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Obernkirchen Stadt Angst vor dem Wolf
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Angst vor dem Wolf
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00:23 23.03.2018
In den vergangenen Jahrzehnten ist die Mufflon-Population stark angestiegen. Quelle: Archiv
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Obernkirchen

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Population stark angestiegen – das bereitet allerdings auch Probleme. Die Formel ist einfach: je mehr Muffelwild, desto mehr Fraßschaden in der Forst- und Landwirtschaft. Inzwischen hat es sich die Hegegemeinschaft Schaumburg zur Aufgabe gemacht, darauf zu achten, dass Natur und Muffelwild im Gleichgewicht bleiben.

„Die Bejagung ist dabei das wichtigste Werkzeug einer guten Hege“, sagt der Geschäftsführer der Hegegemeinschaft, Lothar Seidel. Mit der Jagd auf Mufflons versuche man, die Schäden gering zu halten. Oberstes Ziel sei dabei aber immer, den Muffelwildbestand zu erhalten. „Deshalb schießen wir auch nur so viele Tiere, wie nachwachsen“, sagt Seidel.

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131 Mufflons erlegt

Bernhard Michel zeigt während der Hauptversammlung Jagdtrophäen und stellt die Abschusszahlen vor. Im Jahr 2017 wurden 131 Mufflons erlegt. Allein in den Klosterforsten rund um Obernkirchen seien 47 Wildschafe abgeschossen worden, so Michel. Die Zahl der Abschüsse sei deshalb so hoch, weil die Anzahl der Mufflons am Bückeberg rasant zugenommen habe, so der Vereinsvorsitzende Michel.

Gerade in den Klosterforsten hätten die Forstschäden durch das Muffelwild zugenommen. „In der Landwirtschaft sind insbesondere Schäden an Mais, Weizen und anderen Feldfrüchten zu verzeichnen. In der Forstwirtschaft sind oft die frischen Triebe von Laub- und Nadelbäumen abgefressen worden“, erklärt der Vorsitzende. Deshalb habe man sich das Ziel gesetzt, in der kommenden Jagdsaison 130 Mufflons zu erlegen. „Damit wollen wir den Mufflon-Bestand auf ein gesundes Maß runterdrücken“, so Michel.

Schutz für junge Pflanzen

Der Revierleiter der Klosterförsterei Obernkirchen, Mark Gützkow, klärt die Mitglieder der Hegegemeinschaft bei der Versammlung über Möglichkeiten auf, Pflanzen im Wald vor Wildfraß zu schützen. „Solch ein Wildverbiss kann das Wachstum von Pflanzen verzögern oder im schlimmsten Fall die Pflanze absterben lassen“, erklärt Gützkow das Problem. Unter anderem würden deshalb Plastikröhren, die über die Pflanze gestülpt werden, sogenannte Wuchshüllen, oder auch Zäune eingesetzt, um die Mufflons davon abzuhalten, Zweige und Blätter zu fressen. Außer diesen Schutzmaßnahmen würde auch ein sogenanntes Verbissschutzmittel benutzt. „Der Vergrämungsstoff wird dabei auf die jeweilige Pflanze gegeben und sondert einen Geschmack und Geruch ab, den die Mufflons nicht mögen“, sagt der Förster. „Der Nachteil bei dieser Variante: Der Schutz ist nur für maximal sieben Monate gegeben, danach muss man sich etwas anders überlegen“, erzählt Gützkow. Der Verbiss-Schutz sei zudem nicht billig. Den Klosterforsten entstünden dadurch zusätzliche Kosten.

Wolfsrudel könnte ganzen Bestand auslöschen

Besonders große Sorgen bereitet der Hegegemeinschaft aber ein anderes Problem: der Wolf. In seiner Heimat habe das Muffelwild nur den Steinadler als natürlichen Feind. „Im Bückeberg stehen die Mufflons eben ganz anderen Fressfeinden gegenüber“, so Seidel. „Wolf und Muffelwild können auf Dauer nicht gemeinsam in einem Gebiet leben.“ Einzelne durchziehende Wölfe seien nicht das Problem, aber die Sorge wächst, dass ein Wolfsrudel am Bückeberg jagen könnte. „Wenn das passiert, dann wird der gesamte Muffelwildbestand ausgelöscht“, sagt Michel. Derzeit sei der Hegering machtlos, da sich die Politik beim Thema Wolf noch uneins sei. „Der Wolf ist eben streng geschützt“, so Michel nachdenklich. Man könne nur hoffen, dass der Bückeberg vom Wolf verschont bleibe. Einen Zaun könne man schließlich nicht durch den ganzen Bückeberg ziehen. „Das finde ich auch nicht schön“, sagt der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Schaumburg. leo