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Obernkirchen Stadt Großbaustelle Eilser Straße: Verkehr weicht über Nebenstraßen aus
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Großbaustelle Eilser Straße: Verkehr weicht über Nebenstraßen aus
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19:48 13.06.2019
Die ersten Hinweise auf die Großbaustelle gibt es am Ortseingang Röhrkasten. Zu spät?
OBERNKIRCHEN

In dem Fall der drei Nachbarn eine Straße, die nur von Anliegern befahren werden darf, was in diesen Baustellen-Tagen aber niemanden interessiert. Und ein Ende ist nicht absehbar. Zudem treibt die Anlieger eine weitere Sorge um, dazu später mehr.

Es gibt mehrere ausgeschilderte Umgehungen, eine inner- und eine außerörtliche. Aber wer beispielsweise am Weheweg wohnt und sein Kind zur Grundschule oder in die Kita am Kammweg fahren möchte, der müsste über die Bundesstraße 65 und Vehlen sowie über den Kreisel am Klinikum und durch Röhrkasten zur Stettiner Straße fahren, ein Umweg von mehreren Kilometern.

Nur für Anlieger

Daher werden die Straße Poggenort sowie die Glatzer und die Berliner Straße als Ausweichstraßen genutzt, obwohl die Beschilderung eindeutig ist: nur für Anlieger.

Die Folgen für die Anwohner: Auto für Auto fährt durch die Straße Poggenort. Und manchmal, erzählt Kirsten Lücking, müsse sie auf eine Lücke im Verkehr warten, wenn sie in ihren am Straßenrand geparkten Wagen einsteigen möchte. Im Zeitalter der Handys sind die belegenden Beweisfotos schnell geschossen, vorgelegt und gezeigt: Stoßstange an Stoßstange schiebt sich der Verkehr durch die Straße – in Richtung Nottstraße. Von dort geht es dann auf die Steinhofstraße – und schon ist die Baustelle umfahren; nicht legal, aber ohne großen Zeitverlust.

Polizei in der Pflicht

Besonders stark sei der Verkehr in den vergangenen Tagen gewesen, als es auf der Autobahn einen Unfall gegeben habe und sich die Autofahrer ihren Weg durch die umliegenden Dörfer und Städte gesucht hätten. Wer von der Autobahn wieder zur Autobahn möchte, der fährt durch den Poggenort. In der Pflicht sehen die Anwohner die Polizei, schließlich sei nur der Anliegerverkehr erlaubt. Ihr Wunsch: Die Polizei möge sich dort mal hinstellen, sporadisch, und alle aufschreiben, die da nichts zu suchen hätten. „Dann wird sich die Zahl schon nach unten regeln“, sagt Andreas Müller.

Ein weiterer Vorschlag der Anlieger: Man könnte an den Zufahrten, an denen schon das Nur-für-Anlieger-Schild steht, noch eine Barke aufstellen, die vielleicht die halbe Straßeneinfahrt mit absperrt; als deutlichen Hinweis: Hier ist keine Durchfahrt.

Kritik an Ausschilderung

Kritik üben sie an der Ausschilderung der Umleitungen, sie erfolge zu spät: So sei das erste Schild mit dem Hinweis auf die gesperrte Ortsdurchfahrt erst kurz vor Röhrkasten, am Kreisel zum Klinikum, aufgestellt. Und auch wenn die ausgeschilderte Umleitung lang sei, weil sie über das Klinikum und die B65 wieder in Richtung Obernkirchen führe, sollte man sie nutzen: „Es mag ein Umweg sein“, sagt Müller, „aber dafür gibt es eben Umleitungen.“

Was dem Anlieger-Trio wichtig ist: Sie seien keine Querulanten, die sich über Nichtigkeiten aufregten. „Würden wir hier über sechs Wochen Baustelle sprechen“, sagt Müller, „dann würden wir uns alle nicht aufregen. Aber wir reden über ein ganzes Jahr.“ Und über mögliche Folgekosten, denn, so Müller, die Straße sei für Anliegerverkehr ausgelegt und nicht für holländische Wohnwagen mit Anhänger oder tonnenschwere Lastwagen: „In drei Jahren ist die Straße kaputt – und dann heißt es: Liebe Anlieger, jetzt müsst ihr für die Reparatur zahlen.“

Gullydeckel im Takt

Das Pressegespräch endet an der Straße, Auto um Auto fährt vorbei, mindestens zwei furchtbar schlecht gesetzte Gullydeckel hüpfen zuweilen im Takt. Müller zeigt auf den oberen Teil des Poggenorts. Noch sei es dort recht ruhig, sagt er, noch verteile sich der Verkehr auf drei Straßen, aber wenn der zweite Bauabschnitt beginne, dann würden Glatzer und Berliner Straße als Ausweichstraße wegfallen. „Dann wird alles dort oben durchfahren“, prognostiziert er.

Am Mittwoch hat der unerwünschte Autoverkehr erst das Rathaus und dann die Politik erreicht. Bürgermeister Oliver Schäfer informiert zunächst den Bauausschuss und später den Ausschuss für Bürger und Bildung darüber, dass sich Anwohner über den deutlich gestiegenen Verkehr beklagt hätten. Die Stadt habe daher eine Geschwindigkeitstafel aufgestellt, um die Autofahrer daran zu erinnern, dass hier Tempo 30 gelte.

Zudem habe er sich an die Polizei gewandt und gebeten, dort stichprobenartig zu kontrollieren, schließlich, so Schäfer, sei die Polizei für den fließenden Verkehr zuständig. Er sei selbst vor Ort gewesen und habe sich ein Bild gemacht, sagt der Verwaltungschef: „Ortsunkundige“ seien von der Baustelle „wenig betroffen“. Soll heißen: Überwiegend wird der illegale Schleichweg von Autofahrern mit örtlichen Kenntnissen genutzt, also von Bürgern der Stadt.

Einen kleinen Trost hat Schäfer: Ende Oktober sei die Baustelle abgeschlossen. Von Frank Westermann