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20:25 24.05.2017
Der Global Product Director Jörg Narewski zeigt ein Bauteil der die Mineralölindustrie bestimmten, großen „Multiphasenpumpe“, einer zweispindeligen Schraubenpumpe. Quelle: wk
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GELLDORF

„Wir sind im vergangenen Jahr extrem tief in die roten Zahlen gerutscht“, berichtet Markus Schwarte, seit 1. Juli 2016 neuer Geschäftsführer von ITT Bornemann. Ursächlich für diese wirtschaftliche Entwicklung seien die niedrigen Erdölpreise, deretwegen der Absatz der in Gelldorf für die weltweite Mineralölindustrie produzierten Förderpumpen stark eingebrochen sei; gleiches gelte für den Erdgasmarkt, der ebenso gelitten habe. In der Folge habe man im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatzrückgang in Höhe von circa 40 Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2015 verzeichnet.

Als Konsequenz daraus hat ITT Bornemann laut Schwarte die besagten 120 Arbeitsplätze abgebaut. Zudem hat die Firma sich entschieden, die große Abhängigkeit vom Erdöl- und Erdgasmarkt (circa 70 bis 80 Prozent Anteil am Jahresumsatz) ein Stück weit zu reduzieren, indem die ebenfalls mit Spezialpumpen aus Gelldorf belieferte Lebensmittelindustrie (rund 20 Prozent Anteil am Jahresumsatz) stärker erschlossen werden soll. Darüber hinaus sollen Kunden in der Chemiebranche als zusätzliches Standbein gewonnen werden.

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Für dieses neu zu erobernde Absatzfeld, die Chemieindustrie, entwickle ITT Bornemann gerade eine spezielle Version seiner „zweispindeligen Schraubenpumpe“, mit der man 2018 in diesen Markt einsteigen will, verrät Jörg Narewski, der als Global Product Director für die Koordination der weltweiten Marketing- und Verkaufsaktivitäten zuständig ist. Dabei gehe es bei dieser Neuentwicklung unter anderem darum, dass die „Förderparameter Durchfluss und Druck“ in den von den Kunden in der Chemiebranche benötigten Dimensionen von einer einzelnen Pumpe geliefert werden, anstatt zwei unterschiedliche Pumpen miteinander kombinieren zu müssen.

Drei Azubis wieder dabei

„Wir wollen unsere Kernkompetenz auch in anderen Branchen einsetzen“, betont Schwarte. Für das Geschäftsjahr 2017 sei dabei insgesamt eine „zweistellige Umsatz- und Ergebnissteigerung“ angepeilt, was jeweils einer Steigerung um ungefähr 15 Prozent entspreche. Unterm Strich werde man in diesem Jahr zwar „noch keine schwarzen Zahlen“ schreiben, aber im Geschäftsjahr 2018 werde man – auch über einen günstigeren Materialeinkauf – voraussichtlich wieder einen Gewinn erzielen.

„Der Schlüssel wird die Profitabilität sein – daran werden wir gemessen“, erklärt Schwarte, wovon die Zukunft des ITT-Bornemann-Standortes Gelldorf letztlich abhängig ist.

Als ein Zeichen, dass es wirtschaftlich wieder aufwärts geht, verweist er darauf, dass das Unternehmen in diesem Jahr wieder drei neue Auszubildende eingestellt hat, während im vergangenen Jahr keine neuer Nachwuchs eingestellt worden waren.

Zunahme an Mitarbeitern unwahrscheinlich

Insgesamt beschäftigt ITT Bornemann in Gelldorf derzeit 201 „aktive“ Mitarbeiter (inklusive Auszubildende) – davon 90 im gewerblichen und 111 im kaufmännischen Bereich (einschließlich Ingenieurwesen). Zum Vergleich: Früher waren an diesem Standort insgesamt rund 560 Mitarbeiter tätig.

Dass der Pumpenspezialist seinen aktuellen Personalbestand irgendwann wieder deutlich nach oben schrauben könnte, ist laut Schwarte allerdings nicht zu erwarten. Stattdessen ergänzt das Unternehmen die vorhandene Stammbelegschaft bedarfsweise um die Dienste von Kontraktoren (Dienstleistern), Partnern und Zeitarbeitsfirmen, wenn es beispielsweise darum geht, Auftragsspitzen abzuarbeiten. Dies mit dem Ziel, die Fixkosten möglichst gering zu halten, damit ITT Bornemann „nicht wieder“ in eine durch zu hohe Personalkosten bedingte „Kostenfalle“ gerät. Gleichwohl: „Wenn wir Altersabgänge in kritischen Bereichen haben, stellen wir auch sofort neue Mitarbeiter ein“, betont der Geschäftsführer. Momentan suche man daher insgesamt sechs Konstrukteure, Elektro-Ingenieure und Produktspezialisten.

„Das Ziel ist, das Personal, das wir jetzt haben, zu erhalten“, resümiert Axel Weinert, der Vorsitzende des Betriebsrates des Unternehmens. Und vor diesem Hintergrund sei die vom Management getroffene Entscheidung, personelle Engpässe durch externe Arbeitskräfte zu kompensieren, richtig. wk