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Obernkirchen Ortsteile Klimawandel: „Wir wissen, was auf uns zukommt“
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Ortsteile Klimawandel: „Wir wissen, was auf uns zukommt“
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23:04 30.08.2019
Gelldorf

Aber immerhin: Er ist für den guten Zweck auf Reisen, er referiert zur Frage, ob das, was wir in diesen Tagen und Jahren erleben, noch Wetter ist – oder doch schon der Klimawandel.

Zum Wetter habe jeder eine Meinung, Wetter erlebe man Tag für Tag, Klima dagegen sei Mathematik, Klima sei weder gut noch schlecht, und kein Klimaforscher könne heute sagen, wie das Wetter in 70 Jahren aussehe, aber man könne mit Klimamodellen arbeiten: Man drehe ein bisschen an den Stellschrauben, man verdopple beispielsweise den Kohlendioxid-Ausstoß – und dann könne man sagen: „So sieht das dann aus.“

Die Jahresmitteltemperatur, so Schwanke, habe in den Achtzigerjahren in Deutschland bei 8,5 Grad gelegen, im vergangenen Jahrzehnt dagegen schon bei 9,7 Grad. Selbst wenn man das Ruder gewaltig herumreiße, so der Moderator, und sich das Klima um nicht mehr als diese zwei Grad erwärme, die auf der Pariser Klimaschutzkonferenz 2015 von 195 Ländern im globalen Aktionsplan als Grenzwert eingesetzt wurden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, selbst dann werde man Ende diese Jahrhunderts Jahresmitteltemperaturen von 11,4 bis 12,4 Grad haben.

Temperaturen seien noch nie so stark gestiegen

Er werde in seiner beruflichen Eigenschaft als Wetterwissenschaftler oft gefragt, ob diese ein oder zwei Grad so einen großen Unterschied ausmachen würden, erzählte Schwanke im Rahmen der Ortsversammlung der Schaumburger Volksbank in Gelldorf, wo er auf die letzte Eiszeit verwies: Diese liege 20000 Jahre zurück, seitdem sei es auf der Welt 3,5 Grad wärmer geworden. „Doch noch nie sind die Temperaturen so stark gestiegen wie in den letzten 100 Jahren, nämlich um ein Grad“, sagt Schwanke.

Schlechte Nachrichten hatte er auch für die Fortwirtschaft, die sich frage, welche Bäume jetzt angepflanzt werden müssten, um mit den Wetteränderungen Schritt zu halten. „Diese Bäume gibt es nicht“, meinte der Experte, denn ein heute gepflanzter Baum werde sich in den nächsten zehn Jahren, in seiner Jugend, an die klimatischen Bedingungen anpassen. Eine spätere Erwärmung von, nun ja, drei Grad, werde er dann nicht mehr überleben, prognostiziert Schwanke.

Dass die Wüsten kleiner würden, weil es dort viel regne, sei nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht, führte Schwanke aus. Zwar werde die Sahelzone nun grüner, aber die Sahara sei eben auch der „größte Kühlschrank der Welt“, sie strahle nachts Energie ins sternenklare Weltall und kühle die Erde ab. Logische Konsequenz: „Wird der Kühlschrank kleiner, verstärkt sich die Erwärmung.“

„Wir müssen etwas tun“

Eine immer stärkere Hagelhäufigkeit, deutlich mehr Tornados in Deutschland, fast 80 Sommertage mit mehr als 25 Grad im zurückliegenden Jahr, denen rund 20 bis 25 Sommertage in den fünfziger und sechziger Jahren gegenüberstünden, mehr Hochs und Tiefs, sich verschärfende bestehende Wetterlagen, Wirbelstürme in NRW: Die Erwärmung schreite schneller voran, als es die pessimistischen Klimamodelle überhaupt dargestellt hätten, sagt er.

„Wir müssen etwas tun“, meint Schwanke, man müsse darüber diskutieren, welchen Weg diese Gesellschaft einschlagen solle. Dass man in 50 Jahren nicht mehr fliegen werde, das glaube er nicht, technische Entwicklungen würden ja nicht zurückgenommen.

Aber etwas merkwürdig sei es schon: Egal, vor was die Menschen bislang Angst gehabt hätten, immer seien Wissenschaftler gekommen und hätten sie beruhigt: Keine Bange, das wird schon nicht so schlimm. Nur beim Klima sei es genau umgekehrt: „Die Wissenschaft warnt seit Jahrzehnten – und der Mensch wiegelt ab.“ Man wisse, so endet Schwanke, seit vielen, vielen Jahren, „was auf uns zukommt – wir müssen nur anpacken“.

Aber möglicherweise liegt hier auch des Pudels Kern: Politik und Klimawandel sind in diesen Zeiten in völlig unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs.