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Obernkirchen Stadt Hospizdienst Sonnenhof zieht in neue Räume
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Hospizdienst Sonnenhof zieht in neue Räume
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16:58 07.05.2019
Der Hospizdienst hat im „Haus am Tor“ nun eine feste Adresse: Anja Meyer (links) und Barbara Weißbrich vor den neuen Räumlichkeiten. Quelle: rnk
Obernkirchen

Als Barbara Weißbrich 1989 ihr Examen zur Krankenschwester abgelegt hatte, wurde sie in einem Pflegebereich mit nur sechs Betten eingesetzt. Oft riefen die größeren Stationen an und fragten, ob sie ein Zimmer für einen Sterbenden freihätten. „So ist es mir nicht selten passiert, dass ich, alleine in einer Schicht, ein bis zwei sterbende Menschen mit ihren Angehörigen versorgt habe“, erzählt sie bei der offiziellen Einweihung des „Hauses am Tor“, den neuen Räumlichkeiten.

Sie habe vor 30 Jahren schon gemerkt, wie wichtig ihr eine würdige Umsorgung von schwerstkranken und sterbenden Menschen sei. Seit 2007 arbeitet sie in der ehrenamtlichen Hospizarbeit mit, nach vielen, sehr vielen Weiterbildungen leitet sie heute den Ambulanten Hospizdienst Sonnenhof für Obernkirchen, Auetal und Umgebung.

Vor dreieinhalb Jahren habe man die Chance bekommen, sich unter der Trägerschaft des Obernkirchener Altersheim-Vereins zu formieren und zu entwickeln. Hauptaufgabe sei es, Sterbende und ihre Angehörigen zu begleiten, zu Hause, in einer stationären Einrichtung, wie im Sonnenhof, dem Schäferhof Rehren oder auch im Krankenhaus wie dem Klinikum Schaumburg. Für diese Aufgabe müsse jeder, der ehrenamtlich tätig sein möchte, an einem Vorbereitungskurs teilnehmen: „In unserem Dienst umfasst dieser Kurs 90 Stunden“, sagt Weißbrich.

Tod nicht zum Leben machen

Wer begleitet, wird begleitet: Menschen, die sich ehrenamtlich in der Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen engagieren, würden ihre Zeit schenken und einen hohen persönlichen Einsatz geben, am Tag und manchmal auch in der Nacht. Doch die ehrenamtliche Arbeit in so einem speziellen Bereich brauche auch Hauptamtliche: „Hauptamtliche sind die Schnittstelle zwischen den Sterbenden, Angehörigen und ehrenamtlichen Mitarbeitern. Sie kümmern sich um die Belange der ehrenamtlichen Mitarbeiter und koordinieren die Einsätze“, führt sie aus. Die Teilnahme an Gruppentreffen und Supervision für ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter gehöre zur Arbeit dazu, sagt sie, „denn wer in der Hospiz- und Palliativarbeit tätig ist, darf den Tod nicht zu seinem Leben machen“.

Eine weitere Säule der Hospizarbeit sei die Trauerbegleitung, in der sich zurzeit drei ehrenamtliche Trauerbegleiterinnen engagieren würden; angeboten würden Einzelgespräche und ein monatlich stattfindender offener Trauerkreis. Eine ganz wichtige Aufgabe sei die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Aufklärung zu den Themen Sterben, Tod und Trauer.

Letzte-Hilfe-Kurse

So könne man jetzt mit dem Bezug der neuen Räume regelmäßig „Letzte-Hilfe-Kurse“ anbieten: In vier Stunden bearbeiten die Teilnehmer die Themen Sterben als ein Teil des Lebens, Vorsorge und Entscheiden, Leiden lindern und Abschied nehmen. Es handelt sich dabei um einen Basiskurs für Laien.

Notwendig sei ein Netzwerk, meinte Weißbrich, denn kein Akteur der hospizlich-palliativen Arbeit „kann alleine sein Ding machen“, daher arbeite man mit Ärzten, Pflegediensten, Seelsorgern der umliegenden Kirchengemeinden, Gruppen der Wohlfahrtsverbände und Beratungsstellen des Landkreises zusammen, Mitglied sei man im Hospiz- und Palliativ-Verband Niedersachsen.

Botschaft in die Gesellschaft tragen

Die Hospizbewegung habe sich aus einem bürgerschaftlichen Engagement heraus gebildet. Das zeige, dass das Sterben zum normalen Leben dazugehört, erklärt Weißbrich. „Diese Botschaft gilt es, in die Gesellschaft zu tragen.“ In eine Gesellschaft, die sich schwertue mit dem letzten Weg des Lebens. Mit der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbendender Menschen und der Unterzeichnung durch die Stadt Obernkirchen und das Auetal erhalte man gute Rahmenbedingungen für eine weiterhin gelingende Hospizarbeit vor Ort.

Am 24. Mai bietet der Hospizdienst im „Haus am Tor“ von 11 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Tür an. Von Frank Westermann