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Obernkirchen Stadt Probleme bei Flüchtlingsbetreuung in Obernkirchen
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt Probleme bei Flüchtlingsbetreuung in Obernkirchen
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20:24 28.02.2019
Flüchtlinge dezentral betreuen, weil sie auch dezentral in Obernkirchen wohnen? Innerhalb von Stadtverwaltung und Politik wird diese Frage unterschiedlich bewertet.  Quelle: tol
Obernkirchen

Im Ausschuss für Bürger und Bildung stellte Stadtkoordinatorin Dörte Worm-Kressin jetzt klar, dass die Zuständigkeiten bei der Betreuung teilweise unklar seien und mehr Personal nötig sei, um die Menschen individuell betreuen zu können.

Worm-Kressin macht das an Alltagsproblemen fest. So könne erst bei Besuchen in den Wohnungen festgestellt werden, wo der Schuh drücke. Aufgefallen sei, dass einige Flüchtlinge, die auf dem Fußboden ihre Speisen zu sich nähmen, nicht daran dächten, dass ein heißer Topf einen Teppich in Brand setzen könne. Davon zeugten Brandflecke.

Die soziale Betreuung müsse ausgeweitet werden, meint Worm-Kressin. Zwar gebe es in Obernkirchen zwei Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die vom Landkreis und vom Bund Geld für ihre Arbeit bekommen, „allerdings haben diese Sozialarbeiter sehr viel zu tun“, sagte die Stadtkoordinatorin. Die Awo-Mitarbeiter warten in ihrem Büro auf Problemmeldungen. „Die Flüchtlinge müssen also mit ihren Problemen zu den Betreuern kommen“, sagt Worm-Kressin.

Die Koordinatorin ist der Meinung, man müsse zu den Menschen gehen und nicht darauf warten, bis diese aus eigenem Antrieb kommen. Nur so könne man Schwierigkeiten frühzeitig identifizieren, denn: „Nicht alle Probleme können die Flüchtlinge mit ins Büro nehmen. Einiges kann nur in der Wohnung erkannt werden“, so Worm-Kressin.

Als Stadtkoordinatorin sei sie zuständig, wenn etwas in den Wohnungen kaputtgegangen sei oder nicht mehr funktioniere. „Dann komme ich in die Wohnungen und sehe plötzlich Probleme, die sonst niemand entdeckt hätte.“

Heizen oftmals ein Problem

Wichtig sei es, so Worm-Kressin, den Menschen das Wohnen und die Nutzung der Gegenstände zu erklären. Oft sei in diesem Zusammenhang das Heizen ein Problem. „Die Menschen drehen die Heizkörper voll auf“, sagt Worm-Kressin. Das würde sehr hohe Kosten verursachen. „Wenn man den Menschen das nicht erklärt, verstehen sie es nicht“, meint die Koordinatorin. „Integration heißt nicht nur, die Sprache zu vermitteln. Es ist auch wichtig, den Menschen klarzumachen, wie wir ticken.“

Diese soziale Arbeit könne sie allerdings nicht leisten, stellt Worm-Kressin klar. Sie habe pro Monat allein im Schnitt 40 Anrufe von Flüchtlingen. Stets gehe es darum, dass etwas nicht funktioniert. „Das kostet sehr viel Zeit“, sagt die Koordinatorin. Hinzu komme, dass die Personalkosten nicht durch den Landkreis gedeckt würden, sondern von der Kommune getragen werden müssten.

Bürgermeister Oliver Schäfer lehnte es ab, einen zusätzlichen Streetworker einzustellen. Das war vom Netzwerk „Obernkirchen hilft“, das Flüchtlinge ehrenamtlich unterstützt, gefordert worden. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, meint Schäfer. Für Andreas Hofmann, der sich ehrenamtlich in dem Flüchtlingshilfswerk engagiert, ist das unverständlich. „Der Bürgermeister vertritt hier die Sicht der Verwaltung und nicht die der Bürger“, sagt Hofmann. Wenn das soziale Umfeld der Flüchtlinge verbessert werden könne, dann sei das für alle Bürger von Vorteil.

Betreuung aufstocken

SPD-Ausschussmitglied Wilhelm Mevert unterstützte die Forderung nach einem Streetworker, der die Flüchtlinge in den Wohnungen aufsucht. „Es ist klar geworden, dass bei dem, was die Awo macht, etwas im Argen liegt und ein Sozialarbeiter, der die Menschen vor Ort betreut, benötigt wird. Es ist auch klar, wer das machen soll, nämlich die Awo“, meint Mevert. Die Frage danach, wer wann zuständig sei, müsse zudem geklärt werden. „Es kann nicht sein, dass ein Awo-Sozialarbeiter auch für Nienstädt zuständig ist, über die Dörfer reist und in Obernkirchen nicht mehr zu fassen ist“, sagt der SPD-Politiker.

Der Bereich der Betreuung durch die Awo müsse aufgestockt werden. „Und dafür muss die Stadt werben“, sagt Mevert. Der Landkreis sollte überprüfen, ob die Awo die Betreuung ordnungsgemäß durchführt und die finanziellen Mittel bereitstellen. „Wenn der Landkreis das nicht macht, dann muss er der Stadt Gelder geben, damit ein Sozialarbeiter vorgehalten werden kann“, sagt Mevert.

CDU-Politiker Horst Sassenberg widersprach Mevert. „Wenn ich höre, dass die Awo-Mitarbeiter immer gut zu tun hätten, und ich erfahre, was die Stadtkoordinatorin und das ehrenamtliche Netzwerk tun, dann sehe ich den Bedarf eines zusätzlichen Sozialarbeiters nicht“, sagt Sassenberg.

Man dürfe nicht vergessen, dass es sich in Obernkirchen – im Vergleich mit anderen Kommunen – um eine „sehr geringe Anzahl an Flüchtlingen“ handeln würde. „Wenn schon drei Organisationen an der Betreuung beteiligt werden, frage ich mich, ob es nicht vielleicht noch mehr Reibungspunkte zwischen den einzelnen Kompetenzen gibt, wenn noch eine weitere dazukommt“, sagt Sassenberg. leo