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Obernkirchen Stadt Deb Filler hat Kurzfilm im Gepäck
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Deb Filler hat Kurzfilm im Gepäck
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20:00 21.05.2018
Hier liegen ihre Ahnen: Deb Filler auf dem jüdischen Friedhof.
Hier liegen ihre Ahnen: Deb Filler auf dem jüdischen Friedhof. Quelle: rnk
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Obernkirchen

Viele US-Künstler boykottierten das besiegte Land nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, doch der damals noch weithin unbekannte Leonhard Bernstein nahm eine Einladung nach Deutschland an: Am 10. Mai 1948 spielte der jüdisch-amerikanische Dirigent mit 20 Holocaust-Überlebenden in den Konzentrationslagern Feldafing und Landsberg.

Der aufstrebende jüdische Komponist dirigierte in Landsberg ein Orchester, das sich aus Profi-Musikern aus dem Lager der sogenannten DPs, „Displaced Persons“ zusammensetzte, also Menschen, die im Laufe des Krieges verschleppt und entwurzelt wurden. Das Konzert wurde als Wendepunkt betrachtet, als Zeichen, dass es wieder aufwärtsgeht und dass das Böse besiegt ist.

Sich durch Musik den Menschen nähern

Bernstein beschrieb es später so: „Mein Herz hat geweint. Es war schön, durch Musik sich den Menschen zu nähern, die vorher nur Hass empfunden hatten.“ Drei Tage später wurde am 13. Mai 1948 der Staat Israel gegründet. Unter den Zuhörern befand sich damals auch der Vater von Deborah „Deb“ Filler.

Deb Filler ist die Tochter von Ruth Filler – deren Eltern waren die Eheleute Philipp Adler aus Obernkirchen und Margarete Adler, geborene Rothschild, aus Hildesheim.

Filler hat nun das Drehbuch für einen zwölfminütigen Kurzfilm geschrieben. „Mr. Bernstein“ heißt er und erzählt davon, wie die vor 70 Jahren gespielte „Rhapsodie in Blue“ einem gebrochenen Mann neuen Lebensmut verleiht und was passiert, wenn die Tochter später persönlichen Kontakt zum mittlerweile weltberühmten Leonard Bernstein aufnimmt.

Film heimst mehrere Preise ein

Der Film hat mehrere Preise erhalten. Auf Youtube lässt sich der Trailer finden, der beweist, dass sich das fertige Werk auf Hollywood-Niveau bewegt, was in diesem Fall als Kompliment zu verstehen ist.

In Landsberg hat Filler zusammen mit der Regisseurin den Film im Rahmen der dortigen Jüdisch-Deutschen Festwoche vorgeführt, in Obernkirchen wurde er am Freitag während ihrer Stippvisite im Trafohäuschen gezeigt.

Einen Tag später folgte ein Besuch des jüdischen Friedhofs, denn dort begann 2004 durchaus eine Erfolgsgeschichte. Deb und Ruth Filler schauten sich damals den Friedhof an und waren ein bisschen ungehalten wegen des schlechten Zustandes. Dies war der Anstoß. 2006 gab es daraufhin ein Benefiz-Konzert für die Sanierung, zudem hat Historiker Rolf-Bernd de Groot die Jahrhunderte währende Geschichen des jüdischen Lebens in der Provinz niedergeschrieben. rnk