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Obernkirchen Stadt Gartenprojekt mit Migranten in Obernkirchen wächst
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Gartenprojekt mit Migranten in Obernkirchen wächst
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15:38 22.09.2019
Es ist ein Moment, den viele teilen möchten: Die neue Schaukel wird eingeweiht. Quelle: rnk
OBERNKIRCHEN

Ein halbes Jahr später blühen hier Dill, Mangold, Salate und Gewürze wie das Basilikum, deren Samen eigens aus Afghanistan importiert wurde. Vier große Hochbeete gibt es, dazu kommen fünf am Boden. Man wolle, so hatte es Diplom-Sozialpädagogin Felka vor einem halben Jahr beim Startschuss erklärt, hier einen Platz schaffen, an dem man miteinander ins Gespräch kommen könne, man wolle eine Brücke zwischen den Kulturen schlagen.

Was vor sechs Monaten mit einer Handvoll Helfer begann, ist mittlerweile ein deutlich größeres Projekt geworden. Rund 30 bis 40 Mitmacher, sagt Felka, stemmen das Gartenprojekt: Menschen aus Thailand, Syrien, Polen, Deutschland, Afghanistan.

IGS will sich beteiligen

Demnächst werden es wohl noch ein paar helfende Hände mehr, denn die IGS wird sich ebenfalls beteiligen. Beim Sponsorenlauf wurden 1400 Euro eingenommen, die die Schüler dem Netzwerk „Obernkirchen hilft“ spendeten, der wiederum das Geld an das Gartenprojekt weitergab. Die Summe reichte für den Ankauf der Doppel-Schaukel.

Sariah Hachem leitet an der IGS die Naturschutz AG, in der kleine Projekte umgesetzt werden. Die Schüler der AG, erklärt sie, wollen hier im Garten selbst eine kleine Blumenwiese anlegen, und sie werden Obst und Gemüse anbauen, das sie nach der Ernte in der Schule anbieten wollen.

Auch Ursula Stein ist bei der Schaukel-Einweihung dabei. Sie bietet mit Inge Molitor und Cornelia Künzel jeden Mittwoch ein Frauentreffen an, an dem vier bis sechs Frauen aus dem Libanon, Syrien und Afghanistan teilnehmen. Obwohl der Schwerpunkt auf Gesprächen liege, sagt Ursula Stein, „wollen die Frauen – zum größten Teil Analphabeten– doch Deutsch lesen und schreiben lernen“. Sie seien eifrig dabei. Es mache allen, auch den Lehrenden, viel Freude.

Bürgerfest des Bundespräsidenten

Vor ein paar Wochen haben sie ihr Projekt beim Landkreis vorgestellt. Von Stadthagen aus wurde es erst nach Hannover und von dort nach Berlin gemeldet, und daraufhin wurden Inge Molitor und Ursula Stein vom Bundespräsidialamt zum jährlichen Bürgerfest des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue eingeladen. Rund 4000 Ehrenamtliche aus ganz Deutschland trafen sich dort im Schloss.

Das Gartenprojekt, sagt Eva Felka, funktioniert, weil „die grundsätzliche Basis trägt“: Ins Gespräch kommen und den Dialog führen, „bevor es brennt und eskaliert“. Und, eher nebenbei, erzählt sie von einer ganz anderen Arbeit, die sie hier leisten kann.

Sie kommt mit Kindern ins Gespräch, die auf der Flucht zuweilen traumatischen Erlebnissen ausgesetzt waren, die sie noch verarbeiten müssen. Diese Erfahrung, sagt die Sozialpädagogin, spielen in den Alltag der Kinder hinein, und es sei wichtig, dass ihnen mal jemand zuhöre – allein das könne schon helfen. Die Rolle der Kinder im Gartenprojekt sollte man nicht unterschätzen. Sie sprechen fast alle deutsch, dienen oftmals als Übersetzer.

Richtig gebaggert

Klaus Leinemann und Andreas Hofmann nennt Felka später in ihrer Dankesrede namentlich. Sie hätten für die Schaukel „richtig gebaggert“, ein Markt habe dann den Zement für das Fundament gespendet. „Jeder gibt etwas“, sagt Felka, „und egal, wohin ich komme und was ich frage, man hilft mir“: vom Klempner bis hin zur Jugendwerkstatt Hülshagen, aus der zwei große Holzbänke stammen.

Demnächst wird Felka in der Nachbarschaft anfragen, ob sie dort den Strom abknapsen darf. Der Bauwagen soll abgeschliffen werden, anschließend wird er neu gestrichen. Von Frank Westermann