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Obernkirchen Stadt Angst vor giftigen Dämpfen
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21:35 20.07.2018
Klaus Büscher fürchtet um seine Gesundheit: Vor seinem Garten warten seit Jahren Kesselwaggons auf ihre weitere Verwendung.
Klaus Büscher fürchtet um seine Gesundheit: Vor seinem Garten warten seit Jahren Kesselwaggons auf ihre weitere Verwendung. Quelle: kk
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RINTELN

Bisher waren die Waggons „nur“ optisch ein Problem für ihn – inzwischen befürchtet er gesundheitlichen Schaden. Bei der Hitze der vergangenen Wochen seien Dämpfe aus den Kesseln ausgetreten. Die Folge, so Büscher in einem Brief an diese Zeitung: Atemnot und Hustenanfälle. Und: „Die Nutzung des Gartens ist nicht mehr möglich, ohne Schadstoffe zu atmen.“

Er habe umgehend die Bückebergbahn und die Stadt Rinteln über das Problem informiert – und warte noch auf Antwort, sagt Büscher. Auf Nachfrage dieser Zeitung gibt Thomas Stübke, Geschäftsführer der Bückebergbahn Rinteln-Stadthagen GmbH, Entwarnung. Man habe unverzüglich nicht nur die vor Büschers Grundstück abgestellten Wagen geprüft, sondern alle auf dem Gleis. Ergebnis: Es seien weder Undichtigkeiten noch Geruchsbelästigungen festgestellt worden. Schadstoffmessungen habe man nicht vorgenommen – schließlich würden nur vollständig entleerte und gereinige Waggons auf den Gleisen der ehemaligen Rinteln-Stadthagener-Eisenbahn abgestellt.

Ein paar Meter würden schon reichen

„Man könnte doch etwas mehr Rücksicht nehmen“, sagt Büscher bei einem Besuch vor Ort. Der Frust ist ihm deutlich anzumerken. Schon seit 2013 (wir berichteten) ärgert er sich über Waggons vor seinem Garten und deutet durch eine Lücke in der Hecke auf die Kesselwagen: „Mein Güterbahnhof.“ Diese Bemerkung könnte fast scherzhaft klingen, doch das Lachen ist Büscher längst im Hals steckengeblieben – im wahrsten Sinne des Wortes. Vor drei Wochen habe er beim Schneiden der Hecke „die Flucht ergriffen“, so stark habe es aus den Waggons gestunken. Lutschtabletten habe er gebraucht, um das Kratzen im Hals wieder loszuwerden. Er wünscht sich nur eines: dass die Waggons endlich verschwinden – und würden sie nur um ein paar Meter verschoben.

Am Gleisbett ist deutlich zu erkennen, dass die Kesselwagen schon länger hier „geparkt“ sind. Unkraut und Brombeerranken wachsen zwischen den Drehgestellen. Der verdächtige Geruch ist jedoch laut Büscher erst vor wenigen Wochen aufgetreten. Er führt dies auf die Hitze zurück. Gase müssten sich ausgedehnt haben und ausgetreten sein. Der Bahndamm-Anlieger befürchtet, es könne sich dabei um Rückstände ehemaliger Transportgüter wie Säuren oder Benzole handeln.

 „Es gibt keinen Ansatz einer Gefährdung“

Stübke verweist darauf, dass die Waggons leer und vor dem Abstellen gründlich gereinigt worden seien. Ansonsten dürften sie gar nicht auf den Gleisen der Bückebergbahn stehen. Dafür sei der Eigentümer, die Firma Kaminski-Waggonbau aus Hameln, zuständig. Nach Büschers Hinweis seien die Waggons überprüft worden – ohne Ergebnis. Der Geschäftsführer: „Es gibt keinen Ansatz einer Gefährdung.“ Ansonsten hätte die Bückebergbahn sofort reagiert, den Eigentümer und die Gesellschaft für Landeseisenbahnaufsicht informiert.

Die Bückebergbahn vermietet Stellflächen auf ihren Gleisen, um Einnahmen für ihre Projekte und den Unterhalt der Bahnstrecke zu erwirtschaften. Abstellgleise gibt es laut Internetauftritt in Rinteln, Steinbergen, Obernkirchen und Nienstädt.

Und die Nachfrage ist groß: Stübke liegt eine Anfrage auf Unterbringung von 80 weiteren Waggons vor. Sein Problem: Es gibt nicht genügend Stellflächen. Daher will er dem Anlieger keine Hoffnung machen, dass sich die Situation vor dessen Garten bald ändert. Er könne Büschers Ärger durchaus nachvollziehen, sagt Stübke. Doch es gelte, zwischen den Interessen der Anlieger und denen der Bückebergbahn abzuwägen. Deshalb sehe er keine Möglichkeit, das Ärgernis zu beseitigen.

Zukunft ungewiss

In anderen Fällen habe man durchaus reagiert, sei auch immer gesprächsbereit. So wurden vor einer ehemaligen Videothek in der Nachbarschaft Waggons wegrangiert, da diese den Blick auf das Firmengebäude verstellten und eine Geschäftsschädigung befürchtet worden war. Doch auch solche Aktionen seien nicht so einfach von einem Tag auf den anderen möglich, da dafür eine Lokomotive direkt vor Ort sein müsse.

Bewegung im Wagenpark gibt es immer mal wieder, wenn Waggons zur Instandsetzung oder an Kunden abgeführt oder neue abgestellt würden. Das wird möglicherweise in nächster Zeit auch am Ostpreußenweg wieder einmal der Fall sein: Ein Wagenprüfer der Deutschen Bahn hat Anfang der Woche einige Waggons untersucht und deren Lauffähigkeit bescheinigt. kk