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Obernkirchen Stadt Jeder Vierbeiner ist anders
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Jeder Vierbeiner ist anders
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19:45 28.05.2017
Helfer und Freund des Menschen: Akira mit Sarah Mentzen (Vorsitzende des Birkenhof-Projektes) sowie David Wagner und Richard Oberbichler, den ehrenamtlichen Helfern.  Quelle: mig
OBERNKIRCHEN

Die vom Verein Rottweiler-Freunde Deutschland ausgerichtete Messe findet beispielsweise Brigitte Kuhlmann großartig. „Das hat hier in Schaumburg noch gefehlt“, meint die Halterin einer Dogge. Das breite Angebot an Hundetrainern, Physiotherapeuten, Tierärzten, Tierschutzvereinen, Initiativen und Versicherungsexperten, hat sie überzeugt. „Was hier geboten wird, findet man sonst nicht so leicht. Hier kann man sich über alle Probleme, die der Besitz eines Hundes ja auch mit sich bringt, informieren.“

Kuhlmann selbst ist aus einem ganz bestimmten Grund hier: Sie hat Probleme mit ihrer Dogge und will sich Hilfe holen. „Ich habe den Hund von einer Freundin übernommen, bin aber im Grunde eine Anfängerin.“ Was also tun, wenn einen der Hund überfordert? Kuhlmann hat vonseiten der Hundetrainer und Tierärzte Folgendes mitgenommen. „Dass ich einerseits zu konsequent bin und andererseits nicht konsequent genug.“ Genauer gesagt: „Einfach nur Nein sagen, ist keine Lösung – und im Übrigen auch schwer durchzuhalten.“ Natürlich müssten Grenzen gesetzt werden, „aber bitte sparsam“.

Statt "Nein" sagen, Gewohnheiten bilden

Ganz wichtig sei, dass Hunde für ein Verhalten nicht einmal bestraft und dann wieder nicht bestraft werden. „Ich weiß jetzt, dass die klügste Art, ‚Nein‘ zu sagen, das Bilden von Gewohnheiten ist“, sagt Kuhlmann. Statt überall Grenzen zu setzen, will sie jetzt gemeinsam mit ihrer Leila Regeln entwickeln.

Während Leila noch erzogen werden muss, ist Husky Akira fertig ausgebildet. Als Besucherhund soll Akira Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung „unvergessliche Erlebniszeit bescheren“, wie es im Prospekt des Projektes heißt. „Wir sehen immer wieder, wie gut Menschen auf Hunde reagieren“, sagt Sarah Mentzen, die Vorsitzende des Birkenhof-Projektes. „Die Hunde können ganz anders auf Menschen zugehen.“

Der Diskriminierung entgegentreten

Elf Hunde hat der „Birkenhof“ in der Eifel, die Ausbildung erfolgt nach Neigung und dem späteren Einsatzgebiet. „Akira beispielsweise ist sehr tough, sie ist deshalb auch unser einziger Hund, der ins Hospiz geht“, sagt Mentzen. Das könne nicht jeder Hund, und auch Akira braucht nach jedem Einsatz eine längere Ruhezeit. „Sie scheinen die Anspannung, die im Zimmer eines Sterbenden herrscht, zu spüren.“ Was nicht heißt, dass es den Hunden keinen Spaß macht. „Wir sehen, dass sie viel Freude daran haben, sonst würden wir das auch nicht machen“, so Mentzen. Und auch den Sterbenden tut der Kontakt mit einem Hund gut, wie sie beobachtet hat. „Die Menschen sind nachher nicht mehr so angespannt und verkrampft.“

Mit ganz anderen Problemen muss sich Sylvia Fricke von der „Interessengemeinschaft gegen Rasselisten“ herumschlagen. Fricke setzt sich dafür ein, dass bestimmte Hunderassen nicht mehr als „bösartig, gefährlich oder aggressiv“ eingestuft werden. „In meinen Augen ist das Diskriminierung.“ Das Problem sei, dass bestimmte Hunde nur unter strengen Auflagen gehalten werden dürfen. „Weil das aber kaum jemand auf sich nehmen will, versauern diese Hunde in den Tierheimen – das ist einfach ungerecht.“

Hundeführerschein gefordert

Zahlreiche Studien hätten zudem bewiesen, dass die Gefahr, die von einem Hund ausgehen kann, nicht in seiner Rasse begründet ist, sondern in der Art, in der er gehalten, erzogen und sozialisiert wurde. „Meiner Meinung sind die Rasselisten nur ein Ausdruck von Aktionismus“, sagt Fricke. Die Gesetze hätten Beißvorfälle nicht verhindert, es seien jetzt lediglich andere Rassen beteiligt.

Dirk Schäfer, der Vorsitzende der Rottweiler-Freude Deutschland, sieht das ähnlich. Man sollte nicht alle Hunde über einen Kamm scheren, sich vielmehr den jeweiligen Halter anschauen, sagt Schäfer. Statt der Rasseliste fordert Schäfer einen Hundeführerschein – deutschlandweit und verpflichtend für alle Hundebesitzer. „Das würde viel mehr Sinn machen.“ mig