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Obernkirchen Stadt SV Obernkirchen: Vor der Zukunft ist der Sparte nicht bange
Schaumburg Obernkirchen Obernkirchen Stadt SV Obernkirchen: Vor der Zukunft ist der Sparte nicht bange
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20:29 11.10.2019
Obernkirchen

Jürgen Pott hatte im Keller eine Tischtennis-Platte. Und so fanden sich dort regelmäßig fünf, sechs Jugendliche zum Sport mit der kleinen Kugel. „Aber eng“, erinnert sich Hans-Joachim Mevert, „eng war es schon.“ Es war ein unerwarteter Glücksfall, dass der Konsum umzog. Den freien Raum durften die Tischtennisspieler nutzen, und verfügten dann auch über deutlich mehr Platz hinter der Platte. Die Jugendlichen fragten beim SVO nach, ob man dort nicht eine Sparte gründen dürfe, die Antwort fiel positiv aus, nur ein Erwachsener wurde noch gesucht, der offiziell als Spartenleiter fungierte. Bauamtsleiter Helmut Koch ließ sich nicht zweimal bitten, sagt Gründungsmitglied Mevert.

Die Tischtennis-Begeisterung war mehr als ein kurz loderndes Strohfeuer. Zwei Jahre nach Koch begann die „Ära von Adolf Flieger“, wie Mevert erklärt. Es folgten die großen sportlichen Erfolge, bis hin in die 1. Bundesliga, wie diese Zeitung damals meldete und für unfreiwillige Heiterkeit sorgte: Tatsächlich war es 1978 der Aufstieg in die 2. Verbandsliga, die vierthöchste Liga, die sechs Jahre gehalten werden konnte.

19 Jahre dauert die Ära Flieger. Und welchen Stellenwert der Tischtennissport damals in der Bergstadt genoss, zeigt ein Blick auf alte Fotos: Die Zuschauerzahl bei den Spielen muss stets enorm hoch gewesen sein.

Für Rassismus, Sexismus und abwertende Sprüche ist kein Platz

Ein halbes Jahrhundert ist seitdem vergangen. Und sogar die Weltgeschichte wurde kurz gestreift: Wenige Monate nach dem Mauerfall, am Wochenende der Währungsunion, hatte Roland Plötz, der im Oktober 1989 als DDR-Flüchtling über Ungarn nach Obernkirchen kam, ein Freundschaftsspiel in Kyritz organisiert. Um Mitternacht gab es ein riesiges Feuerwerk. Die D-Mark kam, die Zeitenwende. Mancher DDR-Bürger steckte sich seine Zigarre mit dem letzten Ost-Geld an.

Einen zweiten Hauch der Weltgeschichte erlebten die Spieler vor vier Jahren, als die Flüchtlinge in Deutschland und damit auch in der Bergstadt ankamen. Der sportliche Erfolg hielt sich in Grenzen. Neun Monate hat ein Somalier in der TT-Sparte mitgespielt, dann ist er weitergezogen. Doch Mevert denkt gern an diese Zeit zurück, denn ihr hat sich die DNA der Sparte offenbart, und dem Spartenleiter hat sie gefallen: „Jeder hat mitgezogen, keiner hat gemeckert.“ Die Sparte hat sich mehrmals im Café International vorgestellt. „Wir sind offen und integrationsfähig“, sagt Mevert. Und das werde, ganz generell, auch für die Zukunft gelten, sagt er. Für Rassismus, Sexismus und abwertende Sprüche gab und gibt es keinen Platz in der Sparte, „das dulden wir nicht.“

Getrennt gegen den Frust

Damit spannt der Spartenleiter den Bogen in die Gegenwart, die vor allem mit dem Namen von Heiko Eilers verbunden ist, dem jetzigen Jugendwart und Trainer. Eilers stammt aus Ostfriesland und wollte dort vor vier Jahren seinen Sohn zum Tischtennis-Sport führen, doch der Filius entscheid sich dagegen, der Vater blieb. Nach dem Umzug in den Landkreis Schaumburg schloss er sich der SVO-Sparte an, legte im letzten Jahr den Trainerschein ab und begann, erstens, eine Kooperation mit der Gotteshütte, die zu acht neuen jugendlichen Spielern führte. Zweitens bietet er einen Termin nur für erwachsene Anfänger und Wiedereinsteiger an.

Denn in anderen TT-Vereinen müssen erwachsene Anfänger mit den erfahrenen Spielern trainieren. Was schnell zu Frust auf beiden Seiten führt: Der langjährige Spieler will sein Potenzial nicht ausschöpfen, damit der Neuling nicht entmutigt wird, doch er merkt die Absicht, ist zumeist verstimmt –und oft für den Sport verloren. Diese neue Gruppe hat Eilers sehr bald für den Spielbetrieb gemeldet, (absteigen kann man in dieser Liga nicht mehr), aber so schlecht, sagt er, hat sich das Team in bisher drei Spielen gar nicht geschlagen: ein Unentschieden, ein Sieg, eine Niederlage.

In dieser Woche hat die Sparte ihren 50. Geburtstag gefeiert, zu Weihnachten steht noch die „Große 21“ an, und vor der Zukunft, so sagen Eilers und Mevert, ist ihnen nicht bange: In der SVO-Sparte gehe es, gegen den allgemeinen Trend, aufwärts.

Weitere Informationen gibt es auf der Internet-Seite: tt-im-svo.de. rnk