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Obernkirchen Stadt Durch das Abitur gerauscht
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Durch das Abitur gerauscht
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22:15 29.07.2018
Melina Kirsch hat sich in der Wahl der Prüfungsfächer vertan und würde nicht noch einmal Französisch wählen. Sie plant, als Kindermädchen nach Bosten zu gehen.
Melina Kirsch hat sich in der Wahl der Prüfungsfächer vertan und würde nicht noch einmal Französisch wählen. Sie plant, als Kindermädchen nach Bosten zu gehen. Quelle: men
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Obernkirchen

Für die Betroffenen ist die Nachricht, dass sie durchs Abi gefallen sind, zunächst ein Schock. Während ehemalige Mitschüler nun den Abschluss feiern, Rückmeldung der Universitäten bekommen oder aber den „Work & Travel“-Trip nach Australien planen, plagen die Betroffenen Selbstzweifel.

Doch längst nicht alle Schüler empfinden das Durchfallen als so dramatisch. Für Melina Kirsch, Jesse Baraczewski und Esteban Auge zum Beispiel ist es kein Weltuntergang. Eigentlich wollten alle drei dieses Jahr am Gymnasium Adolfinum das Abitur zu bestehen. Aus verschiedensten Gründen hat dies jedoch nicht geklappt.

Am Boden zerstört

Melina Kirsch sagt, sie habe sich in der Wahl der Prüfungsfächer vertan. „Wenn ich jetzt noch mal die Wahl hätte, würde ich definitiv nicht mehr Französisch oder Mathe wählen. Englisch hätte viel besser gepasst, aber hinterher ist man ja immer schlauer“, erzählt die 17-Jährige. Als sie das Ergebnis mitgeteilt bekommen hat, sei sie schockiert gewesen. „Ich habe ewig auf die Noten gestarrt und gehofft, dass das einfach ein Fehler ist. Ich war wirklich am Boden zerstört.“

Mittlerweile ist ihr jedoch bewusst geworden, warum es nicht geklappt hat mit dem Abi. „Ich bin einfach eine andere Art von Lerntyp. Das Lernen fürs Abitur war mir viel zu theoretisch. Ich bin eher praxisorientiert und lerne viel aus Erfahrungen“, erklärt die Obernkirchenerin.

Kindermädchen in Bosten

Für die Zukunft plant sie zunächst, ein Jahr als Kindermädchen in Boston zu absolvieren. Dafür hat sie sogar schon die Zusage bekommen. Da sie hinterher gerne das Fach „Soziale Arbeit“ studieren würde, muss sie nach dem Auslandsjahr ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, um ihr Fachabitur zu bekommen. Nur damit bekomme sie die Zulassung für das Studium an einer Hochschule. „Ich hatte sowieso vor, an einer Hochschule zu studieren, da es dort einen höheren Praxisbezug gibt. Nun dauert es zwar alles ein bisschen länger, jedoch sammle ich in den nächsten Jahren viel Erfahrung, die mir in meinem späteren sozialen Beruf sicherlich nützen werden.“

Auch Esteban Auge hat dieses Jahr sein Abitur nicht geschafft. Bei dem Obernkirchener hätte ein Punkt in Mathe zum Abitur gefehlt. Die Schuld sieht er bei sich selbst. Er habe einfach nicht genug gelernt. „Dieses stumpfe Auswendiglernen, ohne dass es mir später irgendwas bringt, hat mich genervt. Ich hatte einfach keine richtige Motivation“, erzählt er.

Vielmehr hätte er sich auch Fächer gewünscht, die ihm im späteren Leben weiterbringen. Er wisse schließlich immer noch nicht, wie man eine Steuererklärung ausfüllt. „Eigentlich hätte ich jetzt eine Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht. Ich hatte auch schon eine Bestätigung, aber das ist für mich jetzt keine Option mehr“, erzählt der 18- Jährige.

Wechsel auf das WBG

Stattdessen will er das Abi wiederholen – und zwar am Wilhelm-Busch-Gymnasium in Stadthagen. „Meine Fächerkombinationen waren am Gymnasium Adolfinum leider nicht möglich. Die Leistungskurse Kunst und Latein hätten sich überschnitten“, erklärt Auge. Er wolle dieses Mal vernünftig lernen und sich besser auf Klausuren vorbereiten.

Auch bei Jesse Baraczewski war es sehr knapp. Ihm habe ebenfalls ein Punkt gefehlt, um zu bestehen. „Eigentlich habe ich damit gerechnet, mein Abi nicht zu bestehen, da es schon vorher knapp war“, erklärt der Bückeburger. Ähnlich wie bei Auge lagen viele Fächer außerhalb seines Interessensbereiches. „Ich hätte mir Fächer wie ‚Gesundheitswesen‘, ‚Pädagogik‘ oder ‚Psychologie‘ gewünscht“, erzählt Baraczewski.

Berufswunsch Schulpsychologe

Das Abitur sei ihm jedoch ohnehin nie sonderlich wichtig gewesen. „Die Leistungsgesellschaft erwartet das Abitur, sonst kann man ja schließlich niemals erfolgreich sein“, scherzt der Bückeburger.

Geplant ist bei ihm ein Jahr Bundesfreiwilligendienst am Gymnasium Adolfinum. Danach wolle er Soziale Arbeit an einer Hochschule studieren, um den Weg als Schulpädagoge einzuschlagen. Zudem möchte er sich weiterbilden, um irgendwann als Schulpsychologe arbeiten zu können.

„Eigentlich hat sich durch mein nicht bestandenes Abitur nicht viel geändert. Ich darf jetzt zwar nicht mehr an einer Universität, sondern nur noch an einer Hochschule studieren, aber das hatte ich sowieso vor.“ Baraczewski bleibt gelassen: „Ein Weltuntergang ist ein nicht bestandenes Abitur auf gar keinen Fall!“

Von Sophia Menninger