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Obernkirchen Stadt Abschied von Pastor Herbert Schwiegk aus Obernkirchen
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Abschied von Pastor Herbert Schwiegk aus Obernkirchen
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14:14 27.10.2019
Ein Bild aus alten Tagen: Herbert Schwiegk liest, alle anderen hören zu. Quelle: pr
OBERNKIRCHEN

Geboren wurde er im Norden, nahe Alfeld, in dem Jahr, in dem Deutschland zum ersten Mal Fußball-Weltmeister wurde, aber der Vater zog mit der Familie wenig später ins Ruhrgebiet, nach Dortmund, dort gab es Arbeit, dort ging Herbert Schwiegk zur Volksschule und wechselte als einziger seiner Klasse ans Gymnasium, wo es ihm so gut gefiel, dass er eine Ehrenrunde einlegte, und im Ruhrpott wurde er auch zum Fan der dortigen Fußball-Mannschaft, der Borussia in Dortmund.

Frühes Engagement

In der Kirche hat er sich früh engagiert, ein Studium der Theologe lag daher nicht allzu fern, und schon früh erkannte er, dass es ein Beruf sein sollte, in dem er mit Menschen arbeiten konnte. Es folgten Studium in Bethel und Göttingen, Vikariat in Hameln an der Marktkirche, Predigerseminar in Hildesheim, Kandidat des Predigtamtes in Nettelrede bei Bad Münder; ohne dolle Berufsaussichten, denn für wenige Stellen gab es damals viele Bewerber.

Glück für Schwiegk: Ein Platz auf der Warteliste wurde frei – und er Pastor in Obernkirchen, 1. Februar 1987, volle Stelle, rund 8000 Gemeindeglieder.

Wann gehen Sie wieder?

Es war eine Zeit, in der die Seelsorger sich in der Bergstadt die sprichwörtliche Klinke in die Hand gaben, und daher wurde Schwiegk oft gefragt: Wann gehen Sie denn wieder?

Er ist geblieben, über drei Jahrzehnte; rückblickend meint er, dass er es selbst nicht geglaubt hätte, das er solange bleiben würde. Dann wurde das erste Kind geboren, zwei weitere würden folgen, und einen Grund, die Bergstadt zu verlassen, „den gab es ja nie“, sagt Schwiegk.

Chefrolle nichts für ihn

Die Chefrolle, sagt er, hat ihm nicht gelegen, Gottesdienste und Predigten hat er geliebt, sie werden ihm fehlen. Er hat sich intensiv auf die Menschen eingelassen, und manchen hat er sein Leben lang begleitet: Taufe, Trauung, Beerdigung; allein die Zahl der Beerdigungen belief sich in seiner Obernkirchener Zeit auf weit über 1500.

Was hat sich geändert in den letzten drei Jahrzehnten, aus Sicht eines Pfarrers? Zwei Dinge, sagt Schwiegk, haben sich durchgezogen, und beide findet er „sehr schade“: Die Entsolidarisierung in der Gesellschaft, die schon Ende der achtziger Jahre spürbar gewesen wäre, habe sich zu einem „absoluten Egoismus“ entwickelt, und das habe zu „Instant-Befürfnissen“ der Menschen und einer damit einhergehenden Erwartung geführt: Zu Bedürfnissen, die sofort und hier und jetzt erfüllt werden müssten.

Frauen fordern ihren Anteil

Andere Änderungen hat er zur Kenntnis genommen, etwa den Spielkreis, der sich zu einem vollwertigen Kindergarten mit Krippe entwickelt hat, weil Frauen ihren Anteil am Arbeitsleben eingefordert haben und die Gesellschaft die Rahmenbedingungen ändern musste, seine Ehefrau, sagt Schwiegk, hat ja auch wieder angefangen zu arbeiten, im Jahr 2000. „Man kann in diesem Beruf auch gestalten“, meint Schwiegk.

Zehn Jahre hat er im Blasorchester Krainhagen mitgespielt, weil er schon als junger Mann Holz- und Blechblasinstrumente gelernt hat (die Instrumente wurden gestellt, nicht ganz unwichtig in Familien, in denen der Vater ganz allein fünf Münder zu stopfen hatte).

Keine Pläne außer Angelschnüre

Pläne für den Ruhestand? Nein, sagt Schwiegk, außer neuen Schnüren für die Angeln, aber ein völlig neuer Lebensabschnitt beginnt. Er wird mit seiner Frau nach Meerbeck ziehen, kleines Haus, seniorengerecht.

Am Donnerstag, 31. Oktober, dem Reformationstag, wird Herbert Schwiegk ab 16 Uhr in der Stiftskirche verabschiedet, anschließend steht ein Empfang im Gemeindehaus an. Von Frank Westermann 

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