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Obernkirchen Stadt Admiral-Scheer-Straße: Ärger um Texte auf Hinweistafeln
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07:44 05.02.2020
Oben verklären die Nazis am heutigen Museum den angeblich siegreichen Flotttenchef, unten stehen dürre Worte der Erklärung.
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Obernkirchen

Das Kapitel Reinhold Scheer ist beendet, in aller Stille hat die Stadtverwaltung die Schilder am Geburtshaus des ehemaligen deutschen Flottenchefs anbringen lassen, auch an den beiden Schildern, die die Admiral-Scheer-Straße bezeichnen, finden sich erklärende Zusätze.

Das Schild am Museum ist allerdings sehr, sehr klein ausgefallen, und bei Nässe lässt sich die Erklärung darauf kaum lesen.

Umbenennung abgelehnt

„Dem siegreichen Führer der deutschen Hochseeflotte“ hatten die Nazis am heutigen Museum für Bergbau und Stadtgeschichte eine steinerne Widmung anbringen lassen und den angeblichen Sieger der Skagerrakschlacht, der größten Seeschlacht des Ersten Weltkrieges, für ihre Propaganda vereinnahmt.

Der Rat hatte vor gut anderthalb Jahren eine von Bürgern geforderte Umbenennung der Straße abgelehnt, aber es wurde ein runder Tisch eingesetzt, der aus Bürgern und zwei Experten bestand: Dr. Stefan Brüdermann als Leiter des Standortes Bückeburg des Niedersächsischen Landesarchivs und dem Historiker Prof. Dr. Karl-Heinz Schneider, der an der Universität Hannover lehrt.

Text wurde entschärft

Bei zwei langen Treffen wurden dann gemeinsam die Texte ausgearbeitet, die Textvorschläge für die Hinweisschilder wurden den Gruppen und Fraktionen im Rat zugeleitet. Als die Rückmeldungen kamen, fehlte plötzlich ein Satz, er sollte an der Tafel am Museum noch nach Meinung der Experten zu lesen sein: „Mit der Enthüllung dieser Gedenktafel feierten die Nationalsozialisten 1933 im Rahmen einer Großveranstaltung den Sieg über ihre politischen Gegner und nutzten die Legende vom ,siegreichen Flottenchef‘, um die Bevölkerung auf Wiederaufrüstung und Kriegsvorbereitung einzustimmen.“

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Kriegsverbrecher oder Aushängeschild?

Der Rat hatte Mitte vergangenen Jahres das letzte Wort, zuvor wurde im nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss der Vorschlags-Text noch einmal überarbeitet. Vor allem wurde er entschärft, verabschiedet wurde dies: „Reinhard Scheer wurde 1863 in Obernkirchen geboren und war im 1. Weltkrieg Flottenchef und Chef der Seekriegsleitung. Bekannt wurde er 1916 als Chef der kaiserlichen Flotte in der propagandistisch als Sieg gefeierten „Skagerrakschlacht“ mit 8645 Toten auf britischer und deutscher Seite in dieser Schlacht. Er trat hiernach als Reaktion auf die bestehende Seeblockade der Briten für den uneingeschränkten U-Bootkrieg und für eine militärisch sinnlose Vernichtungsschlacht der deutschen Flotte vor dem Kriegsende ein. Die Gedenktafel am Geburtshaus wurde im Rahmen einer von den Nationalsozialisten initiierten Großveranstaltung 1933 enthüllt. 1934 wurde die damalige „Friedrich-Ebert-Straße“ in „Admiral-Scheer-Straße“ umbenannt.“

Todesurteile nicht erwähnt

Gestrichen wurde damit auch ein Satz, den die Expertenrunde ausgearbeitet und den der Ausschuss für Bildung und Bürger noch empfohlen hatte: „Gegen zwei Matrosen bestätigte Scheer vor dem Kriegsende 1918 juristisch fragwürdige Todesurteile.“

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„In Stein gemeißelte Legende“

Unter die Schilder der Admiral-Scheer-Straße kam dieser eher dünne Hinweis: „Reinhard Scheer 1863 – 1928; geb. in Obernkirchen, Admiral. Im 1. Weltkrieg deutscher Flottenchef in der „Skagerrakschlacht 1916.“

Arbeitsgruppe vergeudete Zeit?

Der Fachausschuss hatte Tage später noch einen weiteren Satz empfohlen: „Wir gedenken der 8645 Toten auf britischer und deutscher Seite in dieser Schlacht.“ Er wurde ersatzlos gestrichen. Tote? Was für Tote?

Wenig später erhielt der Bürgermeister Post, Absender waren Schneider und Brüdermann. Sie waren, wen wundert es, stark verärgert: „Für die Tafeltexte, die nun der Verwaltungsausschuss beschlossen hat, hätte ein Blick in den kleinen Brockhaus genügt“, schreibt Brüdermann an Schäfer: „Die zwei Sitzungen einer Arbeitsgruppe und die Beratung durch zwei Historiker waren vergeudete Zeit.“ Eine Bitte der beiden Experten an den Bergstadt-Verwaltungschef beschließt den eher kurzen Brief: „Herr Schneider und ich bitten ausdrücklich, nicht in Zusammenhang mit dem Ergebnis genannt zu werden. Es wäre rufschädigend.“ von Frank Westermann 

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