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Obernkirchen Stadt Aufkleber signalisiert Hilfe für Kinder
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Aufkleber signalisiert Hilfe für Kinder
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16:59 08.05.2019
Obernkirchen

Die Hilfe wird durch ein Logo signalisiert: „Komm rein – wir helfen“ heißt es dort, angebracht wird es an den Geschäften, die am Projekt teilnehmen.

Bei diesen Notlagen kann es sich um ein recht harmloses Problem handeln wie einen verpassten Bus oder einen Platten am Fahrrad – und in beiden Fällen ist der Handy-Akku leer, weshalb der Anruf nach zu Hause nicht geht. Dann kann das Kind dort, wo der Aufkleber zu sehen ist, reingehen und um Hilfe bitten. Auch wenn ein Kind sich möglicherweise von einer Person verfolgt fühlt, etwa nach dem Schwimmbadbesuch, soll es einen Schutzraum vorfinden, in dem es um Hilfe bitten kann.

Druck aus der Situation nehmen

Olaf Quest, Vorsitzender der Raptors, der das Projekt gemeinsam mit der Volksbank in Schaumburg und der Bückeburger Firma Jott.Media entwarf und umsetzte, sieht es so: „Ohne sein Handy ist ein Kind im öffentlichen Raum heutzutage völlig hilflos.“ Quest wählt ein alltägliches Beispiel: Ein Kind muss dringend auf die Toilette, hat aber Hemmungen, jemanden anzusprechen oder um Hilfe zu bitten – dann könne diesem Kind in einem Geschäft schnell geholfen werden.

Einen Handlungskatalog, erklärt Quest, habe man für teilnehmende Partner nicht, „es geht nur um den gesunden Menschenverstand“, sagt er: „Man sagt: Setz dich erst mal, beruhige dich, wir helfen dir gern.“ Ziel sei es, aus der jeweiligen Situation für das Kind den Druck herauszunehmen.

Konzept mit wenig Aufwand umzusetzen

Die Idee für dieses Kinderschutzkonzept sei am Rande eines Berlin-Besuches entstanden, bei dem die Raptors mit dem „Goldenen Stern des Sports“ ausgezeichnet wurden. Quest kam mit einem Funktionär aus Wiesbaden ins Gespräch, wo es das Konzept schon gibt. Es sei, so war Quest damals überzeugt, „mit wenig Aufwand hier umsetzbar“. Ganz so einfach war es dann doch nicht, ein gutes Jahr hat es bis zur Umsetzung gedauert.

Mit der Volksbank und Jan Jünemann von der Jott.Media, der das Logo entwickelte, wurden Partner gefunden, anschließend wurden die Stadt Obernkirchen und die beiden Schulen ins Boot geholt. In der IGS und der Grundschule wurde das Logo im Unterricht bekannt gemacht, damit es die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen kennen und wissen, was es denn bedeutet.

Quest spricht von Multiplikatoren, die man bei einem derartigen Projekt benötige. Multiplikatoren, die aber ein Verein benötige, erklärt Quest und verwiest auf die Raptors: Ein ganz schmaler Vorstand und so viel Mitstreiter wie möglich. Bei „Komm rein – wir helfen“ hatte Quest nicht nur die Eltern seiner Sportler, sondern auch die jugendlichen Übungsleiter losgeschickt, um für das Projekt in den Geschäften zu werben; jugendliche Multiplikatoren, die sich sehr schnell sehr eng mit dem Projekt verbunden gefühlt hätten.

Man kann im Pressegespräch mit Quest einiges darüber lernen, wie Vereinsleben heute gelingen kann und ganz nebenbei Strukturen aufgebaut werden, die sicherstellen, dass der Nachwuchs von heute irgendwann einmal in die Vorstandsarbeit hineinwächst und sie wie selbstverständlich übernimmt. Quest sagt es in einem Nebensatz: Es sei weit mehr als nur eine sportliche Verantwortung, die Vereine wie die Raptors schultern, „es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Hemmschwellen abbauen

Während der Planung begegneten die Helfer der Raptors vielen Geschäftsinhabern und auch anderen Personen, die von ganz unterschiedlichen Situationen berichteten, in denen sie schon um Hilfe gebeten worden seien und in denen sie gerne Hilfe geleistet hätten. Umgekehrt gab es aber auch viele Menschen, die sich bei einer Notlage nicht getraut hätten, um Hilfe zu bitten. Hier waren bei manchen die Hemmschwellen zu groß, und genau diese Hemmschellen sollen mit der Aktion abgebaut werden.

Die Aktion soll nicht auf das Obernkirchener Stadtgebiet beschränkt bleiben, auch erste Auetaler Geschäfte haben ihre Teilnahme zugesagt. „Wir haben 110 Aufkleber“, sagt Quest, deutlich mehr, als man in Obernkirchen benötigen würde. Weitere Interessenten erreichen Quest unter Telefon (05753) 927549. rnk