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20:15 10.07.2018
In einer der Produktionshallen zeigen Geschäftsführer Markus Schwarte (links) und Mitarbeiter Jens Dralle eine noch unfertige Multiphasenpumpe, die den Pumpen entspricht, die für ein Erdölunternehmen in Abu Dhabi bestellt worden sind. 
In einer der Produktionshallen zeigen Geschäftsführer Markus Schwarte (links) und Mitarbeiter Jens Dralle eine noch unfertige Multiphasenpumpe, die den Pumpen entspricht, die für ein Erdölunternehmen in Abu Dhabi bestellt worden sind.  Quelle: wk
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Gelldorf

Sparmaßnahmen und „Prozessoptimierungen“ machen sich Unternehmensangaben zufolge positiv bemerkbar.

2017 habe man zwar noch keine schwarze Zahl geschrieben, dafür aber bei knapp 60 Millionen Euro Jahresumsatz eine „enorme Kostenverbesserung“ in Höhe von rund zehn Millionen Euro erreicht, sagt Markus Schwarte, der seit 1. Juli 2016 Geschäftsführer von ITT Bornemann ist. Diese Verbesserung sei eine Nachwirkung aus der Reduktion der Mitarbeiterzahl sowie Folge „starker Verhandlungen“ im Bereich des Materialeinkaufs. Bei Zulieferern hat Bornemann demnach günstige Preise ausgehandelt. Produktivität und Qualität seien gestiegen.

Sofern nichts Unerwartetes dazwischen kommt, wird ITT Bornemann in diesem Jahr wieder „zur Profitabilität zurückkehren“ und eine „schwarze Zahl“ als Jahresergebnis ausweisen, prognostiziert Schwarte. Seine Einschätzung begründet er mit einer „extremen Erholung auf den Märkten Öl und Gas“ – sowohl im Bereich der Förderung als auch bei der weiterverarbeitenden Industrie. Entsprechend hoch sei die Nachfrage nach Spezialpumpen.

So habe man den für Bornemann mit einem Auftragsvolumen in Höhe von rund 11,3 Millionen Euro „größten Auftrag seit fünf Jahren“ gewonnen: die Erstellung zweier Pumpensysteme für einen Ingenieurs-Dienstleister in Indien. Benutzen wird die Anlagen ein Erdölunternehmen in Abu Dhabi.

500 Tonnen Material gehen auf die Straße

Außerdem liefere Bornemann einen Großauftrag für den Bau einer Pipeline in Ägypten aus: insgesamt elf Schraubenspindelpumpen in verschiedenen Größen, darunter fünf der größten Modelle, die das Gelldorfer Unternehmen im Programm hat, berichtet der Geschäftsführer: „Das sind 500 Tonnen Material, die wir mit Schwertransporten auf die Straße bringen müssen.“ Der Auftragswert betrage mehr als sieben Millionen Euro.

Stolz ist Schwarte auch auf die Entwicklung einer hermetisch abgedichteten zweispindeligen Schraubenspindelpumpe unter anderem für Lebensmittel-, Pharma- und Chemieindustrie. „Damit können wir alle Industrien mit unseren Schraubenspindelpumpen versorgen“, sagt er. Außerdem werde ITT Bornemann durch diese Pumpengeneration unabhängiger vom Öl- und Gasmarkt.

In Folie eingeschweißt werden die für den Bau einer Pipeline in Ägypten bestimmten Schraubenspindelpumpen auf den Weg gebracht.

Vorgestellt worden ist die neue Produktreihe im Juni während der „ACHEMA“, der weltgrößten Messe der Prozessindustrie, im Rahmen einer Facebook-Liveübertragung. Die Besonderheit dieser neuen Pumpengeneration liegt nach Angaben von Bornemann darin, dass die Verwendung eines magnetgekuppelten Antriebs die sonst erforderlichen Gleichringdichtungen und komplexen Dichtungsversorgungssysteme überflüssig macht.

Weitere Vorteile seien die vergleichsweise kompakte Bauart, eine Schmierung der Schraubenspindel durch die befördernden Medien und die geringere Anzahl an Verschleißteilen. Letzteres führe zu einem „wartungsarmen Betrieb, verminderter Störungsanfälligkeit und somit zu niedrigeren Betriebskosten“.

Geringe Fixkosten bleiben das Ziel

Ob der aktuell auf circa 200 festangestellte Mitarbeiter (plus 20 Leiharbeiter) abgespeckte Personalstamm demnächst wieder aufgestockt wird, ist offen: „Wir sind da im Moment noch recht vorsichtig“, sagt Schwarte. Noch wisse man nicht, ob es sich bei dem derzeitigen Anstieg der Nachfrage nur um einen kurzfristigen Aufschwung oder um einen nachhaltigen Trend handelt. Sollte das Geschäft allerdings dauerhaft anziehen, würde man die Anzahl der Mitarbeiter zum Ende kommenden Jahres auf bis zu 240 erhöhen müssen, um die Aufträge abarbeiten zu können.

Die Frage sei, ob man dabei auf zusätzliche festangestellte Mitarbeiter oder auf Leiharbeiter und Kontraktoren setzt. „Das Ziel ist nach wie vor, die Fixkosten möglichst gering zu halten“, erklärt Schwarte. „Wir müssen mit dem Projektgeschäft atmen können.“

Neue Auszubildende habe ITT Bornemann übrigens bereits 2017 eingestellt und werde dies auch in diesem Jahr wieder tun, nachdem das Unternehmen 2016 wegen des damaligen Umsatzrückgangs keine Lehrstellen angeboten habe. wk