbindung an den Nahverkehr und an den Oki-(Bergstadt-)Bus seien für Gelldorf alles andere als glücklich. „Als er 2017 eingeführt und die Route festgelegt wurde, mussten wir hier erst den Finger heben, damit er überhaupt in Gelldorf hält“, erinnert Hofmann. Für Gelldorfer, die zum Einkaufen, zum Arzt oder ins Klinikum Schaumburg fahren müssten, seien die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs eher schlecht als recht geeignet.

Anrufbus-Modell à la Nienstädt?

„Anders dagegen ein Anrufbus, von dem wir uns gerade auch für Gelldorf viel versprechen“, betont der Ortsbürgermeister. Deswegen sei es nötig, für etwaige Akteure, so man sie denn für einen solchen Bus finde, „alle rechtlichen Wege zu ebnen und alle Hürden zu beseitigen“. Als der „Oki-Bus“ ins Leben gerufen worden sei, sei in Gelldorf überlegt worden, ob der Anrufbus aus Richtung Nienstädt, der ja auch zum Klinikum fahre, nicht Fahrgäste aus Gelldorf mitnehmen könne. Das aber wäre damals als Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr empfunden worden. „Sonst“, so der Ortsbürgermeister, „hätten wir das gerne unterstützt.“

All das seien Punkte, die nach Hofmanns Dafürhalten so oder so ähnlich auch in einer Stellungnahme Gelldorfs zur Fortschreibung des Nahverkehrsplans stehen könnten. Der Bürgermeister möchte das Thema deswegen noch einmal auf die Tagesordnung seines „Ortsparlaments“ setzen und während der ersten oder zweiten Zusammenkunft im neuen Jahr beraten. von Thomas Wünsche

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