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Obernkirchen Stadt Lesen und lesen lassen: Grundschule Obernkirchen eröffnet Leseclub
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Lesen und lesen lassen: Grundschule Obernkirchen eröffnet Leseclub
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10:43 18.09.2019
Abgefeiert wie ein Rockstar: Autor Alexander von Knorre begeistert die Kinder im Leseclub in der Grundschule Obernkirchen mit „Juli & August“, seinem ersten Buch für Kinder und Jugendliche. Quelle: rnk
Obernkirchen

Juli ist ein Mädchen, sie lebt auf einem Floß, dort ist sie Kapitänin, Maat, Koch und Ausguck. Und damit ist für August, den Jungen, der gerne mitfahren würde, natürlich kein Job mehr frei. Aber weil Juli ein gutes Herz ihr Eigen nennt, stellt sie ihm drei Mutproben: Wenn August diese besteht, will Juli ein Auge zudrücken. Bei der dritten Mutprobe ist August ein bisschen bange, zu groß ist der Wal, mit dem er schwimmen soll. Aber Juli findet, er habe die Mutprobe dennoch bestanden: „Denn um Nein zu sagen, dazu braucht es ja auch Mut – und zur Ehrlichkeit ebenfalls.“

65 Minuten lesen, 35 Minuten Autogramme schreiben

Ersonnen hat „Juli & August“ der Illustrator Alexander von Knorre, es ist sein erstes Jugendbuch. Und wenn es sich gut verkauft, könnte es durchaus der Auftakt zu einer Reihe sein. Von Knorre liest in der Grundschule in Obernkirchen, weil dort an diesem Tag der Leseclub offiziell eröffnet wird, dazu gleich mehr. Und nach 65 Minuten wird der Autor von den Schülern der dritten und vierten Klasse abgefeiert wie ein Rockstar. Es gibt Zugabe-Rufe, und 35 Minuten lang muss er anschließend Autogramme geben und Zeichnungen signieren. Der eine oder andere Schüler hat ihm sogar ein eigenes Bild gemalt, das alles ist sehr anrührend.

Einfach mal ins Ungewisse aufbrechen

Die Idee, sagt von Knorr später im Gespräch, sei ihm an der Ostsee gekommen, als er darüber nachgedacht habe, ob man nicht auf einer Luftmatratze einfach in die Ferne paddeln sollte. Und so steht sein August in einer Tradition von unsterblichen Helden wie Tom Sawyer von Mark Twain, Tschick von Wolfgang Herrndorf oder Kara Ben Nemsi von Karl May. Dabei geht es um Geschichten, in denen die Protagonisten einfach mal aufbrechen und sich auf eine Reise ins Ungewisse begeben, hinein in die fremde Welt.

Zum Weiterlesen: Erster Leseclub in Schaumburg: Neue Welten eröffnen

Geschichten, die im Alltag spielen, die interessierten ihn nicht so sehr, sagt von Knorre. Wenn die Conni zum Arzt, in die Schule oder – Gipfel der Verwegenheit – in den Zoo gehe, dann sei ihm das zu sehr Realität und zu wenig Fantasie. Andererseits sollten seine Helden geerdet sein, sagt er, und einen Bedarf an weiteren Büchern über Einhörner und Feen könne er auch nicht erkennen.

Von Knorre zeichnet Bilder zu seinen Geschichten selbst

Von Knorre ist 37 Jahre, er wurde in Magdeburg geboren, und die ersten Bücher, mit denen er aus seinem Alltag ausbüxen konnte, waren Comics. Seit zehn Jahren verdient er sein Geld als Illustrator, und – Ehrensache – die farbsatten Bilder zu seiner Geschichte hat er selbst gezeichnet. Sie wirken einfach famos, bei der Lesung werden sie an eine Leinwand geworfen. „Lesungen“, sagt von Knorre, „sind eher Neuland für mich.“ Veranstalter würden ja eher selten auf die Idee kommen, einen Illustrator mit seinen Bildern, aber ohne eine Geschichte einzuladen.

Das habe sich nun geändert: Vor einiger Zeit hat er beim Poetenfest in Erlangen gelesen, demnächst stehen Karlsruhe und Stuttgart an. „Lesungen sind Höhepunkte“, erklärt von Knorre, „man kommt mal raus aus den eigenen vier Wänden.“ Und, weit wichtiger, es gebe die Reaktionen des Zielpublikums, sofort und ungefiltert. „Ich möchte Bücher schreiben, die ich selbst gerne gelesen hätte“, sagt er.

Alte Medien statt sozialer Netzwerke

Bücher an sich stuft er als alte Medien ein, und der Nutzung von Computern und anderen Neuen Medien an einer Grundschule steht er eher skeptisch gegenüber. An einer Grundschule müsse ein Kind vor allem Sozialkompetenz erlernen, die Medienkompetenz sollte ab der fünften Klasse erfolgen. Erst sollte die Persönlichkeit ausgebildet werden; auch, weil man sich gerade als Kind sehr schnell in den sozialen Medien verlieren kann.

Anna-Sophie Gützkow vom Lehrerteam des Leseclubs erklärte in ihrer Rede, dass der Leseclub besonders bildungstechnisch benachteiligte Kinder unterstütze, um den starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und persönlichem Bildungsweg abzuschwächen: „Nur wer lesen kann, hat Chancen auf schulischen und beruflichen Erfolg“, sagte sie. Eine stabile Lesemotivation sei Grundlage einer guten Lesekompetenz.

Wer als Lesepate mitmachen möchte, kann sich einfach telefonisch im Sekretariat der Grundschule melden. Von Frank Westermann