Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Obernkirchen Stadt Ein Zeichen im Geist der Menschlichkeit
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Ein Zeichen im Geist der Menschlichkeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:55 31.05.2018
Regisseur Jean-Bernard Philippot im Gespräch mit den Darstellern in der IGS Obernkirchen.
Regisseur Jean-Bernard Philippot im Gespräch mit den Darstellern in der IGS Obernkirchen. Quelle: rnk
Anzeige
Obernkirchen

Philippot ist Franzose, seine Anweisungen kommen auf Französisch und werden übersetzt. Aber warum ist er hier?

Weil er ein Stück geschrieben hat, „Sur le Chemin des Dames“, weil es in Frankreich aufgeführt wird und weil es im Ersten Weltkrieg spielt, der 1918 nach vier Jahren und dem Verlust einer ganzen Generation beendet wurde. Aufgeführt wird das Stück an vier Tagen im Juli in der Festung Condé.

Sie war als idealer Beobachtungsposten im Ersten Weltkrieg hart umkämpft. Im Oktober 1917 kam es dort zur Schlacht am Chemin des Dames, deren für die Alliierten katastrophaler Ausgang in Teilen der französischen Armee zur Meuterei führte. Am 28. Mai 1918 wurde die Festung von der deutschen Armee bombardiert und eingenommen, am 28. August 1918 eroberten sie die Franzosen zurück.

Partnerschaft mit Soissons

Philippot wohnt dort in der Nähe. Aus den Erzählungen und Unterlagen weiß er, dass es dort viele Kämpfe gab, und als er sein Historienstück fertig geschrieben hatte, kam ihm eine Idee: Wäre es nicht gut, wenn auch Deutsche mitspielen würden? Über die Partnerschaft zwischen Soissons und dem Landkreis Schaumburg kam der Kontakt zur Schaumburger Bühne zustande. Dort rannte Philippot mit seiner Anfrage die sprichwörtlichen offenen Türen ein und besucht nun mit vier Mitspielern die IGS, um dort zwei Tage lang zu proben.

Im französischen Fort warten auf die Zuschauer vier große Aufführungen: Allein 70 Darsteller aus der Region machen mit, Laien und Profis. 40 Chormitglieder verleihen dem Geschehen den Hauch einer antiken Tragödie, dazu noch ein klassisches Orchester. Videopräsentationen an den Wänden zeigen Filme der Schlachten, 350 Sitzplätze gibt es, das Fernsehen wird aufzeichnen.

Acht Mitglieder der Schaumburger Bühne werden bei den Aufführungen dabei sein, es gibt nur wenig Sprechtext, es geht eher um eine Darstellung in Bildern: Die Frauen lesen Briefe vor, ab und an brüllt ein Deutscher einen Befehl.

1914 im Ruhrgebiet

Nur der Junge muss halt einiges lernen. Dieser Junge wird von Tim Böke dargestellt, im Stück heißt er Otto. Wir schreiben im Stück das Jahr 1914. Das Wetter ist wunderschön in einem kleinen Dorf im Ruhrgebiet, als Vater Hans Sohn Otto seinen Beruf als Grubenarbeiter bei der Firma Krupp erklärt.

Und in einem kleinen Dorf am Hang der Chemin des Dames, so heißt der Höhenzug nördlich von Paris, erklärt Landwirt Jean zur gleichen Zeit, bei gleich gutem Wetter, wo man im nahen Fluss den besten Barsch angeln kann.

Die Aufführungen

Die Aufführungen sind am 4., 5., 6. und 7. Juli. Beginn ist jeweils um 22 Uhr. Wer als Schaumburger dabei sein will, muss Reise und Unterkunft selbst organisieren. Karten können vorab hier gekauft werden: https://goo.gl/4p2Uef. Der Link führt zur Anbieterseite von Carrefour, einer französischen Kaufhaus- und Supermarktkette: Einmal darüber bestellt und bezahlt, kann das Ticket in jedem Carrefourladen abgeholt werden. Bei Rückfragen hilft Jürgen Höcker, Telefon (0173) 9975154. 

Dann kommt die Mobilmachung, Deutschland erklärt Anfang August 1914 den Krieg, Jean und Hans müssen ihre Dörfer verlassen. Sie werden sich begegnen, an der Front. „Das Stück ist so überwältigend, dass es allein beim Lesen die Tränen in die Augen treibt“, erklärt Andreas Watermann als Mitglied der Schaumburger Bühne. Er wird in Frankreich auftreten können, da er Urlaub hat. Zwar hatte er andere Pläne, aber er hat sie kurzerhand verschoben, denn so eine Schauspiel-Gelegenheit kommt nicht wieder, der nächste Urlaub dagegen schon.

Es wird politischer

Das kurze Gespräch in der Aula der IGS nimmt eine Wendung, es wird politischer. Noch vor fünf Jahren hätte man ein Stück über die Schrecken des Ersten Weltkrieges als historisches Werk einstufen können, als wichtige Erinnerung und Mahnung, aber viel mehr auch nicht. Doch das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Überall wird gezündelt, in der Ukraine gibt es militärische Auseinandersetzungen. Die Nato und einige westliche Staaten warnen permanent vor Russland als Gefahr und verlegen Militär in den Osten.

Deshalb möchte er ja, dass Deutsche und Franzosen in seinem Stück Seite an Seite spielen, sagt Autor und Regisseur Philippot: Um ein kleines Zeichen zu setzen, im Geist der Menschlichkeit und der Vereinigung zweier Völker. „Dass das heute noch notwendig ist, das ist wirklich traurig.“ rnk,r