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Obernkirchen Stadt Eine mobile Bücherei, aber keine ehrenamtlichen Helfer
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Eine mobile Bücherei, aber keine ehrenamtlichen Helfer
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19:53 17.06.2011
Interessiert begutachten die Delegierten aus Pasvalys die Obernkirchener Fachwerkhäuser. © jaj
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Obernkirchen (jaj). „Ehrenamtlichkeit gibt es in Litauen so gut wie gar nicht“, erklärt Violeta Šerniene, Dolmetscherin der Gruppe, die Verwunderung ihrer Landsleute. „Es ist für uns eine große Entdeckung, dass diese private Initiative so wichtig und mächtig ist.“ Und auch das Büchereiwesen sei in ihrer Heimat ein ganz anderes. „Bei und in Pasvalys gibt es eine zentrale Bibliothek, 31 weitere in den Ortschaften und eine mobile Bücherei“, erklärt sie.

69 Mitarbeiterinnen arbeiten insgesamt in den Büchereien im Kreis Pasvalys, 56 von ihnen sind Bibliothekarinnen. Und das alles für etwa 31.000 Einwohner – was in etwa der Bevölkerung von Obernkirchen und Bückeburg zusammen entspricht. „Als Leser registriert sind insgesamt 9000 Menschen“, sagt Bibliothekarin Abazoriuviene und ist entsprechend verwundert, als sie hört, dass es in Obernkirchen nur rund 500 sind.

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„500 Kinder?“, fragt sie nach. „Nein, 500 Leser insgesamt“, korrigiert Vogt. Noch größer wird die Verwunderung der Delegation, als sie erfährt, dass auch das Berg- und Stadtmuseum in Obernkirchen rein ehrenamtlich betrieben wird. „Aber das ist doch Kultur des Landes und der Stadt“, ereifert sich Šerniene. „Dafür muss es doch Geld geben!“

Erhard Vinke, der die Delegation während ihres viertägigen Aufenthaltes betreut, kann nachvollziehen, warum die Litauer so verwundert sind. „Seit Litauen der EU beigetreten ist, bekommt es viele Fördermittel“, erzählt er. Das sei nicht nur an der Infrastruktur der Stadt, wie zum Beispiel den Bibliotheken zu erkennen, sondern auch an dem Aussehen der Städte. „Dort wird überall gebaut und renoviert“, beschreibt er. „Die Fortschritte, die hier in fünf Jahren erfolgen, passieren hier in einem Jahr.“

Trotzdem ist die Delegation während ihres Rundgangs von der Obernkirchener Innenstadt begeistert. Vor allem davon, dass alles so sauber und grün ist. „Das ist in Pasvalys nicht so“, sagt Vinke. Und auch die Fachwerkhäuser, die die Innenstadt säumen, sind für die Besucher aus Pasvalys neu. Interessiert bleiben sie immer wieder stehen, bewundern Fassaden und vergleichen die restaurierten Häuser mit denen, die noch auf eine Renovierung warten.

Auch über die Fachwerkhäuser möchten die Gäste aus Litauen am liebsten alles erfahren. „Was bedeuten die Zahlen und Schriften in den Balken?“, übersetzt Violeta Šerniene eine Frage. Mit der Antwort, dass die Zahlen das Baujahr des Hauses angeben, gibt sich der Fragende aber nicht zufrieden. „An dem einen Haus steht doch 1997“ so sein Einwand. Auf die Erklärung, dass es sich dabei um das Jahr der Renovierung handelt, reagiert die Gruppe mit Verwunderung. „Sanierungen, wie wir sie hier machen, gibt es in Litauen in der Form nicht“, erklärt Vinke. Dort würden alte Gebäude eher selten erhalten. „Es wird viel neu gebaut.“

Neben der Innenstadt hat die Delegation bisher schon die Glashütte Ardagh und das Schulzentrum am Ochsenbruch besichtigt. Des Weiteren stehen Besuche in Rinteln, Bückeburg und Hameln sowie des Obernkirchener Bürgerschützenfestes auf dem Programm. „Schützenfeste in dieser Größe gibt es bei und nicht“, sagt Gintautas Gegužinskas, Oberbürgermeister der Rajongemeinde Pasvalys und vergleichbar mit unserem Landrat. „Das größte Fest bei uns ist der Städtegeburtstag, der jedes Jahr im September gefeiert wird“, erklärt er.

In diesem Jahr wird auch eine Schülergruppe aus Obernkirchen zum Städtegeburtstag nach Pasvalys reisen. „Ob auch eine offizielle Delegation der Einladung folgt, steht noch nicht fest“, sagt Vinke. Doch schon im Oktober fährt die Trachtengruppe Gelldorf-Obernkirchen nach Litauen. Der Fortbestand der Freundschaft ist also gesichert.

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