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Obernkirchen Stadt Geotop-Tag an Dinospuren in Obernkirchen: Panzerdino weiter gesucht
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Geotop-Tag an Dinospuren in Obernkirchen: Panzerdino weiter gesucht
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10:38 16.09.2019
Zupackende Helfer bringen einen Dino zum Hühnerhof, allerdings leider keinen Panzer-Saurier. Dieser konnte im Obernkirchener Steinbruch bisher noch nicht nachgewiesen werden - trotz Belohnung, die jetzt erhöht wurde. Quelle: Frank Westermann
Obernkirchen

So ein Panzerdino, sagt Richter, der fehlt hier oben noch, dann wäre die ganze typische Dino-Fauna komplett. Seine Spuren dürften nicht zu übersehen sein, denn der Dino war bis zu zehn Meter lang.

Hinweise auf Panzerdino: Wissenschaftlerin gibt Hoffnung nicht auf

Ansonsten ist im Steinbruch alles vertreten, was das Herz eines jeden Fach-Wissenschaftlers höherschlagen lässt: kleine Pflanzenfresser, große Pflanzenfresser, Fleischfresser - vor 140 Millionen Jahren war der Steinbruch eine angesagte Süßwasserlagune und ein Hotspot für die Dinos. Und obwohl die Chance eher klein ist, dass der Panzerdino hier ebenfalls langzog und Spuren hinterließ, so besteht sie doch, sagt Richter, in der Universität Göttingen finden sich Hinweise, man darf die Hoffnung nicht aufgeben.

Dinofährten waren Lotto-Sechser, Panzerdino wäre Zusatzzahl

Dr. Annette Richter waltet als Naturkunde-Chefin im Landesmuseum Hannover über Saurierfährten und Fossilien, in Obernkirchen ist die Paläontologin das Herz und Hirn der 2007 weltweit Aufmerksamkeit erregenden Funde, und auch ein Dutzend Jahre später ist ihre Begeisterung über die Fährten noch immer das, was sie einst war: einfach ansteckend. Richter hat ja nie ein Hehl daraus gemacht, was dieser Fund für sie war: Ein Glücksfall, sie war damals zur rechten Zeit am rechten Platz, die Dino-Fährten sind aus ihrer Sicht ein echter Sechser im Berufs-Lotto, der Panzerdino wäre dann sicherlich die passende Zusatzzahl, das Sahnehäubchen obendrauf.

Fachfrau Dr. Annette Richter erklärt, wie Schlamm zu Sandstein wurde.

Geotop-Tag: Am Steinbruch tut (und tat) sich einiges

Auf dem Hühnerhof erklärt anschließend Lena Weimann den Besuchern am Geotop-Tag die Bedeutung des Platzes, hier wurde kreuz und quer gelaufen, wie auf einem Hühnerhof, rund 2700 Spuren wurden bisher festgehalten, und seit dem letzten Tag des Geotops hat sich hier viel getan: Es gibt neue Spuren, die hinauf bis zur Abbruchkante führen, erzählt Lena Weimann, und daraus kann die Wissenschaft Rückschlüsse ableiten. Laufen diese Spuren parallel, sind die Tiere wahrscheinlich nebeneinandergelaufen, sie haben sich, wenn man so möchte, vertragen, das lässt auf ein ausgeprägtes Sozialverhalten schließen. Der Panzerdino war dagegen eher ein Einzelgänger, aber möglicherweise hat er sich anderen Pflanzenfressern in Herden locker für die eine oder andere Wanderung angeschlossen.

Paläontologie: Eine Antwort - mehrere neue Fragen

Es ist wie so oft in der Paläontologie: Man weiß es nicht genau, und auf jede Antwort kommen drei neue Fragen. Warum hier auf dem Hühnerhof so viele Spuren von Fleischfressern gefunden wurden, während es auf der oberen Sohle genau umgekehrt ist, das sei nach wie vor ungeklärt, sagt Lena Weimann, die schon als Kleinkind in Münchehagen Dino-Spuren freilegte.

Der Geotop-Tag ist eine gute Möglichkeit, mal wieder nach den Spuren zu schauen, denn ein Dutzend Jahre nach ihrer Entdeckung ist die öffentliche Aufmerksamkeit spür- und messbar abgeflaut, es gab zwar 2011 noch ein weltweites Symposium, aber ansonsten wurde von den Wissenschaftlern abseits der medialen Begleitung gearbeitet. Gestern war es ein entspanntes Besichtigen; ein steter Strom, der den ganzen Tag nicht abriss.

Belohnung aufgestockt: Kiste statt Flasche Champagner

Die Belohnung für die Entdeckung der Panzerdino-Fährte hat Richter übrigens zwischenzeitlich aufgestockt, jetzt winkt dem Entdecker nicht eine Flasche, sondern eine ganze Kiste Champagner als Belohnung. Ein bisschen drängt die Zeit, auch Paläontologen werden ja nicht jünger. Aber zuweilen werden sie in der Zeit des Wartens unsterblich, zumindest in der Welt der Wissenschaft: Zwei jüngere Forscher haben kürzlich einen bis dahin unentdeckten Meeressaurier nach Richter benannt. Von Frank Westermann 

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