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Obernkirchen Stadt Ende der "Elterntaxis" in Obernkirchen: Mit dem Auto ins Klassenzimmer
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Ende der "Elterntaxis" in Obernkirchen: Mit dem Auto ins Klassenzimmer
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20:49 16.04.2019
Der Plan sieht zentrale Treffpunkte wie die Feuerwehr oder den IGS-Parkplatz vor. Von dort sollen die Kinder gemeinsam zur Schule gehen. Quelle: dpa
Obernkirchen

Es ist jeden Morgen das gleiche Bild und es ist bundesweit vor Grundschulen zu beobachten: Auto um Auto rollt vor das Gebäude, auf zumeist zu schmalen Straßen. Türen werden aufgerissen, die Schulranzen kurz herausgewuchtet, zuweilen hüpft der Sprössling fröhlich aus dem Wagen, ohne auf den Verkehr zu achten. Andere Eltern parken 20 Minuten, weil sich ihre Kinder nicht von ihnen trennen können oder sie parken 20 Minuten, weil sie sich nicht von ihren Kindern trennen können. Am liebsten, so der allgemeine Eindruck, würden die Eltern ihre Kinder bis in das Klassenzimmer fahren.

Erschwert wird die Situation vor der Grundschule Obernkirchen noch zusätzlich, weil nach ihr noch der Kindergarten folgt. Auch dort werden die meisten Kinder mit dem Auto gebracht.

"Treffpunkte" in Schulnähe: Antrag orientiert sich an Bückeburger Modell

Der Antrag der CDU stützt sich auf ein Konzept, das Stefanie Vieregge erarbeitet hat und das sich wiederum an dem Modell der Grundschule im Petzer Feld in Bückeburg orientiert.

Stefanie Vieregge ist als sogenannte fachkundige Bürgerin Mitglied im Schulausschuss. Sie ist selbst Mutter und hat in einem Bückeburger Kindergarten gearbeitet, ehe sie als Erzieherin in den Waldkindergarten Obernkirchen wechselte. In dem Konzept schlägt Vieregge zwei oder drei Treffpunkte vor, die alle rund 500 Meter von der Schule entfernt liegen sollten. Dort könnten sich die Kinder in Gruppen sammeln, sie könnten aufeinander warten und dann mit ihren Freunden gemeinsam zur Schule gehen, was das Sozialverhalten fördere.

Erste Gespräche, ein erster Austausch von Informationen – und dann könnte so der Unterricht deutlich ruhiger begonnen werden, meint Vieregge. Zudem hätten die Kinder vor der ersten Stunde Bewegung und frische Luft. Das fördere die Konzentrationsfähigkeit und die Aufnahmebereitschaft. Nicht zuletzt werde die Verkehrssicherheit Tag für Tag geübt und damit die kindliche Gefahreneinschätzung verbessert.

Kinder müssen mitmachen

Die zwei bis drei Treffpunkte müssten mit Schildern gekennzeichnet werden, für Obernkirchen schlägt Vieregge die Feuerwehr vor, den Parkplatz der IGS/Kreissporthalle oder Elektro Thölke. Dies seien aber nur Vorschläge, sagt sie. An derartigen Treffpunkten könnten die Eltern vorfahren, ihre Kinder sicher aussteigen lassen und dann einfach weiterfahren.

Funktionieren würde das Konzept am besten über die Kinder. Sie müssten, sagt Vieregge, den Willen entwickeln, morgens an einem Treffpunkt abgesetzt werden zu wollen, weil sie sich dort mit ihren Freunden treffen würden. „Das müssen sie ihren Eltern klarmachen und die Eltern müssen diesen Wunsch dann unterstützen“, erklärt Vieregge.

Die Selbstständigkeit der Kinder solle durch das Projekt gefördert werden, hatte die Bückeburger Schule schon 2007 als Ziel vorgegeben. Ein verkehrsicheres Verhalten würden Kinder nur durch alltägliche Übung lernen. Zudem werde in diesem Alter der Grundstein für ein lebenslanges Bewegungsverhalten gelegt: Laufen, zu Fuß gehen, Radfahren – das alles sei „cool“ und solle es auch bleiben. Außerdem sei mit Blick auf die schulische Umwelt zu erwarten, dass es zu einer Verringerung der Verkehrsdichte im Umkreis komme und somit neben der Unfallgefahr auch der Schadstoffausstoß und die Umweltbelastung reduziert werden könnten.

Der ACE, der Auto Club Europa, interessiert sich in diesen Tagen ebenfalls für 13 ausgewählte Schulen in Baden-Württemberg. Unter dem Motto „Goodbye Elterntaxi“ wird bis zu den Sommerferien das alltägliche morgendliche Chaos registriert und analysiert.

Von Frank Westermann