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Obernkirchen Stadt Darum braucht Obernkirchen ein erneuertes Einzelhandelskonzept
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Darum braucht Obernkirchen ein erneuertes Einzelhandelskonzept
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08:52 09.01.2020
Planungssicherheit wird es auch für den Bereich oberhalb des E-Centers geben, in dem das Ärztehaus entstehen wird.Fotos: rnk
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Obernkirchen

Das Einzelhandelskonzept für die Stadt stammt aus dem Jahr 2007, jetzt nehmen Rat und Verwaltung 20.000 Euro in die berühmte Hand, um es auf den aktuellen Stand zu bringen. Aktueller Anlass ist die neue Entwicklung im nördlichen Randbereich der Kernstadt. Hinter dem E-Center soll ein Ärztehaus gebaut werden, inklusive Wohnungen und Geschäften mit medizinisch-affinen Angeboten. Damit müsse das Einzelhandelskonzept an neue Rahmenbedingungen angepasst werden, hatte der Landkreis gefordert.

Die Stadt benötigt das Konzept als Grundlage, um die weitere Entwicklung des Einzelhandels zu lenken; ein Konzept, das differenzierte Aussagen zur vergangenen Entwicklung, zur aktuellen Situation und zu den künftigen Entwicklungsmöglichkeiten in allen räumlichen Versorgungseinheiten trifft.

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Erweiterungsoptionen einplanen

Nicht nur in Obernkirchen ist die Versorgung der Bevölkerung ein wichtiges Thema der Entwicklungsplanung in Städten und Gemeinden: „Dabei hängen die diskutierten Probleme sehr eng mit der Marktentwicklung und den Anforderungen der versorgenden Unternehmen zusammen, die zu immer größeren Betriebseinheiten und Einzugsbereichen führen“, umreißt die mit der Konzeption beauftragte Markt- und Standortberatungsgesellschaft aus Erlangen ein Kernproblem. 

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Denn natürlich sei der Einzelhandel einem stetigen Wandel unterzogen. Dies führe dazu, dass sowohl Unternehmen als auch Verbraucher, die letztlich über Erfolg oder Misserfolg von Trends entscheiden würden, diesen Wandel verursachen, aber auch bedingen. Soll heißen: Wer heute auf der grünen Wiese einkauft, sollte sich nicht wundern, wenn morgen der kleine Markt im Zentrum schließt. Jede Stadt muss daher Erweiterungsoptionen für bestehende Standorte einplanen und mittels fachlich und politisch begründeten Konzepten die Einzelhandelsentwicklung steuern und stärken. Denn wachsende Betriebsgrößen, veränderte Betriebsformen, die Internationalisierung im Einzelhandel und die Flexibilität des Verbrauchers forderten eine Anpassung der Städte an diese neuen Trends. Alles Faktoren, die sich auch in der jüngeren Stadtgeschichte nachlesen lassen, vom Aldi-Umzug bis hin zur Entstehung des Einkaufsbereiches Röser Tor.

Attraktiver Einzelhandel ist wichtig

Obernkirchens struktureller, gesellschaftlicher und ökonomischer Wandel zeige „die Notwendigkeit eines integrierten Einzelhandelskonzeptes, um auch in Zukunft eine wohnungsnahe Versorgung mit Waren des kurzfristigen Bedarfs (Nahrungs- und Genussmittel) sicherzustellen – vor allem in den Ortsteilen – und ein funktionierendes Grundzentrum zu gewährleisten“. Dabei sei ein besonderes Augenmerk auf den zentralen Versorgungsbereich zu legen, denn ein attraktiver Einzelhandel sei „identitätsstiftend“ für die Bevölkerung.

Der Einzelhandel in Deutschland sei erheblichen Umstrukturierungsprozessen und starken Einflüssen von außen und innen ausgesetzt, schreibt die untersuchende Gesellschaft. In Zukunft werde verstärkt zwischen Versorgungs- und Erlebniseinkauf zu unterscheiden sein. Speziell für Waren des täglichen Bedarfs bedeute dies, dass zunehmend Anbieter bevorzugt würden, die durch Standards ihre Qualität sicherten und ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen könnten: „Der Versorgungseinkauf wird somit durchrationalisiert und zeitoptimiert.

Kompetente Beratung in ansprechender Umgebung erwünscht

Gleichzeitig will derselbe Kunde jedoch auch kompetente Fachberatung in abwechslungsreicher und ansprechender Umgebung haben. Dieser freizeitorientierte Erlebniseinkauf stellt den zweiten Pol der Entwicklung dar.“ Gewinner der Trends seien vor allem die Discounter, Verbrauchermärkte und SB-Warenhäuser sowie die spezialisierten Fachgeschäfte in den Zentren, aber auch die fachhandelsorientierten Einkaufscenter an der Peripherie. 

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Weniger Geschäfte werden immer größer

Der Einzelhandel hat zeitweise nur wenig von den gestiegenen Konsumausgaben der vergangenen Jahre profitieren können, weil die Ausgaben der Verbraucher vor allem bei Versicherungen, Miete, Heizkosten und Benzin gestiegen seien, trotzdem seien die Pro-Kopf-Ausgaben seit 2012 von 5500 Euro auf aktuell 6657 Euro angestiegen. Im Lebensmittelbereich, also bei der Nahversorgung, sei festzustellen, dass kleine Betriebstypen zugunsten der Discount- und Supermärkte rückläufig seien, zeitgleich deren Ein- und Anbindung an Innenstädte aufgrund der Flächenanforderungen fast unmöglich werde.

Anders ausgedrückt: Immer weniger Geschäfte werden immer größer. Supermärkte der ersten Generation mit Verkaufsflächen zwischen 300 und 400 Quadratmetern sind fast gänzlich durch marktgerechte Größen von rund 1500 Quadratmetern ersetzt worden. Dieser Trend ist auch bei den Discountmärkten zu verzeichnen, die bislang überwiegend Flächen bis 700 Quadratmeter aufwiesen, realisieren heute Verkaufsflächen bis 1400 Quadratmetern. Logisch, dass auch die Artikelzahlen stetig gestiegen sind.

Wissen, wohin die Reise geht

Zielsetzung des Konzeptes ist es, die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung des Handels in der Stadt zu regeln und die wohnungsnahe Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Allen bestehenden Betrieben an allen bestehenden Standorten soll so eine sichere Planungsgrundlage für weitere Investitionen gegeben werden. Gleichzeitig werden auch für künftige Ansiedlungsinteressen die Richtlinien aufgezeigt. Anders formuliert: Die Transparenz und Ablesbarkeit der städtischen Planungsziele für potenzielle Investoren bedeutet, dass sie wissen, wohin in der Stadt die Reise geht. von Frank Westermann

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