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Obernkirchen Stadt Hammer, Amboss, Muskelkraft
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Hammer, Amboss, Muskelkraft
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22:54 06.09.2019
Bernd Hucke arbeitet wie vor 100 Jahren: Bei Temperaturen von bis zu 1300 Grad Celsius werden dünne Eisenstäbe zum Glühen gebracht, um diese anschließend mit Hammer und Amboss zu kleinen Nägeln oder Haken zu verarbeiten. Quelle: hil
Obernkirchen

Obwohl es sich bei diesem Denkmal der schaumburgischen Technikgeschichte um eine Schlosserei handelt und nicht um eine Schmiede im eigentlichen Sinne, ist das Herzstück der alten Werkstatt doch das lodernde Feuer an der offenen Feuerstelle. Nach einem längeren Dornröschenschlaf wird seit September 2008 in der Historischen Schlosserei Bornemann wieder die Esse, so der Fachbegriff für die Feuerstelle, angeheizt, allerdings nur noch zu Demonstrationszwecken für große und kleine geschichtsinteressierte Gäste.

Heinz-Jürgen Brandt, Bernd Hucke und Bertold Kasprik sind dem Schlosserhandwerk durch Beruf, Hobby oder Freude an der Sache verbunden und zeigen einmal im Monat Neugierigen und Interessierten, sowie auf Anfrage Schulklassen, Kindergartenkindern oder anderen Gruppen, wie man hier früher gearbeitet hat – fast ohne Elektrik, mit wirklicher Handarbeit und viel Fingerspitzengefühl.

Muskelkraft kommt wieder zum Einsatz

Man merkt sofort, dass den „Schmiedejungs“ die alte Schlosserei am Herzen liegt und sie gerne dort arbeiten. Alle drei verfügen über ein breit gefächertes Fachwissen und zeigen deutlich ihre Verbundenheit zu Hammer und Amboss, Bohrer und Drechselmaschine. „Wir möchten grundlegende Kenntnisse vermitteln und arbeiten mit den gleichen Werkzeugen, wie unsere Vorfahren“, so Heinz-Jürgen Brandt. Als hätten sie nie etwas anderes gearbeitet, zeigt das Trio gern sein Können und beantwortet jede Frage.

Bei den Vorführungen entführen sie ihre Gäste aus der täglichen Routine in die Vergangenheit. In eine Zeit, als mit dem alten Handwerk des Schlossers noch mit Muskelkraft Gebrauchsgegenstände für das tägliche Leben geschaffen wurden, um ein so widerspenstiges und störrisches Material wie das Eisen durch Hitze, die eigenen Hände und etwas Geschick zunächst die schönsten Formen und Linien annehmen zu lassen, ehe es wieder fest erstarrt.

Selber Hand anlegen

Aus Zuschauern werden häufig auch Teilnehmer des Geschehens, die nicht nur einen Einblick in die Lebensweise früherer Generationen erhalten, sondern durch Mitmachen und Anpacken eigene Erfahrungen sammeln können. Spannend dabei ist aber nicht nur das Schmieden, sondern auch die durch Pedalantrieb in Bewegung gesetzten Bohrmaschinen oder die durch einen unter der Decke angebrachten Riemenantrieb betriebene Drechselmaschine.

Ein Besuch der historischen Schmiede Obernkirchens zeigt deutlich, wie gut es tut, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen. Sei es ein einfacher Nagel, den Brandt innerhalb weniger Minuten am Amboss zaubert oder ein „Schweinehaken“, der in unterschiedlichen Bearbeitungsstufen von Hucke gefertigt wird und am Schluss formvollendet geschwungen, benutzt werden kann.

Dort zwischen vielen alten Werkzeugen und dem Geruch nach Feuer und Metallspänen kann man eine wirkliche Reise in die Vergangenheit erleben und viele neue Eindrücke mit nach Hause nehmen.

Am morgigen Sonntag, dem „Tag des offenen Denkmals“, hat die alte Schlosserei zur Herstellung von Flaschenformen, Glasmacherwerkzeug, Prägestempeln und Glassiegeln in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Stündlich gibt es Vorführungen, und jeder Besucher kann auch gerne mal selbst Hand anlegen. hil