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Obernkirchen Stadt Einzelkämpfer aus Obernkirchen
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21:29 17.03.2019
Wer bei ihm trainiert, kann im Ring mithalten: Ralf Schneider hat vor drei Jahren die Boxstaffel Obernkirchen gegründet. Quelle: pr.
Obernkirchen

Weil die Umsetzung eines großen Wunsches zuweilen nicht zum Nulltarif zu haben ist, kommt das Gespräch schnell auf das liebe Geld. Rund 2000 Euro, so erzählt Schneider, werde ihn dieser Nachmittag kosten, für den Boxring, die ärztliche Betreuung, für dies und das. „Es läppert sich schnell“, sagt er.

Werbung für den Amateur-Boxsport

Schneider ist Jahrgang 1960, er war Maschinenschlosser bei Bornemann, Zeitsoldat, Fahrer, viel im Fernverkehr. „Viel Arbeit hat noch keinem geschadet“, sagt er rückblickend. Dem Sport war und ist er – mit Unterbrechungen – seit zwei Jahrzehnten verbunden. Vor drei Jahren hat er die Boxstaffel Obernkirchen ins Leben gerufen. Am Samstag, 23. März, von 15 bis 19.30 Uhr will er in der Kreissporthalle am Kammweg für den Amateur-Boxsport werben. Und er muss dafür in Vorkasse gehen.

Von Obernkirchen zur Europameisterschaft

2016, sagt Schneider, hätten die meisten, denen er von seinen Staffel-Plänen erzählte, abgewinkt. „Unkenrufe“, sagt er heute. Grundsätzlich hat sich an seiner Begeisterung nichts geändert: Im Boxen könne man auch eine Kleinstadt wie Obernkirchen auf der sportlichen Landkarte etablieren, denn es hänge ja vom Trainer und dessen Ausbildung ab. Für seine Boxer, so stellt er klar, könne es durchaus schnell nach oben gehen. In zwei, drei Jahren über den deutschen Boxverband bis hin zur Europameisterschaft. „Warum nicht?“, fragt er und verweist auf Vergleichskämpfe mit Faustkämpfern aus Hannover, Braunschweig und Salzgitter, bei denen sich seine Kämpfer nicht hätten verstecken müssen. „Sie können mithalten, sie haben gegengehalten“, sagt er, und in seiner Stimme schwingt durchaus Stolz mit.

Amateurboxen ist Arbeit

Das Amateurboxen, das man bei ihm lernen kann, sei mit dem Boxen von vor 20, 30 Jahren, als Henry Maske, Sven Ottke und das Team Sauerland den Sport dominierten und definierten, überhaupt nicht mehr vergleichbar, von den Ali-, Frazier- und Forman-Zeiten ganz zu schweigen. Heute, nennt Schneider Beispiele, sei die Beinarbeit ganz anders, das Boxen selbst explosiver geworden. „Schnell rein in den Gegner und schnell wieder raus“, geboxt werde heute effizient. „Und das möchte ich zeigen.“ Amateurboxen, erklärt er, das sei nicht das große Geld, nicht der fette Sponsorenvertrag; nein, das sei harte Arbeit, viel Arbeit. Und wer am 23. März zum ersten Mal Amateurboxkämpfe sehe, der werde erstaunt sein. Denn Boxen, das sei eben nicht feste drauf, dem Gegner die Nase brechen oder ihn zwingend k.o. schlagen, sondern ein Sport mit sehr strengen Wettkampfbestimmungen. „Es steigt keiner in den Ring, der für den Kampf nicht tauglich ist“, sagt Schneider. Erst wenn alle sportlichen Voraussetzungen beim Boxer stimmen, „dann kann man über den ersten Kampf sprechen“. Boxen, das ist für Schneider vor allem dies: ein guter Stand, eine gute Deckung, gute Reflexe. „Um Kraft“, erklärt er, „geht es erst einmal nicht.“

Ungenutzte Möglichkeiten

Als er die Boxstaffel gegründet habe, da habe er sich vorgestellt, dass er mit jungen Leuten trainiert, den Bückeberg hoch und wieder runter, alle topfit, erzählt Schneider und muss selbst lachen. Denn die Wirklichkeit sah und sieht anders aus: Viele Kinder seien übergewichtig, zu dick vom vielen Rumsitzen, sie bewegten sich nicht mehr, musste der Trainer feststellen. Schon jungen Menschen würden die einfachsten Übungen schwerfallen. Schneider erzählt von einem Albaner, der bei ihm trainiert: Der Junge habe mit Blick auf die vielen Sportplätze im Landkreis nur gestaunt und erzählt, wenn er die gleichen Sportmöglichkeiten in der Heimat vorgefunden hätte, wäre er mit seinen Freunden von morgens bis abends auf den Plätzen gewesen. Hier gebe es, so meinte der Albaner, vor allem Verbote: Nicht auf den Rasen treten, nicht über Zäune klettern.

„Dazu kommen viele Vorschriften“, sagt der Trainer. Einfach mal rauf auf den kommunalen Sportplatz, das gehe in Deutschland nicht, Schneider findet das traurig: „Hier haben wir die vielen Möglichkeiten und nutzen sie nicht.“ Es gibt in seinen Augen viele Bereiche, „da hinken wir hinterher“. Denn: „Das Leben“, sagt Schneider, „spielt sich auf den Straßen ab – und nicht im Wohnzimmer.“

Schwierige Nachwuchssuche

Um jeden möglichen Boxer muss er hart ringen. „Unter 1000 Jungs habe ich einen Boxer – und 500 Fußballer“, sagt Schneider und lacht erneut. Acht Leute haben vor drei Jahren bei ihm angefangen, heute sind es 20, die zum Training kommen. Und nein, Boxen sei kein Sport nur für Jungen. „Natürlich nicht“, sagt Schneider, „auch Mädchen können mitmachen.“

Am 23. März gibt es Amateur-Kämpfe über drei Runden, eine Runde dauert mal zwei und mal drei Minuten, je nach Alter. Eintrittskarten kosten fünf Euro für Erwachsene und zwei Euro für die Jugend. Über 100 Firmen habe er im Landkreis um Unterstützung angeschrieben, erzählt er, viele hätten nicht einmal geantwortet, und nur zwei Privatpersonen habe er als Sponsoren gewinnen können. Aber Schneider hat sich von den Hindernissen nicht abschrecken lassen und sich durchgeboxt. Einzelkämpfer machen das so.

Von Frank Westermann