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Obernkirchen Stadt Kastanie im La-Flèche-Park wird gefällt
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Kastanie im La-Flèche-Park wird gefällt
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07:42 30.08.2019
Obernkirchen

Die Anregung ist aus dem Fachbüro der Stadtverwaltung gekommen: Die Stiftsverwaltung möge sich doch bitte einmal die riesige Kastanie zwischen den beiden Parkplätzen für das Stift im La-Flèche-Park anschauen, denn ganz gesund sehe sie nicht mehr aus. Äbtissin Susanne Wöbbeking gab daher ein Gutachten in Auftrag. Es bestätigte den Verdacht, dass die Kastanie Gefahren birgt. In den nächsten Tagen wird der Baumriese gefällt.

Es ist ein mächtiger Baum, der einem Stammumfang von drei Metern und eine Höhe von 19 Metern aufweist, seine Kronendurchmesser liegen zwischen elf und 14 Metern. In der Krone, so schreibt Gutachterin Antje Wiskow, seien teilweise ganze Astpartien abgestorben. Das vorhandene Laub sei „auffällig“ kleinblättrig ausgebildet, die astnahe Belaubung unterstreiche deutlich die Versorgungsschwierigkeit in der Kronenperipherie. Insgesamt sei die Vitalität der Kastanie der Schadstufe drei zuzuordnen: deutlich geschädigt.

Pilze und Fäule machen Baum krank

In der Krone liege der Totholzanteil bei rund einem Viertel, überwiegend Fein- und Schwachäste. Aber auch einige tote Grobäste seien vorhanden. Der Baum sei mit holzzerstörenden Pilzen besiedelt und deutlich von Fäule befallen, erklärt die Gutachterin und verweist auf das bakterielle Rosskastanie-Sterben, auf Pseudomonas syringae. Es ist eine Krankheit, die erst seit 2007 in Deutschland bekannt ist.

Das Bakterium bespringt Bäume unabhängig von deren Alter. Experten sprechen von einer Komplexkrankheit, denn das Bakterium an sich ist eher harmlos. Es löst schwarze Stellen am Stamm aus, der Baum blutet – und es bilden sich großflächige Verfärbungen an der Rinde. Dann aber siedeln sich Pilze durch die Eintrittspforten am Stamm an. Sie durchtrennen Leitbahnen, und im Holz bilden sich tiefe, senkrecht verlaufene Risse. Teile der Krone sterben dann ab, da der Stamm sie nicht mehr mit Nährstoffen und Wasser versorgt.

Verkehrssicherheit nicht gegeben

So ist es auch bei der Kastanie im Park, „mit entsprechenden Folgen“, wie die Gutachterin schreibt. Die Verkehrssicherheit der Kastanie sei nicht gegeben und könne allein durch eine Fällung des Baumes wieder hergestellt werden. Eine zeitnahe Entfernung sei dabei erforderlich, denn der Baum befinde sich an einem stark frequentierten Fußweg in den angrenzenden Park sowie im unmittelbaren Umfeld eines stark besuchten Parkplatzes. Soll heißen: „Eine zeitnahe Entnahme des Baumes ist erforderlich.“ Daher sei auch ein Aufschub der Fällung bis zum Ende des gesetzlich vorgeschriebenen Schnittverbotes am 30. September aufgrund des Standortes und des Schädigungsgrades aus gutachterlicher Sicht „nicht vertretbar“. „Besser wird es nicht“, schreibt Gutachterin Wiskow: „Mit fortschreitendem Jahreslauf wird sich der Zustand des Baumes jedoch rasch weiter verschlechtern, die Ausbildung der Früchte bedeutet eine Zunahme der Eigenlast – und dies wiederum erhöht die Bruchgefahr.“ von Frank Westermann