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Obernkirchen Stadt Bauchfrei in die Schule?
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Bauchfrei in die Schule?
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20:10 08.07.2018
Bauchfrei in die Schule: Wieviel Freizügigkeit akzeptieren die Lehrer? Quelle: dpa
Obernkirchen

Die Schülerin, um die es gehen wird, soll an dieser Stelle Charlotte Berger heißen, sie hat in den vergangenen Wochen und Monaten einen deutlichen körperlichen Entwicklungssprung erlebt.

Das äußert sich auch an der Kleidung: Gerne bauchfrei, schließlich kommt der Sommer, und das Dekolleté kann gerne ein bisschen stärker ausgeschnitten und tiefer sein. Das Problem: Sie geht erst in die sechste Klasse der IGS.

Vor Tagen nun, so erzählt es ihre Mutter Sabine, sei ihre Tochter nach Hause gekommen und habe erklärt, dass sich die Lehrer über ihre Bekleidung beschwert hätten. Man habe ihr angeboten, ihr von der Schule ein T-Shirt zu stellen, denn die freizügige Kleidung würde die Jungen in ihrer Klasse ablenken und auch manche männlichen Lehrer wüssten nicht recht, wie sie reagieren sollten.

Grundsätzlich keine modischen Vorschriften

Sie habe dann, erzählt Sabine Berger, zweimal bei der Schule angerufen und mit zwei Lehrerinnen gesprochen, die sie gebeten hätten, doch darauf zu achten, dass ihre Tochter T-Shirts tragen möge wie die anderen Mädchen der Klasse, sonst könne man ihr aber auch ein T-Shirt stellen. Denn es sei schon ein Unterschied, ob sich ein Mädchen der zehnten Kasse etwas freizügiger kleide als eines in der sechsten.

Sabine Berger sieht es so: Ihre Tochter ist ein ganz normales Mädchen, das in die Pubertät kommt. In Deutschland gibt es die Kleiderwahl, die auch für Schulen gelten würden, und auch die Jungs würde ja gerne ihren Körper vorführen, Stichwort: Muskelshirt. Kurzum: Sabine Berger sieht ihre Tochter diskriminiert, wie sie gegenüber der Redaktion sagt.

Grundsätzlich, so erklärte es Schulleiterin Dörte Korn, gibt es an der IGS weder modische Vorschriften noch Verbote, jeder Schüler, jede Schülerin habe das Recht auf Individualität. Denn Bildung ist zwar Ländersache, doch für Schüler in ganz Deutschland gilt das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Den Einzelfall betrachten

Man müsse, so Korn, jeden Einzelfall betrachten, aber wenn die „Kommunikation im Unterricht“ gestört werde, dann schreite man ein und suche das Gespräch. Das betreffe nicht nur Mädchen, sondern beiderlei Geschlechter, sagt Korn, Stichwort: Muskelshirt. Im Gespräch werde dann auf „angemessene Kleidung“ an der Schule hingewiesen. Und ja, sagt Korn, dass man ein T-Shirt anbietet, das kommt schon mal vor. Denn, so wiederholt sie, die Vermittlung von Wissen, „das ist das Kerngeschäft, auf das wir uns konzentrieren“.

Das, was modisch angemessen sei, erklärt die Rektorin noch, unterliege zudem immer einem Wandel, „alle sechs bis acht Jahre ändern sich Mode und Modegeschmack – und damit auch die Ansicht von dem, was an der Schule angemessen ist“. rnk