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Obernkirchen Ortsteile Syrischer Azubi darf nicht in Kaserne
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Ortsteile Syrischer Azubi darf nicht in Kaserne
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21:40 23.08.2018
Die Firmeninhaber Klaus und Steffen Scholz zeigen der Delegation um Maik Beermann (Mitte) den Betrieb in Gelldorf.
Die Firmeninhaber Klaus und Steffen Scholz zeigen der Delegation um Maik Beermann (Mitte) den Betrieb in Gelldorf. Quelle: leo
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Gelldorf

„Das Treffen war wichtig. Wir konnten endlich mal loswerden, was uns seit Langem schon auf den Nägeln brennt“, bilanziert Geschäftsführer Steffen Scholz.

Vor allem der Fachkräftemangel beschäftigt die Firma. „Wir finden kein ausgelerntes Personal. Handwerker sind sehr gefragt, aber zurzeit Mangelware“, sagt Scholz. Das Problem sei natürlich auch Thema im Bundestag, erklärte Beermann. Ein Allheilmittel hätten die Politiker aber noch nicht gefunden. Verschärfen würde die Situation, dass mittlerweile 80 Prozent der Schüler ein Gymnasium besuchen würden – viele davon wollen später lieber studieren, als einen handwerklichen Beruf zu erlernen, sagt Beermann. „Ein Meister muss genauso viel wert sein wie ein Master“, stellte der Abgeordnete in Gelldorf klar. „Daran müssen wir arbeiten. Schließlich brauchen wir nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer“, sagte Beermann. Handwerkliche Berufe müssten attraktiver gemacht werden.

Flüchtling seit einem Jahr in Ausbildung

Elektrotechnik Scholz zielt bei seiner Nachwuchsgewinnung auf gute Ausbildung und stetige Werbung ab. „Das funktioniert ganz gut. Wir bilden unsere Azubis sehr gut aus, viele bestehen mit Bestnote. Das spricht sich schnell rum“, sagt Scholz. Das Aufgabenfeld des Familienbetriebs sei zudem sehr „techniklastig“. Das begeistere junge Leute. 13 Auszubildende beschäftigt das Obernkirchener Unternehmen mit einer weiteren Zweigstelle in Wunstorf.

Ein anderes Thema, was den Chefs Klaus und Steffen Scholz wichtig ist, überraschte Beermann. Seit einem Jahr bildet die Firma einen Flüchtling aus. Der Syrer sei sehr fleißig und habe sich sehr gut in das Team integriert. Mit der Sprache würde es jedoch hapern, erklärt Scholz.

Er bemängelte, dass der junge Mann lediglich ein- bis zweimal in der Woche abends für zwei Stunden Nachhilfe bekomme. „Das reicht nicht aus. Er braucht auch Fachvokabeln, um in der Berufsschule, aber auch im Alltag auf der Baustelle klarzukommen“, meint Scholz. Ein intensives Sprachtraining für ein bis zwei Wochen, bei dem auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen wird, sei da effektiver, so der Inhaber.

Schreiben an Bundesinnenminister

Doch nicht nur die Sprachbarriere sei ein Problem. Da der Mann Syrer ist, dürfe er in Sicherheitsbereichen, wie zum Beispiel in der Bundeswehr-Kaserne in Ahnsen, nicht tätig sein. „Das stellt uns als Unternehmen vor Probleme, weil der Mann dann auf einigen Baustellen nicht arbeiten kann“, sagt Scholz.

Der Bundestagsabgeordnete versprach explizit, sich der Probleme anzunehmen und einen Brief zu verfassen. „Wir werden das Schreiben Bundesinnenminister Horst Seehofer vorlegen und hoffen, dass wir dadurch einen Anstoß geben können“, kündigte Beermann an. Für ihn als CDU-Politiker seien Treffen wie in Gelldorf sehr wichtig, unterstrich der Parlamentarier. „Die Unternehmer und Vereins- oder Verbandsvorsitzenden erzählen mir von ihren Sorgen. Ich kann dann versuchen, den Menschen zu helfen und politisch etwas zu verändern.“ leo