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Obernkirchen Stadt Da hilft nur beten
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20:36 29.05.2018
Symbolfoto mit zwei Hütern: Arnulf Buch ist Rektor der Grundschule und beklagt den Lehrermangel. Quelle: rnk
Obernkirchen

Die Problemlage, sagt Arnulf Buch, könne er in einem Wort zusammenfassen: Personalmangel. Denn, so der Rektor der Grundschule Obernkirchen weiter, das Durchschnittsalter der Lehrerschaft sinke zwar weiter und durchaus rapide, aber das habe auch seine Nachteile: Junge Menschen würden irgendwann in die „Familienplanung eintreten“ – und dann sei die eine oder andere Kollegin schnell schwanger, was ihn aber, gar keine Frage, persönlich freue. „Aber einsetzbar ist sie dann nicht natürlich mehr.“

Der Grundschule in der Bergstadt gehe es wie nahezu allen anderen Grundschulen in Niedersachsen, erklärt Buch den Mitgliedern des Schulausschusses: „Es fehlen Lehrkräfte.“

Sicher, so Buch, zurzeit würden insgesamt vier Lehrer von nahen Gymnasien aus Bückeburg und Stadthagen in Obernkirchen aushelfen. Es sei auch spannend, zu beobachten, wie diese Pädagogen auf einer Grundschule unterrichten würden, wie Gymnasiallehrer mit Grundschulkindern umgehen würden. Und man komme übrigens auch bestens miteinander zurecht, aber: „Es sind fünf Planstellen ausgeschrieben. Ich gehe in die Kirche und bete, dass sie besetzt werden.“ Nach einer Pause liefert er seine diesbezügliche Einschätzung nach: „Ich hoffe: ja. Aber ich befürchte: nein.“

Wer sich heute als Lehrer bewerbe, mache dies auf mehrere offene Stellen. „Die Kollegen sind ja nicht dumm“, sagt der Grundschulchef. Die Folge: Der Bewerber kann sich ohne Stress zum Bewerbungsgespräch anmelden, sich das Angebot anschauen – und weiterziehen, wenn ihm die schulische Ausstattung nicht so recht zusagt.

Digitale Ausstattung das Thema?

Thomas Stübke (Grüne) hält die digitale Ausstattung für das aktuelle Thema. Er schlug vor, „Mindeststandards“ anzubieten, nicht gleich in allen Klassenräumen, „eher schrittweise“.

Buch blickte acht Jahre zurück: 2010 habe es einen Computerraum geben, Laptops, freies WLAN, sodass auf das Internet zurückgegriffen werden konnte, man war „gut aufgestellt“. Bekomme man heute eine E-Mail mit Anhang, dann würde das Öffnen und der Aufbau drei Minuten dauern. „So können Sie nicht mit dem Internet in der Schule arbeiten“, betont Buch und erklärt, dass als Ursache für einen Abfluss der Daten zwischen 8.30 und 12 Uhr wohl der Umstand zu sehen sei, dass auf der anderen Seite des Kammweges die Ingenieure ihren Computer hochfahren würden. Er habe mal an einem Sonnabend in der Grundschule am Computer gearbeitet, so Buch: „Da war alles in Ordnung.“

Drei Vorteile sieht der Schulleiter mit Blick auf Internet und Grundschule: Alle Schüler würden die Schule mit einen PC-Führerschein verlassen, als Teil der schulischen Kompetenz. Im Sachunterricht werde der Computer eingesetzt, so wie man früher in der Bibliothek nachgeschlagen habe. Vorteile habe der Computer-Einsatz auch beim Schreiben: Am Ende stehe der korrigierte Text sauber auf dem Bildschirm, so Buch. Das führe zu einem hohen Lernerfolg vor allem bei den Schülern, die Sprachschwierigkeiten hätten. „Das sieht auf dem Bildschirm viel besser aus, als wenn man fünfmal mit dem Radiergummi geändert hat.“

Fünf offene Stellen, befand Horst Sassenberg (CDU), „das ist eine Menge Holz“. Buch sprach anschließend mit Blick auf die Landesebene von einer „intensiven Mängelverwaltung“, und Seiteneinsteiger seien auch nicht die Lösung: Ihnen fehle häufig das Fachwissen. Er selbst, der am Ende seines Berufslebens stehe, habe es seit den sechziger Jahren nicht mehr erlebt, dass man den Lehrern so dermaßen nachlaufe.

Buch gönnte sich noch einen Ausflug ins Harry-Potter-Universum, an die Schule für Hexerei und Zauberei: „Nur auf Hogwarts kann ein Lehrer zwei Klassen gleichzeitig unterrichten. Das geht in Obernkirchen leider nicht.“ Buch selbst schätzte seinen Vortrag so ein: pessimistische Tonlage, aber ohne Schuldzuweisung.

Eine Änderung scheint nicht in Sicht. Der Lehrermangel an den Grundschulen wird sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen: Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Der Studie zufolge werden im Jahr 2025 deutschlandweit 35000 Lehrer an Grundschulen fehlen. Ihr vernichtendes Urteil: An den Universitäten würden heute gerade genug Lehrkräfte ausgebildet, um die Grundschullehrer zu ersetzen, die in den Ruhestand gehen.